„Der Kindesunterhalt von meinem Ex ist doch kein Geschenk!“

„Hallo, ich bin Jenny und habe eine achtjährige Tochter. Und einen Ex-Mann. Es ist wie so oft: Es war die ganz große Liebe, bis der Alltag dazwischen kam. Da war unsere Tochter fünf Jahre alt.

Schnell war klar, dass sie die meiste Zeit bei mir wohnt und ihr Papa sie jedes zweite Wochenende zu sich holt.

Der Klassiker also. Gott sei Dank haben wir uns friedlich getrennt und keiner hat dem anderen Steine in den Weg gelegt.

Deswegen hatten wir auch nie Kämpfe um Finanzielles, er bezahlt seiner Tochter Unterhalt laut Düsseldorfer Tabelle. Ich bin ihm wirklich dankbar dafür, dass wir darüber nicht diskutieren mussten – aber dankbar für den Unterhalt bin ich ihm nicht. Er ist doch kein gönnerhaftes Geschenk seinerseits, es ist eine finanzielle Unterstützung für seine Tochter und mich.

Dass viele andere das ganz anders sehen, begriff ich erst nach und nach.

In erster Linie natürlich Männer. Irgendwann hatte ich nach unserer Trennung wieder Dates, mehr schlechte als gute. Unvergessen ist mir vor allem ein sehr gut aussehender Typ, der sicher nicht wenig Kohle hatte. Sein Auftreten, seine Klamotten, sein Auto, all die Urlaube und Kurztrips, die er fleißig auf Instagram postete: Nichts sah danach aus, dass die Mutter seiner zwei Kinder ihn ausbeutete. Er selbst fühle es aber ganz anders: Nachdem er bei der Vorspeise äußerst charmant und unterhaltsam war, ließ er sich die komplette Hauptspeise und große Teile des Desserts darüber aus, dass seine Ex-Frau so viel Kindesunterhalt bekäme, dass er wirklich echte Einschnitte hätte in seinem Leben!

Warum genau erzählte er mir das? Und wusste er nicht, dass auch ich eine Ex-Frau war, die Unterhalt für ihre Tochter bekommt?

Es wurde noch schlimmer: Es sei alles so himmelschreiend ungerecht, schließlich habe er immer gearbeitet und seine Frau war über Jahre nur zu Hause und hatte sich um die Kinder gekümmert. Jetzt arbeitete sie zwar auch, aber ,natürlich` hatte sie sich nie etwas zur Seite gelegt früher. (Wie auch?)

Ich wechselte das Thema und war froh, als der Abend vorüber war. Vollidiot, echt. „Nur“ um die Kinder gekümmert. Eine Frechheit fand ich das. Sie erzog, betreute, tröstete, bespaßte ihre gemeinsamen Kleinen, während er mit 10-Stunden-Bürotagen und diversen Dienstreisen seine Karriere vorantrieb. Nun, das weiß ich natürlich nicht, aber ich könnte wetten, dass es so war.

Aber tatsächlich habe ich auch eine Freundin, die schon mal eine Bemerkung darüber gemacht hat, dass ich es ja gut hätte, monatlich so eine ,Zuwendung‘ von meinem Mann zu bekommen.

Äh, wie bitte!? Was denn für eine Zuwendung? Er bezahlt unserer, also auch seiner, Tochter nur ein wenig Geld, um ihr Dinge mitzufinanzieren, die er auch mitfinanzieren würde, wenn wir noch als Familie zusammenleben würden. Ich betreue sie fast komplett alleine – und darüber bin ich auch sehr froh. Aber all die Kosten alleine tragen? Warum?

An alle, die das bisher dachten: Der Kindesunterhalt ist doch kein Geschenk!

Es ist einfach der Beitrag zur Erziehung, den das Elternteil zusteuert, das sein Kind nicht täglich sieht. Und das ist eigentlich doch kaum der Rede wert, oder?“


Liebe Mama Jenny, vielen Dank für deine Meinung. Wir wünschen Dir und Deiner Tochter alles Liebe für die Zukunft!

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Laura Dieckmann

Als waschechte Hamburgerin lebe ich mit meiner Familie in der schönsten Stadt der Welt – Umzug ausgeschlossen! Bevor das Schicksal mich zu Echte Mamas gebracht hat, habe ich in verschiedenen Zeitschriften-Verlagen gearbeitet. Seit 2015 bin ich Mama einer wundervollen Tochter.

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