Erste Hilfe für dein Kind: Wie du in den 5 häufigsten Not-Situationen am besten reagierst

Dein Kind hat sich verletzt? Es ist ein Alptraum jeder Mutter, vor allem wenn Blut läuft oder zum Beispiel der Kopf betroffen ist.

Generell gilt: Versuche ruhig zu bleiben, auch wenn das schwer fällt! Dein Schatz hat schon genug Angst und steht vielleicht unter Schock. „Sprich so normal wie möglich mit deinem Kind, um es zu beruhigen und abzuschätzen, wie es ihm geht“, sagt Alexander Verschl, Rettungssanitäter und Ausbilder für Erste Hilfe am Kind aus München.

  1. Dein Kind blutet

Oberflächliche Alltagswunden reinigst du am besten zuerst mit feuchten Kompressen oder einem Küchentuch. „Gerade bei Babys und Kleinkindern ist es wichtig, möglichst keine Keime in die Wunde kommen zu lassen. Dennoch sind Desinfektionssprays meist unnötig“, sagt der Experte. Pflaster drüber, pusten, gut. Ist die Wunde größer, lagerst du das entsprechende Körperteil zuerst nach oben. Also beispielsweise hinlegen und Beine hoch, wenn die Wade oder das Knie betroffen ist. „Bei starken Blutung drückst du das Körperteil zusätzlich oberhalb der Wunde zusammen“, rät der Experte. In jedem Fall ist jetzt eine sterile Kompresse dran, auf die du ein paar Minuten deine Hand drückst. Upps, die hast du gerade nicht parat? Auch ein Taschentuch tut’s zur Not. „Das kann zwar leicht fusseln, in dem Moment ist es aber am wichtigsten, die Blutung zu stillen“, so Verschl. Merkst du, dass Blut nachkommt, legst du eine noch verpackte Mullbinde auf Höhe der Wunde auf die Kompresse und umwickelst diese mit einer weiteren Binde – fertig ist der sogenannte Druckverband. Je nachdem wie schlimm die Verletzung ist, fährst du so mit dem kleinen Patienten zum Arzt oder ins Krankenhaus. Natürlich kannst du auch den Notruf – 112 –anrufen. Bist du dir nicht sicher, ob es wirklich der Krankenwagen sein muss, wählst du die 116 117 und erreichst damit den ärztlichen Notdienst. Der schickt bei Bedarf auch einen Arzt zu dir. Der ist jedoch nicht so schnell vor Ort, wie die Sanitäter es wären.

  1. Dein Kind ist auf den Kopf gestürzt

„Mir ist es lieber, das Blut läuft spektakulär das Gesicht runter und das Kind schreit lautstark, als das gar nichts zu sehen ist und das Kind total apathisch wirkt“, sagt der Rettungssanitäter. „Dann kann nämlich eine Gehirnerschütterung oder etwas Schlimmeres vorliegen.“ Nach einem Sturz ist ein weinendes Kind ein gutes Kind! Beachte deinen Schatz in nächster Zeit sorgfältig. Wenn er total blass ist, bricht, benommen wirkt, über Kopfschmerzen oder Schwindel klagt (sofern er das schon kann) – ab zum Arzt! „Ab einer Fallhöhe, die die doppelte Körperhöhe des Kindes ausmacht und der Kopf betroffen ist, würde ich zur Sicherheit die Kinderklinik aufsuchen“, so der Experte. Übrigens: Verschl, selbst Vater einer Tochter, hält nichts von dem Rat, ein Kind nach so einem Unfall nachts jede Stunde zu wecken, um dessen Zustand zu checken. „Das ist total unrealistisch. Erstens kann in einer Stunde viel passieren und zweitens gerate ich in totale Panik, nur weil mein Kind vor lauter Müdigkeit benommen reagiert.“ Also lieber gleich beim Arzt abklären lassen, ob nicht doch eine Nacht zur Beobachtung in der Klinik sinnvoll ist.

  1. Dein Kind hat sich verbrannt

„Bei einer Flüssigkeit reicht schon eine Temperatur von 52 Grad, um jemanden innerhalb von Sekunden zu verbrühen“, so der Experte. Da wird eine schöne Tasse Tee schnell zum Albtraum, zumal diese Menge schon bis zu zwei Drittel der Babyhaut verbrühen kann. Natürlich ist Kühlen der nächste Schritt. Aber: „Eine große Gefahr nach einer Verbrennung ist paradoxerweise die Unterkühlung“, erklärt der Erste-Hilfe-Ausbilder. Denn wenn du bei einem Kind eine verbrannte Stelle zu lange und/oder mit zu kaltem Wasser behandelst, kühlt der komplette kleine Körper runter. Ideal ist laut Verschl je nach Alter des Kindes und der betroffenen Stelle eine Behandlung von 5 bis 10 Minuten bei einer Wassertemperatur von etwa 20 Grad. Danach: Das Kind wärmen, die Wunde steril abdecken und – ab zum Arzt oder der zu euch.

  1. Deinem Kind ist etwas im Hals stecken geblieben

Speise- und Luftröhre liegen eng zusammen, da kann schon mal das viel zu hastig gegessene Wurststück in den falschen Kanal gelangen und stecken bleiben. Was leider ebenfalls gern mit Legosteinen oder Murmeln passiert. Das etwas in der Luftröhre feststeckt, merkst du als erstes daran, dass dein Kind schlecht Luft bekommt, hustet, beim Atmen Geräusche macht und/oder sich Lippen und Haut blau färben. „Lege dein Kind, egal wie alt es ist, bäuchlings auf deinen Schoss“, rät der Rettungssanitäter. Der Kopf hängt nach unten. „Klopfe ihm dann ein paar Mal beherzt zwischen die Schulterblätter.“ Auf diese Weise lösen sich die meisten Gegenstände und können ausgehustet werden. Ist das nicht der Fall, musst du zu einer drastischeren Methode übergehen, dem sogenannten Heimlich-Handgriff. „Dieser Griff kann andere Organe verletzen und sollte immer nur als Letztes und nur bei echter Erstickungsgefahr versucht werden“, so der Experte. Umarme dazu das Kleinkind von hinten und nimm die Hände auf Magenhöhe zusammen – also da, wo die Rippen aufhören. Ziehe die Hände zu dir und hebele mit den Unterarmen gegen die Rippen. Ist dein Kind noch ein Säugling oder Baby, legst du es dir für den Heimlich-Griff rücklings auf den Schoss und drückst mit zwei Fingern auf den Brustkorb. Um wirklich sicher mit diesen Methoden zu sein, besuchst du am besten einen Erste-Hilfe-Kurs für (Klein-)Kinder.

  1. Dein Kind hat etwas Giftiges gegessen oder getrunken

Zu Hause sind eure Medikamente an einem Platz verstaut, den dein Kind nicht erreichen kann. Auch das Putzmittel inklusive dem Spülmittel steht außer Reichweite. Richtig? Aber nicht alle Wohnungen sind derart kindersicher, daher solltest du wissen: „Trinkt das Kind Spülmittel, kann es zum Aufschäumen im Magen und Einatmen des Schaumes kommen“, erklärt Verschl. Dabei geraten die kleinen Blasen in die Lungen, was zur akuten Atemnot führen kann. Gib deinem Kind am besten sofort ein bis drei Teelöffel von einem entschäumenden Medikament. Das haben die meisten Eltern sowieso zu Hause, weil es Säuglingen gegen Blähungen hilft. Dieses Mittel lässt Bläschen in sich zerfallen, ja, das klappt auch mit Spülmittel-Blasen. Rufe in dringenden Fällen den Notruf oder in entspannteren Situationen den Giftnotruf in deiner Nähe an. Am besten speicherst du die Nummer JETZT in dein Handy ein, um sie im Notfall parat zu haben.

Diesen Giftnotruf wählst du auch, wenn dein Kind mit einem Tablettenblister spielt, aus dem offensichtlich Tabletten fehlen. Oder wenn es Putzmittel getrunken hat, den WC-Stein aufgefuttert, an Nagelentferner-Wattebäuschen aus dem Badmülleimer lutscht, draußen Pilze oder wilde Beeren anknabbert oder…

Nach (!) Absprache mit dem Giftnotruf kann du deinem Kind in Wasser aufgelöstes Kohlepulver geben. Die Kohle bindet Giftstoffe und verhindert so, dass sie weiter vom Körper aufgenommen werden. Wichtig zu wissen: Auch einige Zimmerpflanzen oder Teile aus Adventsgestecken sind giftig.

Übrigens:

Das Kinder-Notfalltraining von Alexander Verschl kann man jetzt auch online machen!

Martina Steinbach

Dank meinen Töchtern Jana und Lene fühle ich mich wie der Eintrag im Lexikon zu „Mama, echte“ – oft echt müde, noch öfter echt herausgefordert und ganz oft echt happy! Als ausgebildete Journalistin finde ich es großartig, über das Leben mit Kids schreiben zu dürfen und mit meinen Texten anderen Mamas helfen zu können. Mit Mann und Mädels lebe ich in München und vermisse Hamburg nur noch echt selten 🙂

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