Warum Elsa und Anna das Zeug zu echten Vorbildern für meine Tochter haben!

Schon bevor meine Tochter vor gut einem Jahr in den Kindergarten kam, sah ich sie überall: Eiskönigin Elsa und ihre Schwester Anna aus dem Disney Film „Frozen“. Auf Kleidung, Rucksäcken, Schuhen, Trinkbechern, Handtüchern, Stempelsets, Joghurt- und Müslipackungen, Badeschaumflaschen – einfach überall!

Bis dahin hatte ich den Hype irgendwie von uns fern halten können. Doch ab dem ersten Kindergartentag gab es kein Halten mehr.

Meine Kleine hatte es erwischt: Der Elsa-Virus hatte sie infiziert!

Sie verkleidete sich bald TÄGLICH mit einem alten, hellblauen Rock aus der Faschingskiste, lief „Ich lass los…“ singend durch die Wohnung, hörte wahlweise nur noch auf die Anrede „Königin Elsa“ oder „Prinzessin Anna“ und wies mich beständig auf JEDEN einzelnen Merchandise Artikel hin, der uns wo auch immer begegnete.

„Gut“, sagte ich mir, „Wenn es also nicht mehr abzuwenden ist, will ich wenigstens wissen, womit wir es zu tun haben.“ Also liehen wir den Film von einer Kindergartenfreundin aus und schauten ihn gemeinsam an.

Ich war angenehm überrascht. Zwar waren die Singerei und die zugespitzte Dramatik nicht so meins. Doch dieses Disney Märchen unterschied sich in anderen, wesentlichen Teilen von den klassischen Prinzessinnen Geschichten.

Hier waren zwei Heldinnen, die das Zeug zu echten Vorbildern für mein Mädchen haben!

Warum? Darum! (Achtung, Spoiler voraus!)

1. Prinzessinnen mit echten Sorgen und Gefühlen

Elsa und Anna sind – mal abgesehen vom Adelsstand und Elsas Zauberkraft – zwei ganz normale Mädchen. Zumindest fühlen sie wie zwei ganz normale Mädchen an und wachsen mit realistischen Sorgen und Herausforderungen auf: Unsicherheit, Einsamkeit, Aufgeregtheit, Langeweile und Familienkonflikten.

Im Gegensatz zu einem vergifteten Apfel, hundert Jahren Schlaf oder lebenslanger Gefangenschaft in einem Turm sind das Dinge, die unsere Kleinen nachvollziehen können.

2. Die große Liebe braucht manchmal einen zweiten Blick

Vor allem Prinzessin Anna, die ihr Herz auf der Zunge trägt und ihre Gefühle meist nicht verbergen kann, ist eine echte Bezugsperson für die Kleinen. Nach Jahren der Einsamkeit ist ihre Sehnsucht nach der großen Liebe so gut nachvollziehbar. Deshalb geht auch ihre turbulente Romanze mit Hans sofort ans Herz.

Doch die Idee, einen völlig fremden Mann zu heiraten, lässt uns Eltern zunächst einmal schlucken. Genau wie die Szenen in all den anderen Märchen, wo die vom tapferen Prinzen gerettete Prinzessin sich ohne weitere Fragen als Braut hergibt. Was sollen unsere Kinder daraus bloß lernen?

Foto: privat

Doch dann kommt Elsa! Als große Schwester und Thronfolgerin ist sie die Instanz der Vernunft, weise, reflektiert und nachdenklich. Sie übernimmt Verantwortung und hält ihre kleine Schwester davon ab, sich in ein ungewisses Schicksal mit einem Mann zu stürzen, den sie eben erst kennen gelernt hat.

Endlich mal ein Märchen mit gesundem Menschenverstand! Das sieht auch Anna ein – und mit ihr alle kleinen Zuschauer – als sich Hans später als Bösewicht entpuppt.

Wie echte Liebe stattdessen langsam wachsen kann, und dass sie nicht immer auf den ersten Blick da ist, zeigt sich parallel in Annas Beziehung zu Christoff.

Was für eine tolle Lektion!

3. Vernunft und Liebe

Elsas Vernunft hat Anna hier also vor Schlimmerem bewahrt.

Doch ebenso mächtig wie Elsas Verstand und ihre Magie entpuppt sich auch Annas großes Herz und ihre unendliche Liebe zu ihrer Schwester.

Anna überwindet jedes Hindernis, um Elsa zu helfen und zurückzugewinnen. Sogar Elsas konsequente Abweisung kann sie nicht fern halten. Am Ende ist Anna sogar bereit, ihr Leben zu opfern, um Elsa zu retten – und rettet damit schließlich auch sich selbst.

Für unsere Kinder ist das gleich eine dreifache Lektion:

1. Es lehrt sie, dass es sich lohnt, für etwas einzustehen, das man wirklich liebt.

2. Dass die Familie das Wichtigste im Leben ist und man sich immer auf sie verlassen kann.

3. Und dass reine Liebe, wie Anna sie für ihre Schwester fühlt, unendlich viel bewegen kann, wenn man es zulässt.

Ich hoffe, dass meine Tochter noch lange Freude an diesem modernen Märchen hat und die besten Lektionen daraus fest in ihr Herz schließt.

Und ich hoffe, dass Disney und Co. noch viele solcher Märchen nachlegen.

Anna Moniz

Vor zwei Jahren hat es mich mit meinem Mann und unserer Tochter vom hohen Norden nach Niederbayern verschlagen. Hier arbeite ich als Autorin für Echte Mamas sowie als freie Texterin und PR-Beraterin. Die Turbulenzen des echten Mamalebens halten mich dabei täglich auf Trab und machen mich gleichzeitig zum glücklichsten Menschen aller Zeiten.

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