Einmal Nudeln ohne Soße bitte? – Die besten Tipps für mäkelige Esser

„Du musst ihm den Brokkoli nur immer wieder anbieten, irgendwann mag er den.“ Ähm, nö, sorry, manche Kinder funktionieren nicht nach solchen Regeln. Ich finde den Geschmack von Sellerie heute noch ziemlich ekelhaft – dabei wollten ihn mir schon so viele (sonst eigentlich sehr nette) Menschen immer wieder schmackhaft machen. Zuletzt in Green Smoothies, die mir auch ohne nicht über die Lippen gehen. Aber was, wenn dein Kind so wählerisch ist, dass es zum Beispiel nichts außer Nudeln ohne Soße essen mag? Dann haben wir hier tröstliche Nachrichten und ein paar von uns getestete Tipps für dich parat.

Nur kein Zwang

Musstet ihr früher auch sitzen bleiben, bis ihr aufgegessen hattet? Auf diese Weise wurden für mich der Würgreiz bei Leber und Obstkaltschale zu unvergesslichen Kindheitserinnerungen. Brrrr…. Und mittlerweile belegt eine Studie, dass pingelige kleine Esser unter Dauerdruck oft noch mäkeliger werden. Zwang bringt also nix.

In der gleichen Studie zeigte sich zum Glück auch, dass die wählerischen Kinder am Ende meistens genauso gut wachsen und gedeihen wie die anderen. Wenn Kinder sich eine Weile einseitig ernähren, erleiden sie nicht gleich einen krassen Nährstoffmangel. Rund 40 Prozent aller Kinder haben zumindest eine wählerische Phase. Du bist also nicht alleine, falls dein Kind lustlos in den Brokkoli-Röschen stochert.

Natürlich ist auf Dauer ein bisschen Obst oder Gemüse nicht verkehrt. Deshalb haben wir Tipps gesammelt und getestet, die deinem Kind helfen, gesündere Optionen ohne jeden Druck kennenzulernen – und zu entdecken, wieviel Spaß vielseitiges Essen machen kann.

1. Mit dem Essen spielt man doch!

Vergiss den Grundsatz „Mit dem Essen spielt man nicht.“ Falls möglich, kocht öfter mal selbst. Dabei dürfen auch die kleinen Kinder schon zuschauen, helfen, probieren und auf die Töpfe schlagen. Dadurch sehen sie, wie aus Obst und Gemüse eine leckere Mahlzeit wird und wie das in der jeweiligen Phase schmeckt. Gibt es in den jungen Jahren mehr „echtes“ Essen als Convenience-Food, bleibt das im Kopf verankert.

2. Gemeinsam macht alles noch viel Spaß

Seid beim Essen zusammen. So richtig. Weg mit dem Handy, dem Fernseher oder der Zeitung. Unterhaltet euch, albert herum, das trägt zu einer entspannten Atmosphäre bei, in der Essen erst zum Genuss werden kann.

3. Sei nicht konsequent

Reg‘ dich nicht auf, wenn euer Kind heute verweigert, was es gestern noch mochte. Besonders kleine Kinder neigen dazu. Das ist normal. Viel können sie noch nicht entscheiden, deshalb ist das, was sie in ihren Mund stecken oder nicht, eine ausgezeichnete Gelegenheit, ein bisschen Selbstbestimmung auszuprobieren. Oder es hat es sich eben wirklich anders überlegt. Dann isst dein Kind eben für eine Weile keinen Spinat mehr. Davon geht die Welt nicht unter – und übermorgen mag es ihn vielleicht wieder.

4. Die Menge macht’s… nicht

Auch bei der Menge sollte kein Druck ausgeübt werden. Wenn dein Kind satt ist, ist es satt. Versuche nicht, es anzufeuern, indem ihr Vielessen lobt. Essen ist kein Wettkampf und keine Leistung.

5. Und täglich grüßt…

Ähnlich wie beim Schlafen hilft außerdem ein fester Rhythmus: Essen immer zu einer bestimmten Zeit und während einer bestimmten Dauer. Die Geschwindigkeit gibt das Kind vor. Endlos hinziehen sollte sich die Mahlzeit aber auch nicht. Eine halbe Stunde ist ein guter Richtwert.

6. Öfter mal etwas anderes

Für vielfältiges Essen braucht es vielfältige Angebote. Probiert gemeinsam nicht nur verschiedene Nahrungsmittel, sondern auch verschiedene Zubereitungsmethoden aus. Mein Sohn mag weder Kartoffelbrei noch Salzkartoffeln, aber Ofenkartoffelspalten findet er super. Gekochte Paprika ist ihm zuwider, aber als Rohkost kann ich ihm immer mal wieder ein paar Streifen unterjubeln. Salat geht bei uns gar nicht, warmes Ofengemüse aber schon.

7. Schummeln ist erlaubt

Kinder sind clever. Ungeliebte, aber gesunde Nahrungsmittel zu verstecken (z.B. Brokkoli mit der Tomatensoße pürieren), klappt deshalb nicht immer, ist aber einen Versuch wert. Dein Kind steht Neuem misstrauisch gegenüber? Dann lass ein paar Lieblingsnudeln auf der Gemüsesuppe schwimmen. Leckeres Vertrautes nimmt die größte Hürde – vielleicht löffelt dein Kind dann auch den Rest. Bei uns hilft es außerdem, gesundes Essen mit ein wenig Käse zu überbacken, weil unser Sohn total auf zerlaufenen Käse steht.

8. Wählen lassen ohne Extrawurst

Brate deinem Kind keine Extrawurst, lass es aber von dem, was da ist, wählen. Es mag nichts davon? Gut, dann bekommt es eben mal nur eine Stulle. Die Sache mit der Extrawurst lässt sich auch gut vermeiden, wenn du dein Kind schon beim Planen und Einkaufen einbeziehst. Mein Sohn stößt manchmal im Laden von ganz allein z.B. auf „exotische“ Obst- und Gemüsesorten, die ihn interessieren. Die probieren wir dann aus. Was er selbst wählt, schmeckt ihm einfach besser. Hätte ich ihm das gleiche Essen ungefragt vorgesetzt, hätte er es wohl nur verächtlich angeschaut…

Erzählt doch mal, wie es bei euch mit dem Essen läuft. Was hat bei euch funktioniert, um euer Kind beim Essen zu ermutigen? Und was ging eventuell gar nicht?

Jana Stieler

Ich lebe mit Mann und Sohn im Süden Hamburgs – am Rande der Harburger „Berge“ (Süddeutsche mal kurz weghören: Der höchste Punkt misst immerhin sagenhafte 155 Meter ü. M.). Wenn ich nicht gerade einen Text verfasse, liebe ich Outdoor-Abenteuer mit meiner Familie, lange Buch-Badewannen-Sessions mit mir allein und abendliches Serien-Binge-Watching.

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