„Ihr lieben Mamas, ich möchte mir heute einfach mal ein bisschen was von der Seele schreiben. Vielleicht könnt ihr mein Problem ja nachempfinden? Es geht um den Namen meines Sohnes.

Als ich von meiner Schwangerschaft erfuhr, war ich überwältigt. Ich konnte es kaum abwarten, meinem Mann davon zu erzählen. Wir hatten es seit ungefähr sechs Monaten versucht und eigentlich kein anderes Thema mehr. Als er abends nach Hause kam und ich ihm erzählte, dass wir ein Kind bekommen, flossen auf beiden Seiten Tränen.

Nachdem wir uns wieder einigermaßen gefasst hatten, dachten wir direkt über einen passenden Namen für unser Wunder nach.

Uns beiden war es wichtig, dass unser Kind einen außergewöhnlichen Namen hat, einen, den viele noch nicht mal gehört hätten. Dennoch sollte er nicht zu sehr aus dem Rahmen fallen. Immerhin soll unser Kind später nicht dauernd buchstabieren müssen und ihn gut aussprechen können. Meinem Mann und mir gefiel auf Anhieb ein Name, der sowohl für Jungs als auch für Mädchen passt. Er war kurz und prägnant, hatte trotzdem einen schönen Klang. Und das wichtigste: Wir kannten niemanden, der genauso hieß.

So kam es, dass für uns schon sehr früh feststand, wie unser Schatz heißen wird. Familie und Freunde verrieten wir den Namen vor der Geburt noch nicht, aber wenn wir alleine waren, dann streichelten wir zärtlich über meine Babykugel und sprachen unser ungeborenes Baby schon mit seinem zukünftigen Namen an. Er kam uns dabei ebenso besonders vor, wie das kleine Menschlein, das in mir heranwuchs.

Wir waren uns also ganz sicher, dass wir den richtigen Vornamen gefunden hätten.

Dann war es soweit, unser kleiner Schatz kam zur Welt und wir wurden Eltern von dem bezauberndsten kleinen Jungen, den man sich nur denken kann. Als wir dann seinen Namen offiziell machten, bekamen wir nur positive Reaktionen. Viele fragten uns, wie wir denn auf diesen Namen gekommen wären und lobten uns für unsere Wahl. Auch wir waren ziemlich stolz. Ich war geschmeichelt und freute mich, dass mein Mann und ich so einen originellen Geschmack bewiesen hatten. Ich dachte damals wirklich, dass ich den perfekten Namen für meinen perfekten Sohn ausgesucht habe.

Es fing dann zwei Jahre nach der Geburt an. Plötzlich hörte ich von der Bekannten einer Freundin, die ein kleines Mädchen bekommen hatte und ihr den gleichen Namen gab wie wir unserem Sohn. Es versetzte mir damals schon einen Stich, aber ich versuchte, mir nicht zu viele Gedanken zu machen. Dann bekam die Tochter der Nachbarin auch einen kleinen Jungen und nannte ihn genauso. In den Folgejahren hörte ich plötzlich immer wieder von Paaren, die ihren Babys ‚unseren‘ Namen gaben.

Es war als hätte die ganze Welt ihn plötzlich für sich entdeckt.

Neulich während eines Zoom-Meetings mit einer Kollegin lästerte diese über die immer gleichen Namen in der Kita-Gruppe ihres Kindes. Als Beispiel zählte sie ein paar der ‚ätzenden‘ Dauerbrenner auf, darunter auch der Name meines Sohnes. Ich sagte nichts dazu, aber innerlich zuckte ich zusammen.

Seitdem kann ich es nicht mehr leugnen: Der Name meines Kindes ist mittlerweile alles andere als etwas Besonderes. Im Gegenteil, er ist wahnsinnig populär und immer mehr Kinder tragen ihn. Das stört mich sehr, schließlich war es für uns ganz wichtig, dass unser Sohn einen Namen hat, der selten ist. Sein Name sollte sein Alleinstellungsmerkmal sein und jetzt heißt gefühlt jedes dritte, etwas jüngere Kind in der Kita so.

Ab und zu habe ich mir inzwischen schon gewünscht, wir hätten damals einen anderen Namen gewählt.

Ein paar unserer anderen Favoriten sind bis heute selten. Andererseits gehört sein Name einfach zu meinem Sohn. Wenn ich ausblende, dass er so populär ist, mag ich ihn immer noch sehr und finde ihn passend. Mein Kleiner ist inzwischen fünf Jahre alt. Ich glaube, er findet seinen Namen gut. Er ist jedenfalls ziemlich stolz, dass er ihn schon schreiben kann und kritzelt ihn seit neustem überall hin.

Eigentlich ist es ja auch das Wichtigste, dass er sich mit dem Namen wohlfühlt und gut damit leben kann. Deswegen hoffe ich, dass ich mich irgendwann damit abfinden kann, dass dieser unglaublich originelle Name, den wir mal ausgesucht haben, inzwischen omnipräsent ist.“


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71 Kommentare

  • Jenny

    Ich kann es ein bisschen verstehen… Ich arbeite im pädagogischen Bereich und hatte einen Namen für meinen Sohn den ich und auch Kollegen noch nie in der Betreuung hatten und wir meldeten ihn an nach der Geburt. Was kam von der Beamtin „Oh den Namen habe ich in den letzten 2 Wochen schon 4 mal genehmigt“ ich war ein wenig enttäuscht aber es ist ja nicht wichtig wie jemand heißt sondern wie ein Mensch ist und sich entwickelt

    Übrigens tippe ich auf den Namen Mika

  • Katja

    DAS, liebe Leute, sind First-World-Problems!
    Da wird rumgejault, das der eigene Nachwuchs nicht das ganz spezielle Pony auf der Weide ist bzw. geblieben ist.
    Der Name selbst ist da schon schnurzegal… aber diese Botschaft, die die Einstellung rüberbringt…
    „Mein Kind ist ja sooo speziell, das braucht sooo nen besonderen Namen, damit das auch alle merken…“

    Blöd, das Namen nicht patentiert sind, gelle?
    Mann Mann Mann….

  • Patricia Von Breiten-Landenberg

    Ich habe meine Tochter Johanna genannt, als Anlehnung vieler starker Frauen der Geschichte, sie wird in ihrem Leben bestimmt einige Menschen dieses Namens kennenlernen, aber sie weiß meine Beweggründe sie so zu nennen….

  • Petra Hoberg

    Meine Jungs heißen Ben und John. Und dann kamen bei GZSZ die Bachmanns. Aber ich war zuerst da , ne Scherz, is mir des wurschd!