Dyspraxie: Dein Kind ist tollpatschig? Vielleicht steckt mehr dahinter!

Dyspraxie bei Kindern wird häufig von Eltern übersehen, die die Symptome nicht ernst nehmen und ihre Kinder einfach für tollpatschig halten. Dabei ist es wichtig, die Krankheit früh zu erkennen, um Betroffene richtig zu fördern.

1. Das Wichtigste auf einem Blick

  • Dyspraxie ist eine Schwäche der Auge-Hand-Koordination und betrifft etwa fünf bis acht Prozent aller Kinder.
  • Dyspraktische Kinder wirken unkoordiniert und entwicklen häufig Schwierigkeiten beim Schreiben und Sprechen.
  • Leider wird die Krankheit oft übersehen, Betroffene werden für „tollpatschig” gehalten.
  • Mit der richtigen Förderung und Therapie lassen sich viele Alltagsprobleme von Kindern mit Dyspraxie gut lösen.

2. Was ist Dyspraxie?

Zunächst gibt es eine Entwarnung für alle Mamas, die sich nun schon große Sorgen um ihre „tollpatschigen” Kinder machen. Denn die Dyspraxie ist nicht mehr als eine Schwäche der Auge-Hand-Koordination. Die Krankheit gilt als lebenslange Koordinations- und Entwicklungsstörung. Für viele Eltern ist es eine Erleichterung, die Diagnose zu bekommen, weil sie so viele kleine Schwierigkeiten im Leben des Kindes erklärt.

3. Die typischen Symptome der Dyspraxie:

  • unbeholfene Bewegungen
  • Störungen der Gesamtbewegung wie Laufen oder Springen (Grobmotorik) und Feinmotorik (Hand- und Fingerkoordination, Gesichtsmotorik)
  • Probleme bei der gleichzeitigen Bewegung von Armen und Beinen
  • Verlangsamtes Anziehen, Essen, Schwierigkeiten bei der Ausführung der Körperhygiene etc.
  • Entgleiten der Gesichtszüge
  • unwillkürliche Bewegungen einzelner Gliedmaßen
  • Schwierigkeiten beim Nachahmen von Bewegungen

4. Verwechselungsgefahr: Dyspraxie und Tollpatschigkeit

Der kleine Leon schmeißt immer wieder Gläser um, kämpft beim Anziehen jedes Mal mit seiner Jacke und hat eine auffallend unbeholfene und krakelige Schrift. Immer wieder seufzen seine Eltern genervt und stellen fest: „Unser Kind ist ein Tollpatsch!” Aber stimmt das überhaupt oder steckt womöglich Dyspraxie hinter dem tapsigen Verhalten von Leon?

Kinderpsychiater Michael Schulte-Markwort mahnt, dass so eine scheinbare Tollpatschigkeit ein Anzeichen einer Dyspraxie sein könnte. Bei etwa der Hälfte aller betroffenen Kinder würde diese Krankheit übersehen, wie der Focus berichtet. Dabei brauchen diese Kinder Unterstützung und Hilfe, denn Kinder, die an Dyspraxie leiden, sind nicht bloß unbeholfen.

5. Diagnose Dyspraxie: So wird die Krankheit festgestellt

Alles Üben scheint nichts zu bringen, alltägliche Dinge klappen einfach nicht, das lässt Frust entstehen – auf allen Seiten. Während bei Kleinkindern die unkoordinierten Bewegungen oft noch nicht auffallen, wird die gestörte Fein- und Grobmotorik mit fortschreitendem Alter immer deutlicher. Oft haben Kinder mit Dyspraxie nicht alle beschriebenen Symptome und die Anzeichen können in unterschiedlichen Ausprägungen auftreten. Für eine eindeutige Klärung ist eine ärztliche Diagnose nötig

Diese Diagnose erfolgt jedoch oft erst mit der Einschulung, denn auch das Schreiben fällt betroffenen Kindern schwer. Sie brauchen auffallend lange, um Worte aufs Papier zu bringen und meistens ist das Ergebnis dann nur schwer zu entziffern.

Zuverlässig diagnostizieren lässt sich die Krankheit im Vorschulalter, es sind allerdings nur fünf bis acht Prozent aller Kinder betroffen. Manchmal macht sich diese Krankheit auch beim Sprechen bemerkbar. Bei verbaler Dyspraxie dauert es auffällig lange bis die Kinder Antworten formulieren, es wirkt fast so, als ob sie stottern.

6. Die Ursache von Dyspraxie bei Kindern

Für betroffene Kinder ist es eine Hilfe, wenn sie selbst und auch ihr direktes Umfeld von der Dyspraxie wissen. Schließlich ist nach der Diagnose klar: Sie stellen sich nicht doof an, sondern ihre manchmal etwas ungelenk wirkenden Bewegungen sind eine angeborene Schwäche, für die sie nichts können. Egal, wie sehr sich die Betroffenen anstrengen, sie können es schlicht nicht besser.

Das bleibt übrigens auch ihr Leben lang so, allerdings lernen die Kinder in der Regel schnell, damit umzugehen. Den Eltern fällt meistens schon sehr früh auf, dass ihre Kinder Probleme mit bestimmten motorischen Fähigkeiten haben. So haben manche Betroffene schon als Baby Probleme mit dem Saugen und Schlucken. Später wird das Laufenlernen zur Herausforderung.

7. Förderung und Therapie: Was hilft bei Dyspraxie?

Nach der Diagnose können Betroffene die richtige Förderung erhalten, um sie im Alltag zu unterstützen. Das grundlegende Ziel jeder Dyspraxie-Therapie ist es, betroffenen Kinder dabei zu helfen, ihren Alltag besser zu bewältigen. Die passende Behandlungsform ist dabei für jeden Dyspraxie-Patienten individuell, es gibt also kein Patentrezept.

Folgende Therapieformen sind denkbar:

  • Ergotherapie, Physiotherapie oder Motopädie: Diese Therapieformen dienen dazu, die grob- und feinmotorische Koordination zu verbessern.
  • Logopädische Therapie: Sie kommt bei sprachlichen Entwicklungsproblemen zum Einsatz, um die zum Sprechen notwendigen Bewegungsabläufe zu schulen.
  • Mundmotorische Übungen: Probleme mit dem Kauen, Schlucken und Sprechen lassen sich so verbessern.

8. Dyspraxie: Auswirkungen für Betroffene

Leider werden Heranwachsende, die unter dieser Krankheit leiden, von ihrem Umfeld oft ein wenig belächelt und eben als „tollpatschig” oder sogar als dümmlich hingestellt. Das wird ihnen aber überhaupt nicht gerecht, denn sie sind genauso schnell in der Lage, Inhalte zu verstehen wie andere Kinder. Nur das Aussprechen oder Aufschreiben macht ihnen Probleme.

Und selbst wenn euer Kind tatsächlich zu dieser kleinen Gruppe gehören sollte, muss das nichts Schlimmes bedeuten.

9. Leben mit Dyspraxie: Erfahrungsbericht

Das beste Beispiel dafür ist der Kinderpsychiater Michael Schulte-Markwort selbst. Er scheiterte in seiner Kindheit zum Beispiel immer wieder an Laubsägearbeiten, weil er das Sägeblatt zerriss. Er sagt dem Focus dazu: „Die Welt kann froh sein, dass ich kein Chirurg geworden bin.“ Bei ihm konnte schon frühzeitig eine Diagnose gestellt werden, weswegen er sich heute dafür einsetzt, dass Kinder mit Dyspraxie nicht länger übersehen werden.

Seinem Job als Kinderpsychiater steht die Dyspraxie jedoch nicht im Weg, im Gegenteil. Die eigene Erfahrung mit der Krankheit macht Schulte-Marktwort sensibler für die Bedürfnisse der Kinder.

 

 

Lena Krause

Ich lebe mit meinem kleinen Hund Lasse in Hamburg und bin dort immer gerne im Grünen unterwegs.

Auch wenn ich selbst noch keine Mama bin, gehören Babys und Kinder zu meinem Leben dazu. Meine Freundinnen machen mir nämlich fleißig vor, wie das mit dem Mamasein funktioniert und ich komme als „Tante Lena“ zum Einsatz.

Seit ich denken kann, liebe ich es, zu schreiben – und bei Echte Mamas darf ich mich dabei auch noch mit dem schönsten Thema der Welt auseinandersetzen. Das passt einfach!

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