Corona-Quarantäne: Zuerst hab ich meine kinderlosen Freunde ein wenig beneidet…

Es wurde schon so viel darüber geschrieben, wie ungewohnt, anstrengend und manchmal fast unlösbar die Kombination Kinderbetreuung zu Hause und Homeoffice ist. Wer dabei auch noch Homeschooling betreiben muss – hat meinen vollen Respekt. Das wurde mir erspart, meine Tochter ist noch ein Kita-Kind und seit dieser Woche darf sie auch wieder in den Kindergarten düsen.

Die Zeit zusammen zu Hause war natürlich auch superschön, wann hat man das schon mal?

Aber… Man hat uns allen angemerkt, dass es eben kein Urlaub war. Wir Eltern mussten arbeiten, meine Tochter musste sich ganz schön viel selbst beschäftigen (so zumindest die Theorie), wir waren alle öfter mal gereizt und meine Tochter vermisste ihre Freunde, die Kita, ihren Sport, den Spielplatz… Na, ihr wisst schon, was ich meine, so sah und sieht es schließlich gerade in x Familien aus.

Und jetzt muss ich hier mal etwas zugeben: Zwischendurch habe ich meine kinderlosen Freundinnen manchmal ein wenig beneidet.

Wir hetzten zwischen Abgaben im Job und dem Barbie-Puppenhaus meiner Tochter hin und her. Nach Feierabend ging es dann endlich raus auf den Hinterhof oder „einmal um den Block“ mit dem Roller (mensch, wie froh ich bin, dass die Spielplätze wieder geöffnet sind!). Dann Abendbrot, Maus ins Bett, einkaufen/Haushaltskram machen/weiterarbeiten.

Also, dafür, dass man keinerlei Verabredungen und Termine hatte, fühlte ich mich ganz schön gestresst.

Und dann waren da meine Freundinnen, die keine Kinder haben. Sie machten ihren Balkon hübsch und auch sich selbst mit Online-Sportkursen und ausgedehnten Home-SPA-Abenden frühlingsfit. Sie testeten neue Rezepte und machten Bienenwachstücher selber. Sie lasen dicke Wälzer und bingewatchten Netflix-Serien. „Wenn man eh nichts unternehmen kann…“

Ihnen war tatsächlich „sooo langweilig!“ – grummel….

Maaannn – das wollte ich auch alles! Jaa, theoretisch ginge das ja auch alles mit Kind. Aber ich war abends einfach platt…

Ich merkte bestürzt, dass ich tatsächlich das erste Mal ein wenig neidisch war auf diejenigen, die die „geschenkte“ Zeit so für sich nutzen konnten! Also, jetzt nicht so „Regretting Motherhood“-neidisch, auf keinen Fall. Aber wisst ihr vielleicht, was ich meine?

Meine Tochter gehörte zu den Kindern, die die ganze Situation ganz schön mitnahm.

Sie war oft traurig, wahnsinnig nähebdürftig und erzählte mir abends im Bettchen von ihrer Angst, dass ihre Freundinnen oder wird „dieses Virus“ bekommen könnten. Das Abstandhalten hatte sie schnell perfektioniert… Das alles fand ich am schlimmsten und ich fragte meinen Freund abends mal, wie wir wohl am besten unsere kleine Maus davor bewahren konnten, einen Knacks zu bekommen. Seine Antwort: „Ich glaube eher, sie bewahrt uns davor, durchzudrehen.“

Das gab mir zu denken. Er hatte total recht.

Ja, ich hatte wenig Zeit, mich um mich zu kümmern. Nun gut. Aber ich hatte meine beiden Lieben um mich. Und somit auch immer ganz viel Liebe. Hatte einen Grund, dreimal am Tag Mahlzeiten zuzubereiten. Hatte immer jemanden zum Reden – und zwar nicht nur über die bedrückende Situation der Pandemie, sondern auch über die neue Frisur der Barbie oder darüber, ob es noch zu kalt für ein kurzärmeliges Shirt sei oder nicht. Unser Alltag ging weiter, anders, aber einige Dinge laufen mit Kindern eben immer gleich ab. Corona hin oder her. Und das brachte irgendwie doch eine gewisse Leichtigkeit in unser Leben.

Und meine Freundinnen?

Die sagten tatsächlich zu mir, dass ich froh sein sollte. Denn all die tollen Sachen, die ich auch wollte – die machten sie zwar. Ab und zu. Aber den Rest der Zeit fiel ihnen häufig die Decke auf den Kopf und sie fühlten sich einsam. Denn telefonieren und skypen, das sind tolle Möglichkeiten, machen aber auch keine persönlichen Kontakte wett.

Das Gras auf der anderen Seite ist viel grüner, oder?

Diese Pandemie ist eine Zeit der Extreme, die wir so noch nicht kennen. Wer Familie hat, lebt eine extreme Familienzeit rund um die Uhr ohne Pausen. Wer allein lebt, der ist extrem isoliert und hat sein Maß „Zeit für sich“ gefühlt für sein restliches Leben aufgefüllt. Wir alle wünschen uns unser gewohntes Gleichgewicht.

Ein wenig Zeit für mich würde ich nach wie vor schön finden – aber beneiden werde ich sicher niemanden mehr. Denn meine kleine Familie ist mein Ein und Alles und bringt mich sicher durch alle Krisen. Das weiß ich jetzt.

Laura Dieckmann

Als waschechte Hamburgerin lebe ich mit meinem Freund und unserer fünfjährigen Tochter in der schönsten Stadt der Welt – Umzug ausgeschlossen! Bevor das Schicksal mich zu Echte Mamas gebracht hat, habe ich in verschiedenen Zeitschriften-Verlagen gearbeitet. Ich mag leckeres Essen, laute Rockmusik und ab und zu sogar ein bisschen Sport.

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