Eine erzwungene Entschuldigung nützt niemandem etwas!

Kinder sind wahnsinnig ehrlich. Das ist doch eigentlich echt schön, weil es bedeutet, dass sie noch unbelastet sind von Konventionen und ganz weit weg davon, sich zu verstellen. Und trotzdem, manchmal kann diese Ehrlichkeit auch ganz schön unbequem sein. Für uns Eltern nämlich, die sich innerlich winden, weil wir die Situation als peinlich empfinden.

Und so können wir oft nicht aus unserer Haut und geben unseren Kindern Tipps, wie sie sich denn nun am besten verhalten sollen, damit sich alle Beteiligten wieder wohlfühlen.

Einer der Klassiker: „So, nun entschuldige dich aber mal bei xy!“

Klar: Wir haben im Laufe unseres Lebens gelernt, dass es „sich so gehört“, sich für etwas zu entschuldigen. Oftmals auch, wenn man es vielleicht gar nicht so meint….

Aber: Erzwungene Entschuldigungen können (nicht müssen) kleinen Streithammeln tatsächlich eher schaden, als ihnen zu helfen.

Das hat man sich selbst vielleicht schon gedacht, aber auch Wissenschaftler der University of Michigan berichten von einer Studie zu eben diesem Thema, die sie mit Kindern zwischen vier und neun Jahren durchgeführt haben.

Diese Untersuchung hat gezeigt, dass erzwungene Entschuldigungen gleich mehrere Nachteile hat.

Denn klar, man kann es sich vorstellen: Das Kind, das sich gegen seinen Willen entschuldigen muss, entwickelt gegen das Kind, bei dem es sich entschuldigen soll, eine echte Ablehnung. Denn das gezwungene Kind fühlt sich natürlich gemaßregelt und schlecht und projiziert diese Gefühle auf das andere Kind.

Und: Der Sinn einer Entschuldigung ist ja ganz klar, Reue zu zeigen und sich wieder vertragen zu wollen – dieser Sinn geht durchs Erzwingen verloren. Es nimmt dem Kind zudem die Chance, Verständnis für das verletzte Kind zu entwickeln – denn es fehlt schlichtweg die Zeit dafür, wenn man „SOFORT!“ zu Kreuze kriechen muss.

Und auch das andere Kind ist ja nicht doof und spürt genau, dass sich seine Gegenüber nicht von Herzen entschuldigt, sondern von Mama dazu genötigt wurde. Das führt nicht gerade zu viel Sympathie.

Deswegen heißt es für Eltern: Tieeef durchatmen und geduldig sein.

Denn ist es viel besser, dem Kind Zeit zu lassen, bis es seinen „Patzer“ gegenüber dem anderen Kind einsieht – und mitfühlt, wie dieses sich dadurch fühlen muss. Das fällt vielleicht schwer, gibt aber beiden Kindern das Gefühl, ernstgenommen zu werden und schult nachhaltig die Empathie, die Kinder erst mühsam erlernen müssen. „Sei dir erst sicher, dass dein Kind versteht, warum sein Verhalten falsch war, versichere dich zunächst, dass es sich selbst entschuldigen möchte. Erst dann ist der richtige Zeitpunkt erreicht, dem Kind vorzuschlagen, sich zu entschuldigen“, rät Craig Smith, Studienautor am University’s Center for Human Growth and Development.

Denn wenn das Kind tatsächlich von alleine nicht darauf kommt, dass eine Entschuldigung fällig sein könnte, dann kann man in Ruhe mit ihm sprechen. Ihm erklären, warum es aus der „erwachsenen“ Sicht nicht richtig gehandelt hat und wie es dem anderen Kind jetzt wohl geht. Dann kann das Kind entscheiden, ob es sich entschuldigen mag – und vor allem wie! Denn Kinder ticken eben ganz anders als wir – und deshalb kann es ihnen beispielsweise auch reichen, wenn der „Übeltäter“ das andere Kind fragt, ob sie wieder miteinander spielen wollen.

Laura Dieckmann

Als waschechte Hamburgerin lebe ich mit meinem Freund und unserer fünfjährigen Tochter in der schönsten Stadt der Welt – Umzug ausgeschlossen! Bevor das Schicksal mich zu Echte Mamas gebracht hat, habe ich in verschiedenen Zeitschriften-Verlagen gearbeitet. Ich mag leckeres Essen, laute Rockmusik und ab und zu sogar ein bisschen Sport.

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