Warum ich Laternenumzüge nicht vermisse! (Oder nur ein bisschen…)

Oh, ich habe Laternenumzüge geliebt, als ich klein war. Und deswegen hatte ich auch immer eine megaromantische Vorstellung davon, wie toll es sein wird, wenn ich mal ein Kind habe und somit wieder einen guten Grund zum Laternelaufen!

Nun musste ich feststellen, dass es in der Grundschule meiner Tochter keine Laternenumzüge mehr gibt. Blöd für die „Großen“, die ja an sich doch noch klein sind… Meine Tochter war zumindest traurig. Ich habe sie natürlich getröstet. Aber war insgeheim total erleichtert.

Warum? Naja, weil ich nach vier Jahren mit Krippe- und Kita-Laternenumzügen weiß, dass am Ende daran kaum etwas so schön ist, wie man es sich vorstellt.

Es fängt doch schon mit der Uhrzeit an. Damit die Laternen so richtig zur Geltung kommen, muss es stockfinster sein. Zur Laternen-Saison ist das so gegen 17 Uhr. Jedes Kind ist anders – aber meine Tochter gehörte noch nie zu den Nachtschwärmern. Zu Kita-Zeiten wurde sie gegen fünf Uhr schon langsam müde. Und dann noch im Dunklen einen ausgiebigen Spaziergang machen? Das war etwa zehn Minuten lang spannend, dann kippte die Stimmung. Sie mochte nicht mehr Laufen, die Laterne nicht mehr tragen, wäähhhhhh!

Ein Jahr hab ich für mein großes, vierjähriges Kind zu diesem Zweck nochmal den Buggy vom Dachboden geholt und mitgenommen. (Und ich würde es immer wieder tun: Denn die Eltern, die uns deswegen erst spöttisch angeguckt haben – haben die Hälfte des Weges dann IHRE großen, vierjährigen Kinder getragen…)

Weiter geht es mit dem Wetter.

Jaaaa, es gibt kein schlechtes Wetter, sondern nur…. Auch wir besitzen Schneeanzüge und Winterjacken. Aber mal im Ernst: Jeder einzelne Laternenumzug wurde bei uns von eiskaltem Nieselregen oder zumindest einem scharfen Wind begleitet. Die Laternen matschen also im Laufe des, äh, Laufes völlig durch – oder sie wehen herunter und liegen im Matsch. Das schnelle Ende eines echten Kunstwerks, das ich ehrgeizig in der kleinen Lernwerkstatt „zusammen mit meiner Tochter“ (als ob) „gestaltet“ hatte! Oh mann.

Überhaupt, die Laternen!

Entweder macht man es „Oldschool, Baby!“ und setzt ein Teelicht in die Laterne. Das ist wirklich besonders hübsch – wenn denn jemand ein Feuerzeug dabei hat.

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Aber die Flamme weht mindestens drei Mal aus oder irgendwann setzt die Kerze die Laterne in Flammen. Fakt. Viel praktischer sind da doch diese Laternenstiele, an denen direkt ein kleines Lämpchen hängt! Oder? Es sei denn (und mir ist natürlich beides passiert) dass das Kabel zu kurz ist und das Lämpchen deswegen konsequent über der Laterne baumelt und diese null beleuchtet. Oder aber das blöde Ding hat einen Wackelkontakt und dein Kind ist das einzige, das mit einer dunklen Laterne umherzieht.

Aber die Musik – die ist doch schön, oder!?

Nei… – okay, einmal im Jahr kann man sich schon einen Spielmannszug anhören. Das blecherne Getöse gehört ja nun wirklich dazu! Aber: Je größer der Laternenlauf, umso weniger bekommt man von der Musik mit. Denn man hört sie wirklich nur ganz vorne. Und hat man sich endlich einen guten Platz an der Spitze erkämpft – muss das Kind (im Schneeanzug!) mal dringend pieschern. Also ab ins Gebüsch, der Umzug zieht weiter.

Ach, während ich das alles hier so schreibe, bekomme ich ja trotz allem doch fast ein wenig Sehnsucht.

„Manchmal weiß man eben erst, was man an etwas hatte, wenn es weg ist.“ Also werde ich dieses Jahr Freunde fragen, ob wir nicht „privat“ Laternelaufen wollen. Mit all den kleinen Katastrophen, die dazugehören. Und mit selbstgekaufter Laterne. Yeah! (Hat Spotify eigentlich Spielmannszug-Märsche im Repertoire?)

Was sagt ihr denn?

Mögt ihr Laternenumzüge oder verflucht ihr sie innerlich auch?

Laura Dieckmann
Als waschechte Hamburgerin lebe ich mit meiner Familie in der schönsten Stadt der Welt – Umzug ausgeschlossen! Bevor das Schicksal mich zu Echte Mamas gebracht hat, habe ich in verschiedenen Zeitschriften-Verlagen gearbeitet. Seit 2015 bin ich Mama einer wundervollen Tochter.

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