Echt jetzt?! Es ist vielleicht gut, kleine Kinder mit Feuer spielen zu lassen

Huch, erst einmal Stop! Wir meinen natürlich nicht, dass du deinem Dreijährigen ein Feuerzeug in die Hand drückst und ihm viel Spaß damit wünscht, allein in seinem Kinderzimmer.

Doch ist die weit verbreitete Meinung „Absolut kein Feuer“ für unsere Kinder eigentlich noch richtig? Ja, ja, wir erinnern uns „Schere, Messer, Feuer, Licht sind für kleine Kinder nicht…“

Die Erfahrungen des frei schaffenden Künstlers und Feuer-Experten Kain Karawhan wecken an diesem Glaubenssatz zumindest Zweifel.

Der Berliner bringt nämlich Kindern ab drei Jahren bei, wie man sicher Feuer macht. Und das nicht illegal in irgendeinem Hinterhof, sondern ganz offiziell in Kindergärten. In seinem Programm „Feuer machen“ zeigt er den Kleinen, wie man mit den Flammen umgeht – wie man ein Streichholz hält, ein Feuerzeug bedient, Kerzen anzündet oder sogar Lagerfeuer macht.

“Es geht dabei nicht um den Erfolg ‚Hurra, es brennt…‘, so der Feuer-Mann in der The New York Times. „Sondern darum, dass es hier danach genauso aussieht wie vorher. Und auch ich noch heile bin.“

Ok, schon, aber ist das nicht trotzdem verrückt bzw. brandgefährlich? Hat Karawahn nicht Angst, die Kinder erst auf schlechte Ideen zu bringen? Ihnen das Handwerkszeug mitzugeben, um heimlich zu zündeln?

Der Sinn der Übung ist natürlich genau das Gegenteil: Tragödien zu verhindern, die von Kindern ausgelöst werden, die heimlich zündeln. Vor allem Kleinkinder erzählen aus Angst vor Strafe nichts von ihrem gefährlichen Spiel mit dem Feuer. Außerdem: Was verboten ist, wird natürlich noch reizvoller – oft mit katastrophalen Folgen. Die kleinen Brandstifter verstecken sich, nachdem sie Feuer gelegt haben, und sterben an Rauchvergiftung oder kommen in den Flammen um.

Herr Karawhan, der seit über zehn Jahren unterrichtet, bekommt für seine Methode viel Unterstützung von offizieller Seite – zum Beispiel von Feuerwehrleuten, Versicherungen und Sicherheitsorganisation. In der Zwischenzeit hat er fast 2000 Erzieher selbst ausgebildet.

Hört sich nach einem schönen Erfolg an, doch als Mama fragst du dich natürlich: „Ist das jetzt der richtige Ansatz für mich oder nicht?“

Diese Frage ist leider nicht eindeutig zu beantworten. Es gibt keine Studien, die untersuchen, ob feuer-trainierte Kinder mehr oder weniger Unfälle haben als die, die nicht in die Nähe einer Flamme dürfen.

Im Endeffekt muss jede Mama diese Entscheidung für sich und ihre Kinder selbst fällen.

Wir probieren gerade folgenden Ansatz zu Hause: Feuerzeuge, Streichhölzer etc. – alles absolut Tabu ohne Erwachsene. Das schärfen wir unserem Dreijährigen immer wieder ein. Sind wir aber dabei, darf er durchaus mal eine Kerze anzünden.

Und wie hälst du es in Zukunft?

 

 

Tamara Müller

Als süddeutsche Frohnatur liebe ich die Wärme, die Berge und Hamburg! Letzteres brachte mich vor fünf Jahren dazu, die Sonne im Herzen zu speichern und den Weg in Richtung kühleren Norden einzuschlagen. Ich liebe die kleinen Dinge im Leben und das Reisen. Und auch wenn ich selbst noch keine Kinder habe, verbringe ich liebend gerne Zeit mit ihnen.

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