„Ich muss um jede Minute Kontakt zu meiner Tochter betteln“

Meine Eltern waren ein echtes Traumpaar. Nicht immer ein Herz und eine Seele, aber sie sind zusammen durch Dick und Dünn gegangen, haben auch schwierige Zeiten zusammen durchgestanden – und waren immer für mich da. Beide. Als sich in meinem Freundeskreis Elternpaare trennten, konnte ich mir nie vorstellen, wie das ist. Wenn Papa plötzlich nur noch am Wochenende da ist oder sogar nur alle zwei Wochen. Auch für meine damaligen Freunde war das teilweise wirklich schlimm. Denn auch wenn die Kinder nicht direkt etwas mit der Trennung zu tun haben, leiden sie häufig am meisten darunter. Wie soll ein kleines Kind auch verstehen, warum Papa (oder Mama) plötzlich nicht mehr zuhause wohnt?

Noch schlimmer wird es, wenn die Ex-Partner nicht zwischen Paar- und Elternebene trennen können. Viel zu häufig passiert es, dass Kinder für Machtspielchen oder als Druckmittel benutzt werden, um sich am Ex-Partner zu rächen. Im schlimmsten Fall boykottieren sie den Umgang mit dem anderen Elternteil, sodass es zu einer Entfremdung zwischen dem Kind und seinem Papa oder seiner Mama kommt.

Wie schlimm das für die Kinder, aber auch für die betroffenen Elternteile ist, zeigt die Geschichte von Tom (echter Name ist der Redaktion bekannt), der seit vier Jahren um den Kontakt zu seiner Tochter Clara (Name geändert) kämpft:

„Meine Ehe hat mich krank gemacht

„Ich bin kurz davor, den Notarzt zu rufen. Mein Herz rast, ich habe Schweißausbrüche, Bluthochdruck und bekomme schlecht Luft. Wie so oft in letzter Zeit liege ich wach und kann nicht schlafen. Eigentlich müsste ich es tun, ich müsste meine Frau verlassen. Aber ich weiß genau, wenn ich gehe, wird sie ausrasten. Es wird unser Leben zerstören. Und das schlimmste: Ich müsste meine Tochter zurücklassen. Meine kleine Tochter, die ich über alles liebe.“

Tom (richtiger Name ist der Redaktion bekannt) ist seit drei Jahren mit seiner Frau verheiratet. Aber die Ehe macht ihn buchstäblich krank. Seine Frau isoliert ihn von seiner Familie, verhindert den Kontakt zu seinen Freunden, kontrolliert ihn rund um die Uhr. Wenn er mit seinen Eltern spricht, macht sie ihm ein schlechtes Gewissen. Tom telefoniert nur noch heimlich, schreibt schnell im Bad eine SMS. Auch Besuche bei seinen Eltern sind nur noch heimlich möglich. Das Ganze geht so weit, dass Tom eine Angststörung erleidet.

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Nach der Trennung wird das Kind instrumentalisiert

Was ihn die ganze Zeit daran hindert, seine Frau zu verlassen: Die beiden habe eine gemeinsame Tochter. Clara ist 1 1/2 Jahre alt, und ihr Papa liebt sie über alles. Aber irgendwann geht es nicht mehr. Tom kann einfach nicht mehr, er muss raus. Raus aus der Ehe. Raus aus der gemeinsamen Wohnung. Weg von seiner Frau. Als es zu einem großen Streit kommt, wirft sie einen Teller nach ihm – das ist der letzte Anstoß, den er braucht, um seine Sachen zu packen. Doch der Alptraum ist noch lange nicht zu Ende: Seine Ex-Frau ist so verletzt, dass sie ihm den Kontakt zur gemeinsamen Tochter so schwierig wie möglich macht.

Wenn es nach der Trennung zur Entfremdung kommt, leiden die Kinder am meisten.
Foto:Bigstock

„Nach der Trennung musste ich von Anfang an um jede Minute kämpfen, um unser gemeinsames Kind betreuen zu dürfen. Meine Ex-Frau hat von Anfang an gesagt, sie diktiert die Regeln, sonst würde ich sehen, was passiert. Ich durfte Clara zwar abholen, aber jeweils nur stundenweise. Die Mutter war dagegen, dass unsere Tochter bei mir einen Mittagsschlaf macht. Erst nach und nach durfte ich sie etwas länger sehen. Als sie 3 Jahre alt war, war meine Ex-Frau dann endlich einverstanden, dass die Kleine mittags bei mir schläft.

Zwei Monate später hat die Mutter dann erlaubt, dass ich Clara aus dem Kindergarten abholen darf. Ich habe mir einen Tag pro Woche freigenommen, um für meine Tochter da zu sein.“

Das Familiengericht soll helfen

Entspannt hat sie die Situation dadurch aber nicht, denn die Mutter achtete auf jede Minute. Waren die beiden nur zehn Minuten zu spät, gab es einen riesigen Streit – vor den Augen des Kindes. Auch ihren zweiten Geburtstag musste Clara ohne ihren Papa feiern. „Meine Ex-Frau war der Ansicht, es würde für die Kleine keinen Unterschied machen. Und wenn ich dabei wäre, wären ihre Eltern gegangen.“

Auch ihre Tochter über Nacht beim Papa zu lassen, kam für die Mutter nicht in Frage, obwohl die beiden immer ein tolles Verhältnis zueinander hatten. Deshalb wandte sich Tom irgendwann an das Familiengericht: „Ich hatte die Hoffnung, dass ich sie so dazu bringen kann, sich mit mir an einen Tisch zu setzen, um eine Regelung zu finden, mit der beide Seiten leben können – und die für unsere Tochter das Beste ist.“

„Die Mama hat gesagt, wenn ich heim will, muss ich weinen“

Wenig später saß Tom mit seiner Ex-Frau beim Jugendamt. Dort wurde beschlossen, dass Clara ab sofort auch beim Papa übernachten darf. Zu viel für seine Ex-Frau: Sie brach in Tränen aus. Als die Kleine zum ersten Mal zur Übernachtung bei ihm ist, sagt sie zu ihm: „Die Mama hat gesagt, wenn ich heim will, muss ich weinen. Aber weißt Du, Papa, ich will gar nicht heim!“ Für Tom ein Schock: „Ich war wirklich schockiert, so etwas hätte ich nicht erwartet!“

Die ersten Übernachtungen liefen völlig problemlos. Dann schlief Clara in einer Nacht plötzlich sehr unruhig, Tom musste sie mehrfach wecken. „Bei der Übergabe am nächsten Tag erzählte ich meiner Ex-Frau, dass die Nacht der unruhig gewesen war. Danach wurden die Kontakte ausgesetzt, weil Clara krank war.“ Auch aus dem Kindergarten durfte Tom seine Tochter erst einmal nicht abholen, und plötzlich wollte Clara nicht mehr zu ihrem Papa. Die Mutter schaltete daraufhin das Jugendamt ein. „Plötzlich durfte ich meine Tochter nur noch einmal pro Woche sehen, und das auch noch im Wohnzimmer meiner Ex-Frau. Das Jugendamt hoffte, dass sich die Situation dadurch entspannen würde. Das hat leider überhaupt nicht funktioniert.“

Seit 15 Monaten sieht Tom Clara nur 2 Stunden pro Woche

Seit inzwischen 15 Monaten darf Tom seine Tochter nur noch 2 Stunden pro Woche sehen, und seine Ex-Frau ist immer dabei. Wenn er der Kleinen beim Malen zuschaut, fallen plötzlich Sätze wie „Mama, eigentlich brauche ich jetzt meine Ruhe.“ Ostern, Weihnachten, Silvester verbringt Clara jedes Jahr nur bei ihrer Mutter. Auch an Toms Geburtstag darf er seine Tochter nicht sehen. Wenn es zum Streit zwischen den Ex-Partnern kommt, ist die Tochter häufig dabei. Auch wenn sie am Telefon streiten, steht Clara daneben.

Auch aus dem Kindergarten darf Tom seine Tochter schon lange nicht mehr abholen. „Weil meine Ex-Frau in Vollzeit arbeitet, bringt die Oma Clara jeden Tag in die Kita, holt sie dort auch wieder ab und betreut sie am Nachmittag für mehrere Stunden.“ Zeit, die er als Papa sehr gern mit seiner Tochter hätte.

Tom überredet seine Ex-Frau zu einer Elternberatung. Sie besuchen vier Termine in sieben Monaten – ohne Erfolg. „Meine Ex-Frau ist der Meinung, ich habe das Problem mit meiner Tochter, und sie hat nichts damit zu tun.“ Gleichzeitig beschimpft sie ihn als „Sonntags-Papa“, dabei würde Tom alles tun, um öfter für seine Tochter da zu sein. Er spricht mehrfach mit dem Jugendamt, wendet sich an Kinderpsychologen, Ansprechpartner im Kindergarten und schließlich an einen Anwalt.

Toms Ex-Frau trug den Streit offen vor der geminsamen Tochter aus.
Symbolfoto: Bigstock

„Papa, ich weiß genau, wie böse du bist!

Aus Verzweiflung und Angst, den Kontakt zu Clara irgendwann ganz zu verlieren, bleibt Tom irgendwann nur noch der Gang zum Familiengericht. Vor der ersten Anhörung sagt Clara plötzlich Sätze wie „Papa, ich möchte nicht mehr, dass du mich besuchst“ und „Papa, ich weiß genau, wie böse du bist.“ Sätze, die Tom mitten in sein Papaherz treffen. Auf seine Nachfrage hin, ob sie ihn wirklich nicht mehr sehen möchte, antwortet Clara: „Doch!“ und schaut ihren Papa verständnislos an.

Mögliche Gründe für die Entfremdung: Rache, Neid, Angst

Wie alle betroffenen Väter (und Mütter, denn auch Frauen sind von dieser Art der Entfremdung betroffen), hat auch Tom sich oft die Frage gestellt, warum sein Ex-Frau so handelt. Warum sie das Verhältnis zwischen ihm und seiner Tochter seit Jahren konsequent boykottiert. „Ich glaube, da kommen einige Dinge zusammen“, ist er sich sicher. „Zum einen ist sie natürlich gekränkt, dass ich sie verlassen habe. Zum anderen ist sie leider selbst auch so aufgewachsen. Schon ihre Mutter hat nur die eigene Seite der Familie akzeptiert. Ich könnte mir auch vorstellen, dass sie Angst hat. Ich war immer ein sehr liebevoller Vater, und vielleicht hat sie Angst, Clara zu verlieren, wenn sie mich nicht loswird. Deshalb kann sie sich auch nicht darüber freuen, wenn unsere Tochter mit mir lacht, spielt und sich freut.

Außerdem glaube ich, dass sie nicht damit klarkommt, dass ich mich nach der Trennung optisch und menschlich stark verändert habe. Ich bin selbstbewusst und mit mir zufrieden. Meine einzige Baustelle ist die Beziehung zu meiner Tochter, und sie weiß genau, dass sie mich damit am meisten trifft.“

„Ich vermisse meine Tochter jeden Tag, jede Minute, jede Sekunde“

Genau das ist häufig das Ziel, wenn Elternteile so handeln wie Toms Exfrau. Sie wollen dem ehemaligen Partner wehtun, ihn vielleicht genauso leiden lassen, wie sie selbst unter der Trennung gelitten haben. Und das tun die Betroffenen: sie leiden. „Ich vermisse meine Tochter jeden Tag, jede Minute, jede Sekunde“, erzählt Tom traurig. „Es vergeht kein Tag, an dem ich nicht an Clara denke. Bei allem, was ich erlebe, denke ich, wie schön es wäre, wenn meine Tochter dabei wäre. Wenn ich ihr all die schönen Dinge zeigen könnte. Der Gedanke, dass ich schon so viel gemeinsame Zeit verpasst habe und leider wohl auch noch verpassen werde, macht mich unfassbar traurig.“ Auch für Toms Familie ist die Situation schwierig: Oma, Opa und Toms Brüder durften ihre Enkelin seit 15 Monaten gar nicht mehr sehen.

Mädchen weint, Tränen

Nicht nur für Tom ist die Situation schwer, auch Clara leidet sehr unter der Entfremdung.
Symbolfoto: Bigstock

Kinder leiden am meisten unter der Entfremdung

Neben Tom und seiner Familie leidet aber eine Person am meisten unter der ganzen Situation: Clara. Seit der Trennung sind 3,5 Jahre vergangen – eine Ewigkeit in diesem Alter. Toms Tochter ist inzwischen 5 Jahre alt. Ihr Papa beschreibt sie als sehr ängstliches Mädchen mit sehr wenig Selbstvertrauen. Die Kleine spielt oft allein und zurückgezogen und spricht nur mit wenigen Menschen. Sie leidet regelmäßig unter Alpträumen und ist im Kindergarten häufig müde. Auch bei den kurzen Treffen mit ihrem Papa wirkt sie inzwischen verängstigt. Dann weint Toms Papaherz, denn natürlich möchte er seine Tochter am liebsten glücklich sehen.

Gesetzliche Regelung reicht häufig nicht aus

Ein Problem bei dem Versuch, Clara häufiger zu sehen, und eine Situation zu schaffen, bei der die Kleine endlich zur Ruhe kommt, sieht Tom in der gesetzlichen Regelung. „Meine Ex-Frau und ich haben zwar das gemeinsame Sorgerecht, aber im Prinzip bekommt man gesagt, dass man sich einigen soll. Und dazu gehören nun mal leider zwei“, erzählt er. „Wenn die Mutter sich weigert, wird sie häufig zu nichts verpflichtet und sitzt am längeren Hebel. Die meisten Kinder wohnen ja bei der Mutter uns sind von ihr abhängig. Wenn sie den Ex-Partner nicht akzeptieren kann, und die Kinder das mitbekommen, verbünden sie sich häufig mit der Mama. Schließlich wollen sie nicht, dass sie traurig ist. Im schlimmsten Fall kommt es irgendwann zum völligen Kontaktabbruch zum anderen Elternteil – auch wenn im Grundgesetz ganz klar festgelegt ist, dass beide Elternteile das Recht und die Pflicht haben, sich um ihr Kind zu kümmern.“

Auch Clara befindet sich seit der Trennung in einem Loyalitätskonflikt zwischen ihren Eltern. Bisher war niemand in der Lage, diesen aufzulösen – weder Beratungsstellen, noch das Jugendamt oder das Familiengericht. Für Väter wie Tom eine Katastrophe. Denn mit jedem Tag, jeder Woche, jedem Monat entfernt sich seine Tochter ein kleines bisschen mehr von ihm.

„Ich würde mir für solche Fälle klare Regeln wünschen, um die Konflikte zu entschärfen und die Kinder zu schützen. Zum Beispiel eine Mediationspflicht, wenn bei einer Trennung Kinder betroffen sind. Damit es Konsequenzen gibt, falls ein Elternteil nicht bereit ist, eine gemeinsame Lösung zu finden.“ Am liebsten wäre Tom eine Regelung, bei dem die Kinder gleich viel Zeit mit Mama und Papa verbringen. Und bei dem sie nicht genötigt werden, sich auf eine Seite zu schlagen.

„Es ist das grausamste, was man seinem Kind antun kann!“

Allen Elternteilen, die ihre Kinder in den Streit mit dem Ex-Partner hineinziehen, und den Umgang boykottieren, möchte Tom als Betroffener vor allem eines sagen: „Bitte tut das nicht! Jedes Kind hat eine Mutter und einen Vater und jedes Kind hat das Recht seine Eltern kennenzulernen und zu lieben! Es ist das grausamste was man seinem eigenen Kind antun kann.“

Zu diesem Ergebnis kommt übrigens auch eine Studie der Professorin Dr. Ursula Gresser. Demnach schadet die Entfremdung von einem lebenden Elternteil einem Kind etwa doppelt so stark und hält dreimal so lange an wie ein Kontaktabbruch durch den Tod des Elternteils.

Deshalb, lieb Eltern: Auch wenn eine Trennung schmerzhaft ist – bitte denkt dran, dass eure Kinder Mama UND Papa brauchen.

Wiebke Tegtmeyer

Nordisch bei nature: Als echte Hamburger Deern ist und bleibt diese Stadt für mich die schönste der Welt. Hier lebe ich zusammen mit meinem Mann und unseren beiden Kindern. Ich liebe den Hafen, fotografiere gern, gehe gern zu Konzerten und zum Fußball. Bei Echte Mamas kann ich meine Leidenschaft für Social Media und Texte ausleben – und darüber freue ich mich sehr.

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