Du bist aber groß geworden! Oder nicht? Wann Eltern sich Sorgen machen müssen

Jeder Mensch ist anders. Klein, groß, dick, dünn, blond oder dunkelhaarig – wir sind alle individuell. Das gilt natürlich auch für unsere Kinder. Und doch können wir gar nicht anders und schauen ganz genau auf ihre Entwicklung. Wenn dir auffällt, dass dein Kind kleiner ist als andere Kinder in seinem Alter, machst du dir natürlich Sorgen. Doch nur bei etwa 3 % der Kinder liegt tatsächlich eine Kleinwüchsigkeit vor. Die allermeisten Kinder wachsen ganz normal und brauchen dafür manchmal einfach nur etwas länger als ihre Altersgenossen. Warum es aber auf jeden Fall wichtig ist, ein langsames Wachstum mit eurem Kinderarzt zu besprechen, erfährst du in diesem Artikel.

Wie klein ist zu klein?

Wenn du beobachtest, dass Geschwister oder gleichaltrige Kinder in der Krabbelgruppe deutlich größer sind als dein Kind, ist der erste Weg natürlich zum Kinderarzt. Hier wird mit Hilfe der Perzentilkurve im U-Heft geschaut, ob die Entwicklung der Körpergröße deines Kindes zum Alter passt. Dabei gibt es eine riesige Spannweite, denn Kinder wachsen einfach ganz unterschiedlich schnell. Als kleinwüchsig gelten Kinder tatsächlich nur, wenn sie kleiner sind als 97 % der gleichaltrigen Kinder. 

Die U-Untersuchungen helfen Auffälligkeiten zu erkennen und dementsprechend zu reagieren. | Foto: pexels

Die U-Untersuchungen helfen Auffälligkeiten zu erkennen und dementsprechend zu reagieren. | Foto: pexels

Wenn euer Kinderarzt feststellt, dass die Wachstumskurve deines Kindes ungewöhnlich aussieht, werden einige Untersuchungen gemacht, um körperliche Ursachen auszuschließen und festzustellen, ob eine Wachstumsstörung vorliegt.

Wichtig: Geht regelmäßig einmal im Jahr zu den U-Untersuchungen. So fällt dem Kinderarzt direkt auf, wenn etwas nicht in Ordnung ist und er kann reagieren.

Mögliche Ursachen für langsames Wachstum

Es gibt viele Ursachen, die für ein langsames Wachstum deines Kindes verantwortlich sein können. In erster Linie spielen die Gene eine Rolle: Sind viele Familienmitglieder klein, ist es natürlich logisch, dass auch dein Kind eher klein sein könnte. 

Auch Krankheiten können eine Ursache sein. Die gute Nachricht: Viele davon lassen sich gut behandeln und dein Kind wird nicht sein Leben lang klein bleiben. Schuld an der kleinen Körpergröße können zum Beispiel sein:

  • Hormonelle Störungen, z. B. Schilddrüse, Wachstumshormon
  • Organerkrankungen wie Leber- oder Niereninsuffizienz
  • Zöliakie
  • Asthma
  • Genetische Erkrankungen, z. B. Ulrich-Turner-Syndrom

Doch nicht nur Krankheiten, auch eine falsche Ernährung, Mangel am Wachstumshormon, psychische Belastung oder die Behandlung mit bestimmten Medikamenten können dafür sorgen, dass dein Kind langsamer wächst. Wenn du dir Sorgen machst, dass zum Beispiel der Stress in der Schule oder eine schlechte Ernährung der Grund für das verzögerte Wachstum sein könnten, ist auf jeden Fall der Kinderarzt der richtige Ansprechpartner.

Wichtig: Alkohol und Zigaretten in der Schwangerschaft können zu einer Wachstumsstörung bei deinem Baby führen!

Zu geringer Wachstum: Wenn dein Kind ein Leben lang klein bleibt

Ungefähr 100.000 Menschen in Deutschland sind tatsächlich kleinwüchsig, sie sind also kleiner als 140 cm. Wenn dein Kind zu dieser Gruppe Menschen gehört und das Wachstum nicht im Laufe seines Lebens aufholt, gibt es im Alltag einige Hindernisse zu überwinden.

Wichtig: Menschen mit einem geringeren Wachstum haben im Alltag oft mit ihrer Größe zu kämpfen.

Vieles in unserem Alltag ist auf Menschen mit durchschnittlicher Größe ausgelegt. Ob Waschbecken und Dusche, Regale im Supermarkt oder Autos – Menschen, die deutlich kleiner sind als der Durchschnitt, haben es häufig schwerer, ganz alltägliche Dinge zu nutzen. Sie müssen dann nach Hilfe fragen oder improvisieren.

Bleibt dein Kind klein, kann es auch später im Beruf Nachteile haben. Feuerwehrleute, Piloten und Polizisten brauchen zum Beispiel eine Mindestgröße, um die Ausbildung machen zu können. Und auch handwerkliche Berufe, in denen man an Maschinen arbeiten muss, kommen dann nicht in Frage – die Maschinen sind einfach auf große Menschen ausgelegt. 

Kleinwüchsigkeit beeinträchtigt Menschen nicht nur im Alltag, sondern auch in der Berufswahl. Jobs wie z.B. Piloten oder Polizisten erwarten eine bestimmte Mindestgröße. Also schaut unbedingt gemeinsam mit dem Kinderarzt nach der Ursache, da diverse Krankheiten eine Ursache für die kleinere Körpergröße sein können. | Foto: pexels

Menschen mit zu geringem Wachstum beeinträchtigt sie nicht nur im Alltag, sondern auch in der Berufswahl. Also schaut unbedingt gemeinsam mit dem Kinderarzt nach der Ursache, da diverse Krankheiten eine Ursache für die kleinere Körpergröße sein können. | Foto: pexels

Was tun, wenn dein Kind zu klein ist?

Wenn der Kinderarzt eine Wachstumsstörung feststellt, steht als nächstes ein Termin beim Spezialisten an – in diesem Fall bei einem Kinderendokrinologen. Dieser kann gezielt nach der Ursache forschen und sie ganz gezielt behandeln.

Es ist wichtig, mögliche Erkrankungen schnell zu erkennen. Dann kann in den meisten Fällen auch das Wachstum wieder aufgeholt werden, zum Beispiel durch die Einnahme der entsprechenden Hormone. Je später dein Kind mit der Therapie beginnt, desto schwieriger wird es, die Wachstumsverzögerung noch aufzuholen. Wenn dir das Wachstum deines Kindes als ungewöhnlich langsam erscheint, Geschwisterkinder deutlich größer sind oder du unsicher bist, wie du die Angaben auf der Perzentilkurve im U-Heft beurteilen sollst, dann zögere nicht, euren Kinderarzt darauf anzusprechen.

Wie kannst du dein Kind unterstützen?

Ist dein Kind kleiner als seine Altersgenossen, fällt das natürlich nicht nur dir auf. Du kannst dein Kind aber stärken, indem du ihm zeigst, was es alles kann – auch wenn es klein ist. Sollte es durch das verminderte Wachstum zu Mobbing in der Schule kommen, dann gibt es Beratungsstellen, an die du dich wenden kannst. Hier erfährst du, wie ihr am besten auf die Situation reagiert und was ihr konkret tun könnt, um dein Kind zu unterstützen. Viele hilfreiche Tipps und Adressen gibt es auf demlebengewachsen.de.

Wenn der pädiatrische Endokrinologe eine Therapie mit dem Wachstumshormon verschreibt, dann unterstütze dein Kind dabei, das durchzuhalten. Wenn ihr die Medikamente konsequent einnehmt, ist die Chance am größten, dass das Wachstum wieder aufgeholt wird und dein Kind nicht immer kleiner bleibt als andere in seinem Alter.

Kleiner Mensch, großes Selbstbewusstsein

Dein Kind ist gut so, wie es ist. Wenn du ihm das immer wieder zeigst, kann es ein gutes Selbstbewusstsein entwickeln und sich im Leben behaupten. Ganz egal, ob es groß ist oder klein. Doch bisher ist es einfach so: Das Leben ist für durchschnittlich große Menschen oft leichter. Deshalb lohnt es sich auf jeden Fall, einer Wachstumsstörung auf den Grund zu gehen – Vielleicht ist die Lösung ganz einfach!

Astrid Biemann

Mit meinem Mann und zwei Kindern lebe ich im schönen Umland von Hamburg in einem Haus mit kleinem Garten, den ich trotz nicht vorhandenem grünem Daumen hege und pflege. Zwischen Fußballtraining, Seepferdchen, Schule und Kita schreibe ich, wann immer ich kann. Und bei Echte Mamas über Themen, die mich täglich bewegen. Besser geht’s nicht!

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