„Wenn Papa nein sagt, frag ich Mama“ – wenn Eltern sich nicht einig sind.

Im Großen und Ganzen haben mein Freund und ich dieselben Vorstellungen von der Erziehung unserer Tochter. Darüber bin ich unglaublich dankbar – ein Stressfaktor weniger! Keine Frage, natürlich kommt es aber trotzdem vor, dass wir eine Ansage oder Entscheidung des anderen für übertrieben (oder auch schlichtweg völlig schwachsinnig) halten.

Wie ist es aber, wenn man mit seinem Partner in Sachen Erziehung so gar nicht auf einen gemeinsamen Nenner kommt? Wenn man ewig diskutiert – oder sogar das schon längst aufgegeben hat?

Wir haben Nicole Klütz, Pädagogin und Expertin in haltgebender Erziehung gefragt, was es mit einem Kind – und natürlich der Beziehung zueinander – macht, wenn Mama und Papa komplett unterschiedliche Erziehungsstile haben.

Ein Kind ist eine Herausforderung für die Liebe

„Zu allererst einmal: Eltern zu werden, ist eine echte Bewährungsprobe.“ sagt Nicole Klütz. Man erlebt sich plötzlich gegenseitig auf einer völlig neuen Ebene erlebt. Denn ja, ein Baby verändert wirklich alles – und es ist garantiert ganz anders, als man es sich vorgestellt hat. Die Beziehung, die ehemals „nur“ eine Paarbeziehung war, verändert sich um einen entscheidenden Aspekt: Da ist jetzt jemand anderes, der erstmal für eine längere Zeit die Hauptrolle spielt. Man bewegt sich trotz des großen neuen Glücks auf dünnem Eis, denn auf einmal erwarten die Partner auch völlig andere Dinge voneinander. Eine echte Bewährungsprobe für die Liebe. Nicole Klütz: „Beim zweiten Kind ist dieser Einschnitt dann nicht mehr so gravierend.“

So unschuldig die Kleinen auch sind – sie stellen unser ganzes Leben auf den Kopf. Foto: ©Bigstock

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Das M in Mama steht für müde 😴 Das andere M auch 😅

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Good Cop, Bad Cop?

Und natürlich kann es passieren, dass Paare im Laufe der Jahre außerdem bemerken, dass sie in vielen Punkten völlig unterschiedliche Vorstellungen in Sachen Erziehung haben. Dass einer denkt, der andere sei viel zu lasch oder viel zu streng oder dass sich die Werte, die einer seinem Kind mitgeben möchte, doch sehr von den des anderen unterscheiden. Da natürlich jeder seine Art der Erziehung für die richtige hält, handelt er danach. Nicole Klütz: „Eltern versuchen oft, sich auszugleichen. Empfindet man den Partner als viel zu locker in seinen Regeln, möchte man das vielleicht durch betonte Strenge auffangen.

Und wie geht es dem Kind dabei?

Doch wie empfindet es dass Kind, wenn es von Mama dieses hört, von Papa aber jenes? „Kinder kommen prima damit klar, wenn ihre Elternteile unterschiedlich erziehen.“ beruhigt Nicole Klütz. „Sie haben schnell raus, was sie bei Papa dürfen, bei Mama aber nicht – und umgekehrt. Und das ist dann völlig okay für sie.“

Ein Problem können die Kleinen nur bekommen, wenn ihre Eltern wegen ihnen regelmäßig in Streit geraten – und sie das hautnah mitbekommen. „Natürlich gefällt es einem Kind kurzzeitig ganz gut, wenn ein Elternteil Partei für es ergreift und dann noch ,gewinnt‘. Aber auf Dauer möchte sich kein Kind dafür verantwortlich fühlen, dass sich seine Eltern in die Haare bekommen. Zudem schwächt es in den Augen des Kindes das Bild seiner Eltern, wenn es selbst diese ,Macht‘ hat, sie für einen Moment zu entzweien. Und ,schwache`Eltern sind schlimm für das Bewusstsein eines Kindes – es möchte seine Eltern als stark und verlässlich wahrnehmen. Stark genug, um ihm Sicherheit zu vermitteln.“

Kinder möchten ihre Eltern als „Fels in der Brandung“ erleben, dann könne sie sich voller Vertrauen fallen lassen. Foto: Bigstock

Differenzen besser nicht vor dem Kind austragen

Kurzum: Eltern sollten immer versuchen, diese Differenzen später, unter vier Augen, zu besprechen. Vor dem Kind muss man nicht so tun, als hätte man dieselbe Meinung wie er Partner, wenn einem diese nicht gefällt – aber man kann ihm doch den Rücken stärken. Oder ihm zumindest nicht in denselben fallen. Das klappt natürlich nur, wenn man nicht völlig entsetzt über das Verhalten des anderen ist. „Man muss hier jeweils mit dem Bauch entscheiden. Ganz klar ist natürlich, dass das Kindeswohl im Vordergrund steht! Wann das Kind gerade echten Schaden durch das Verhalten des anderen nimmt, schreite ich sofort ein. Kann ich die Situation aber aushalten, weil sie nur unangenehm für das Kind ist, mute ich sie ihm zu. Bespreche das Ganze dann aber unbedingt abends mit meinem Partner.“

Gründe für extremes Erziehung-Verhalten

Dabei ist es auch wichtig zu fragen, wie es dem Partner in dieser Situation ging. Denn niemand empfindet es als angenehm, sein Kind ständig doll und laut zu maßregeln. Nicole Klütz: „Gerade, wenn der Partner extrem streng und sogar aufbrausend ist, liegen die Gründe dafür oft in seinem eigenen Leben. Leidet der Vater beispielsweise extrem bei der Arbeit, kann es passieren, dass das Kind das abends abbekommt. Dann gilt es, etwas zu ändern! Und auch unsichere Elternteile gehen oft ins Extreme, obwohl sie diese Situation selbst als unbefriedigend empfinden. Hier kann im besten Fall der Partner unterstützen.“

Schweigen und Vorwürfe nützen niemandem – man muss zusammen überlegen, wie man besser „zusammenarbeiten“ kann. Foto: Bigstock

Was ist die Lösung?

Um die passende Lösung für den Erziehung-Zwist zu finden, muss man die eigene Situation also ein wenig analysieren. Ist es einfach so, dass einer ein wenig strenger ist – ohne, dass das Kind dabei Schaden nimmt – und können sich beide Partner damit arrangieren? Oder findet man eine Lösung, in der sich beide zumindest ein wenig aneinander angleichen und trotzdem mit sich im Reinen sind? Auch, wenn man sich dann ab und zu übereinander ärgert: Prima.

Gibt es andere Faktoren im Leben, die einen der Partner schnell übermäßig gereizt reagieren lassen? Dann sollte dafür eine Lösung gefunden werden.

„Kann man sich aber so überhaupt gar nicht einigen, ist das wirklich schwierig. Das belastet die Beziehung auf Dauer enorm,“ so Nicole Klütz. Hier kann am besten ein unabhängiger Dritter, beispielsweise eine Familienberatung, helfen.

Denn nur, wenn die Eltern zufrieden mit der Atmosphäre in ihrer Familie sind, kann sich das Kind sicher und geborgen fühlen.

 

Foto: privat

Unsere Expertin: Nicole Klütz ist gelernte Erzieherin und hat ihre Berufung durch weitere Ausbildungen komplettiert. Sie hilft Familien durch ihre Mischung von haltgebender Pädagogik und therapeutischen Arbeiten. Außerdem bietet sie Elternkurse in ihrem Seminarhaus und Vorträge in Kindertagesstätten an.

In ihrem Blog www.meine-haltestelle.com erzählt sie hilfreich über diverse Kinder-, Eltern- und Erwachsenthemen. Ihre Praxisseite findet ihr unter www.haltestelle-kluetz.de

 

 

 

Laura Dieckmann

Als waschechte Hamburgerin lebe ich mit meinem Freund und unserer vierjährigen Tochter in der schönsten Stadt der Welt – Umzug ausgeschlossen! Bevor das Schicksal mich zu Echte Mamas gebracht hat, habe ich in verschiedenen Zeitschriften-Verlagen gearbeitet. Ich mag leckeres Essen, laute Rockmusik und ab und zu sogar ein bisschen Sport.

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