Dein Kind hat Angst vor Tieren? So kannst du ihm helfen

Dein Kind schreckt sofort zurück, wenn es einen Spinne sieht? Es ekelt sich vor Regenwürmern oder möchte bei jedem Hund am liebsten wegrennen?

Die Fragen, die sich jede Mama in dieser Situation stellt, lauten: Ist die Angst meines Kinder noch normal oder ist sie übertrieben? Wie kann ich ihm helfen bzw. ihm die Angst wieder nehmen?

Darüber haben wir mit Dr. Karin Beck gesprochen, psychologisch Psychotherapeutin in München. Ihre Antworten helfen dir die Ängste und Ekelgefühle deines Kindes besser einzuschätzen und passend darauf zu reagieren.

Echte Mamas: Wieso fühlen schon Kleinkinder Angst?

Dr. Karin Beck: Ängste sind zum Teil tatsächlich angeboren. In der menschlichen Entwicklungsgeschichte war es sinnvoll, zum Beispiel Angst vor gefährlichen Tieren oder großen Höhen zu haben. Das wurde bei Experimenten mit Säuglingen und Kleinkindern nachgewiesen, die Ängste zeigten, die nicht von persönlichen Erfahrungen eines kleinen Menschen herrühren können.

Welche Ängste sind angeboren?

Dazu gehören Ängste vor Kriechtieren wie Schlangen. Hierzulande gibt es keine gefährlichen Schlangen, doch Kinder weichen automatisch vor Schlangen zurück – die Angst ist also grundsätzlich angeboren. Kinder haben noch andere Ängste, die sehr spezifisch für sie sind: Die Angst vor Dunkelheit, die sich im Laufe unseres Lebens wieder legt, oder die Angst vor dem Alleinsein. Das sind Urängste, die sinnvoll sind, da Kinder maximal abhängig sind. Alleinsein würde für ein Kind bedeuten, zu sterben.

Was ist mit Gefühlen, die nicht angeboren sind?

Die Angst vor Regenwürmern oder Schnecken ist zum Beispiel nicht angeboren. Hierbei handelt es sich um Ekel, der erlernt ist.

Kinder haben prinzipiell ein ausgeprägtes Explorationsverhalten, das heißt, wenn sie etwas Neues und Interessantes entdecken, dann gehen sie erstmal hin. Wenn jemand daneben aber „Igitt!” sagt, dann schlägt diese Neugier in ein negatives Gefühl um. Die Bewertung ist hier das Entscheidende. Für diese reicht übrigens ein angewiderter Gesichtsausdruck, der Ekel muss nicht ausgesprochen werden.

Auch unsere Kultur spielt eine große Rolle. In Afrika werden unter anderem Maden, die wir hier als ekelhaft empfinden, geröstet und als Delikatesse verspeist, da sie ein wichtiger Proteinlieferant sind.

Heißt das, dass Ängste beim Kind vorprogrammiert sind, wenn sie die Mutter selbst hat?

Die Wahrscheinlichkeit ist auf jeden Fall höher. Aber kein Kind wächst auf einer Insel auf. Es bezieht auch aus anderen Quellen seine Erfahrungen. Im Kindergarten kann sehr viel wieder gut gemacht werden, zum Beispiel durch Tierbücher oder Naturkunde. Es ist nicht so, dass, wenn man als Mutter eine Schwäche hat, diese unmittelbar auf das Kind überträgt. Es gibt vielleicht auch den Papa oder die Oma, die mit dem Kind in den Wald gehen und ihm die Natur nahebringen, wenn die Mutter das nicht möchte.

Wie kann ich als Mama meinem Kind übertriebene Angst oder erlernten Ekel wieder nehmen?

Das geht sehr gut, indem du sein Interesse wieder weckst und ihr euch dem Thema zuwendet. „Schau mal, wie sich der Regenwurm bewegen kann und wie lang er ist,” ist zum Beispiel ein guter Gesprächseinstieg. Besser ist noch, wenn du den Wurm auch vorsichtig anfasst oder ihn in die Hand nimmst, selbst wenn du dafür über deinen Schatten springen musst.

Begegnest du einem Hund, trittst du zum Beispiel einen Schritt zurück und beschreibst ihn erstmal – das weiche Fell, die großen Augen, die starken Beine. Wenn du das öfter tust, fängt dein Kind an, das Tier neu zu bewerten. Da Kinder sehr schnell lernen, ist das eine gute Methode, sie zu lenken. Natürlich solltest du dein Kind dabei nicht gleich überfordern und den Hund anfassen lassen.

Allgemein gilt: Bei jeder Form von Angst, soll man sich dem angstmachenden Objekt zu- und nicht abwenden. Sonst können sich Angst und Ekel verfestigen.

Noch mal zurück zur den Kriech- und Krabbeltieren: Wieso machen gerade die Erwachsenen und Kindern häufig Angst?

Ekel empfindet man meistens bei Tieren, die das Kindchenschema nicht erfüllen können – also zum Beispiel keine große Augen und einen schönen Mund haben. Bei Würmern, Schnecken, Spinnen oder Schlangen kann man keine Emotionen vom Gesicht ablesen. Dadurch sind sie uns unheimlich und fremd. Wenn etwas aber fremd ist, dann kann man es nicht interpretieren und weiß nicht genau, was es macht und was es will. Das führt zu Unsicherheit und Ablehnung.

Timea Sternkopf

Ich lebe mit meiner knapp dreijährigen Tochter und meinem Mann in München und arbeite als freie Autorin und Dolmetscherin. Ich bin nicht nur eine echte Mama, sondern auch ein echter Film- und Serienjunkie. Neben „Game of Thrones“ hege ich eine ebenso große Liebe zu thailändischem Essen und zum Reisen.

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