Corona sorgt für finanzielle Sorgen: „Ich habe wirklich große Existenzängste!“

Die Familienplanung ist in vollem Gange – man plant ein Haus, ein weiteres Kind und hat alles unter Kontrolle. Doch dann kommt Corona. Und mit dem Virus die Kurzarbeit, die Ungewissheit und die finanziellen Sorgen. Viele wissen nicht wann und wie es weitergeht, versuchen diese verrückte Zeit so gut es geht zu überbrücken. Wir haben Mamas aus unserer Community gefragt, welche finanziellen Sorgen sie in Zeiten von Corona haben und was sie besonders belastet.

„Uns rennt die Zeit davon“

Katharinas Mann leidet an einem Bandscheibenvorfall. Er bezieht derzeit ALG I, eigentlich sollte bald seine Umschulung beginnen. Er kann jedoch durch die prekäre Situation mit Corona derzeit weder zu seinen Therapiestunden, noch zur Berufsfindung, da diese abgesagt wurden. Nun ist Katharina seit April in Kurzarbeit, die Firma in der sie arbeitet, baut Flugzeugsitze, ist also sehr stark von der Krise betroffen. „Das schmerzt finanziell sehr. Wir haben ein eigenes Haus, welches abbezahlt werden muss, plus alle anfallenden Kosten. Unsere Tochter ist vier Jahre alt und dreht hier in der Isolation noch durch. Ich habe wirklich große Existenzängste, die mir schlaflose Nächte bereiten“, gibt sie zu.

„Wie sicher ist mein Job noch? Kommt unsere Firma durch die Krise? Wie steht es um den Gesundheitszustand meines Mannes? Wer stellt denn im Moment ein?“ Alles Fragen, die Katharina den Kopf zerbrechen. „Uns rennt eigentlich die Zeit davon, ALG I gibt es ja auch nicht ewig“, sagt sie. „Es war vor Corona schon alles sehr schwierig und nervenzerrend mit den ganzen Ämtern und der Krankheit, aber es war wenigstens stets ein Gehalt gesichert. Und nun fällt der sichere Faktor auch weg und das ist der absolute Horror!“

Auch für Kinder keine leichte Situation

Auch bei Mandy, Mama aus unserer Community, hat sich das Blatt aufgrund der Corona-Krise gewendet. Eigentlich ist ihr Mann der Hauptverdiener für die vierköpfige Familie, arbeitet als Monteur. Mandy selbst arbeitet in Teilzeit als Krankenschwester auf einer Intensivstation, überwiegend im Nachtdienst. Sie haben vor Kurzem ein Haus gekauft, zahlen momentan auch noch ihre Miete, also eine doppelte Belastung. Da ihr Mann nun in Kurzarbeit musste, schiebt Mandy Extradienste, wofür sie eine Einspringprämie bekommt. „Das hilft uns, zumindest ohne großen finanziellen Verlust rauszukommen am Monatsende“, sagt Mandy. Neben der finanziellen Sorgen, tun ihr vor allem auch die beiden kleinen Racker leid. „Man gibt sich die allergrößte Mühe sie gut zu beschäftigen, aber man kommt irgendwann an seine Grenzen. Durch die ganzen Einschränkungen sind ja auch die Möglichkeiten begrenzt.“ Als Krankenschwester hätte sie eigentlich Anspruch auf eine Notbetreuung, doch die wollen sie gerne meiden, solange es möglich ist. „Einfach aus dem Grund, weil ich Angst vor eine Infektion habe und meine Kinder diese dann mit in die Betreuung bringen könnten“, erzählt sie.

„Ich mache mir Vorwürfe, dass es unverantwortlich ist, ein Baby zu bekommen“

„Manchmal habe ich einfach nur Angst vor dem, was noch auf uns zukommen wird“, sagt Martina, Mama aus unserer Community, die Mitte Juli ihr drittes Kind erwartet und sich im Beschäftigungsverbot befindet. Sie hat keine leichte Schwangerschaft bisher, dazu können nun auch die beiden kleinen Mädchen, 2 und 3,5 Jahre alt, nicht in die Kita. Das ist anstrengend. Nun ist ihr Mann auch noch in Kurzarbeit und weiß noch nicht, wie es weitergeht. Hinzu kommen Schulden und ein neues Auto, das abbezahlt werden muss. „Ich mache mir manchmal Vorwürfe, dass es auch unverantwortlich ist ein Baby zu bekommen. Aber ich wurde noch vor der Pandemie schwanger.“

Sie versucht optimistisch zu bleiben, ist sich sicher, die Krise überwinden zu können. Dafür haben sie und ihr Mann bereits einen Notfallplan ausgearbeitet. Sollte die Kurzarbeit ihres Mannes noch länger andauern, habe sie die Möglichkeit, gleich nach dem Mutterschutz zu 100% arbeiten zu können. Ihr Mann würde dann in Elternzeit gehen. „Die Option beruhigt mich sehr“, sagt Martina.

Oft ist die fehlende Kinderbetreuung schlimmer, als die finanzielle Last

„Wir sind im Januar umgezogen, denn die alte Wohnung war verschimmelt und wir lagen im Rechtsstreit mit dem Vermieter. Durch den Umzug haben wir keine Reserven mehr“, erzählt Angie, Mama aus unserer Community. Nun ist sie auch noch in Kurzarbeit, und das als Alleinverdiener. Denn ihr Mann befindet sich in der Umschulung. „Größer als die finanzielle Last ist die fehlende Kinderbetreuung, so dass ich wenigstens ein bisschen arbeiten könnte“, sagt sie. Bereits Anfang April habe sie den Notfall-KiZ beantragt, doch noch immer nichts erhalten. „Viel Geld hatten wir noch nie, aber es fehlte uns an nichts und unserem Kind auch nicht“, sagt Angie.

„Im Mai wollten wir das Bauen beginnen…“

„Ich war die Hauptverdienerin, jetzt bin ich ganz frisch in Elternzeit und mein Mann seit Anfang April in Kurzarbeit. Im Mai wollten wir das Bauen beginnen“, erzählt Jenny, ebenfalls Mama aus unserer Community. „Wir haben uns dazu entschieden, dass ich vorerst für drei Monate in Teilzeit arbeiten gehe, um sein fehlendes Gehalt auszugleichen. Letztendlich wird unsere Kreditrate nicht wesentlich höher als unsere jetzige Miete, daher haben wir beschlossen, dennoch zu bauen. Denn wenn wir uns das nicht leisten können, können wir uns unsere jetzige Wohnung auch nicht mehr leisten und dann hätten wir sowieso größere Probleme.“

Sie und ihr Mann haben sich alle Kosten genauestens durchgerechnet und aufgeschrieben, setzen sich aktuell wöchentlich gemeinsam hin, um die Finanzen zu besprechen und zu schauen, wo sie sparen können. Das Auto bleibt stehen so oft es geht, beim Wocheneinkauf wird nach Angeboten geschaut. Glück hat sie vor allem mit dem Arbeitgeber: „Er war Gott sein Dank sehr flexibel, hat innerhalb von fünf Tagen einen Änderungsvertrag für mich aufgesetzt.“

Wichtig für sie und ihren Mann war vor allem auch, zu klären, wie sie die Betreuung ihrer Tochter managen können. „Ich habe dementsprechend meine Dienste schon komplett mit meinem Arbeitgeber verplant. Mein Mann hat die Dienste so an seinen Chef weitergegeben, damit er, falls es Arbeit gäbe, an diesen Tagen in Gegenschicht zu mir arbeitet. Er würde etwas früher aufhören, ich etwas später anfangen. Momentan ist mein Mann zum Glück nur tageweise zuhause, daher war es am Schluss vielleicht „unnötig“, dass ich arbeiten gegangen bin. Aber wir wollen lieber auf Nummer sicher gehen. Wäre mein Mann zu 100% zuhause, würde ich knapp so viel verdienen, dass wir auf Null rauskommen würden.  Alles was jetzt dann „zu viel“ verdient wird, kommt zu den Ersparnissen.“

Keine einfache Zeit, durch die wir da alle gerade müssen. Lasst den Kopf nicht hängen, glaubt an euch und macht das Beste draus. Wir haben es hoffentlich bald geschafft!

Tamara Müller

Als süddeutsche Frohnatur liebe ich die Wärme, die Berge und Hamburg! Letzteres brachte mich vor vier Jahren dazu, die Sonne im Herzen zu speichern und den Weg in Richtung kühleren Norden einzuschlagen. Ich liebe die kleinen Dinge im Leben und das Reisen. Und auch wenn ich die einzige Nicht-Mama im Team bin, verbringe ich liebend gerne Zeit mit Kindern.

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