„Die Maus“ thematisiert Transsexualität – und bekommt dafür ordentlich auf den Deckel

Ich liebe die Sendung mit der Maus, das wird man in diesem Text sicherlich merken. Ich bin mit der Sendung, die mir den Sonntagvormittag versüßt hat, groß geworden. Und als im ersten Lockdown die Kita dichtmachte und meine Tochter mehr Fernsehen durfte als sonst, ist auch sie zum Maus-Fan geworden. Der Mix aus „Lehrreichem“ und Spaß ist einfach unschlagbar und charmant umgesetzt, finde ich.

Besonders prima, und das fällt mir erst jetzt als Erwachsener auf, ist es natürlich, dass die Maus aktuelle Themen aufgreift und diese Kindern unaufgeregt und verständlich aufbereitet.

 

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Genau diese Aktualität ist der Maus nun aber zum „Verhängnis“ geworden. In der letzten Folge wurde das Thema Transsexualität aufgegriffen. In der betreffenden Reportage besucht die Maus-Moderatorin eine Frau namens Katja. Katja ist als Junge geboren worden und hieß früher Erik. Doch schon früh merkte sie, dass sie im falschen Körper gefangen war.

Katja erzählt ihre ganze Geschichte. Emotional, verständlich, spannend:

 

Ich finde das toll. Unsere Kinder wachsen so viel offener und selbstverständlicher mit diversen Themen auf, als wir früher. Sie lernen, dass das Leben und die Liebe bunt und individuell sind. Moderne Aufklärungsbücher zeigen auch, dass es nicht nur Mama und Papa als Paar oder Mama-Papa-Kind als Familie gibt.

Und ist das nicht wunderbar? Kinder sind neugierig und unvoreingenommen, sie möchten die Dinge nur erklärt bekommen.

Und ich glaube, ein Großteil von ihnen wird durch diesen neuen Wind in der Erziehung sehr viel selbstverständlich toleranter werden als alle Generationen zuvor.

Doch zurück zur Maus. Wie zu erwarten, stimmen nicht alle Eltern mit mir überein. „Jetzt habe ich hier einen 7-Jährigen, der viele Fragezeichen im Kopf hat und nicht versteht was ,trans´ ist. Klar, er ist ja nicht mal aufgeklärt. Falsches Thema für eine Kindersendung liebe Maus“, schreibt ein Vater.auf Twitter. Für ihn ist das Maus-Publikum deutlich zu jung für solche Themen. Die Maus schreibt zurück: „Hallo! Wir finden schon, dass es ein richtiges Thema für unsere Sendung ist. Es handelt sich um ein gesellschaftlich relevantes Thema, genau so, wie die vielen anderen Themen, die wir in der Sendung behandeln.“ Und ja, so sehe ich das auch.

Und viele andere Eltern ebenso: „Meine 13-jährige Tochter ist trans und sagte nach der Sendung, die sie mit ihrem 6-jährigen Bruder gesehen hat: ,So eine Sendung hätte ich früher auch gebraucht, dann hätte ich nicht gedacht, dass ich damit ganz alleine bin.` Sie hat sich mit 7 Jahren geoutet. Dafür sind solche Sendungen wichtig“, lobt eine Mutter bei Twitter. Eine andere schreibt: „Sehr wichtiges Thema für die Maus! Es gibt einige Kinder die fühlen, da stimmt was nicht, sie sind anders und sie trauen sich nicht, darüber zu reden. Wenn jetzt nur ein Kind erkennt, es ist ganz richtig, wie es sich fühlt, wie wunderbar wäre es!“

Trotzdem, es sind eben nicht alle begeistert davon, dass die Maus über den Tellerrand blickt.

Auch aus, naja, nennen wir es mal „prominenten“ Reihen gab es Kritik für die Folge der Sendung mit der Maus.

Der Ex-BILD-Chefredakteur Julian Reichelt wütete auf Twitter: „Die Zwangsmaus und die Öffentlich-Rechtlichen wollen, dass wir uns nicht mehr trauen, Dinge zu sagen, von denen wir wissen, dass sie wahr sind. Sie wollen uns einschüchtern und erziehen, bis wir aus Furcht Fakten verleugnen: Jungs sind Jungs, Mädchen sind Mädchen.“

Wow – was für eine Frechheit diese Ansage ist, dazu muss man ja gar nichts mehr schreiben. Es geht noch weiter: „Die Zwangsmaus ist ganz sicher nicht dafür da, die Früherziehung der anti-toleranten totalitären Woke-Bewegung zu betreiben.“ (Die Erklärung der Woke-Bewegung findet ihr HIER.)

Okay, fassen wir zusammen: Dass die Maus Transsexualität behandelt, ist einfach zu viel, nicht kindgerecht und beeinflusst die lieben Kleinen auf unnatürliche Art und Weise.

Würg. Wovor hat Herr Reichelt denn Angst? Ich habe an keiner Stelle des Beitrags gehört (auch nicht zwischen den Zeilen), dass Mädchen nicht mehr Mädchen und Jungs nicht mehr Jungs sein dürfen – was immer das auch heißt.

A propos: Übrigens werden auch nochmal gegenteilige Stimmen laut. Medien aus der feministischen Ecke kritisieren, dass sich die Maus-Macher ausgerechnet bei diesem Thema auf Geschlechter-Klischees stürzen und so den erwünschten Lerneffekt eher nicht erzielen werden, sondern das Gegenteil. Es werde nämlich der Eindruck erweckt, dass Mädchen, die nicht nur nähen und pink anziehen, eigentlich Jungs sein wollen. Und es sehr früh dank des „hier kritiklos beworbenen“ Selbstbestimmungsgesetzes auch werden können – inklusive Hormonen und Brustamputationen. (Alle Infos zum Selbstbestimmungsgesetz findet ihr u.a. bei der Tagesschau.) Dabei können sie doch auch Mädchen sein, die lieber Fussball spielen und blau tragen mögen, um mal in derselben Schiene zu bleiben.

Und überhaupt, selbst Katja erzählt im Beitrag, dass sie als Junge immer den „starken Max“ hätte markieren müssen. Wäre es nicht besser, wenn Erik auch mal hätte schwach sein dürfen? Also: Ja, wäre es, keine Frage. Aber ich bin mir ganz sicher, dass Erik sich trotzdem unwohl in seinem Körper gefühlt hätte. Und ja, Katja könnte auch ohne Pumps eine Frau sein. Katja hat aber nun mal richtig Bock drauf, sich Glitzer-Pumps anzuziehen.

Für mein Gefühl hat die Maus „einfach“ ein Thema aufgegriffen, auf das die Kinder immer häufiger stoßen.

Es ist angemessen erklärt worden, und zwar von einer Person, die diese Erfahrungen selbst gemacht hat. Und das alles so, dass Kinder sich in etwa vorstellen können, welche Gefühle in Menschen vor sich gehen, die sich in ihrem Körper und ihrer damit einhergehenden Rolle in der Gesellschaft nicht wohlfühlen. Nicht mehr, aber auch nicht weniger.

Für mein Gefühl war das gut gemacht und passend. Mir ist keinerlei „Gehirnwäsche“ in Sachen Geschlechter-Identität, in welche Richtung nun auch immer, aufgefallen.

Aber was sagt ihr denn dazu?

Ist euch das Thema zu viel für kleinere Kinder? 
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Und fandet ihr ihn schlecht gemacht?x
Laura Dieckmann

Als waschechte Hamburgerin lebe ich mit meiner Familie in der schönsten Stadt der Welt – Umzug ausgeschlossen! Bevor das Schicksal mich zu Echte Mamas gebracht hat, habe ich in verschiedenen Zeitschriften-Verlagen gearbeitet. Seit 2015 bin ich Mama einer wundervollen Tochter.

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