Bodyshaming beim Baby: „Meine Tochter wurde weltweit als fett beschimpft!“

Was seht ihr auf diesem Foto? Ein wunderschönes, superniedliches kleines Mädchen, das glücklich und vertrauensvoll in die Welt schaut?

Dass eine ganze Menge Leute, und zwar weltweit, etwas ganz anderes sehen, ist fast unvorstellbar. Aber leider wahr, wie Zoey Semchuk, die Mama des kleinen Mädchens, auf Scary Mommy erzählt. Und ihre Geschichte ist fast so furchtbar wie unvorstellbar.

„Vor einiger Zeit machte mein Mann den Fehler, dieses Bild unserer damals 14 Monate alten Tochter bei imgur (einer Community) zu veröffentlichen. Er dachte, es sei privat, aber stattdessen wurde es der Öffentlichkeit zugänglich gemacht.

Und es dauerte nicht lange, bis die Trolle herauskamen.

Dies ist unsere gesunde, wunderbare Tochter, die aus einer langen ,Dynastie` von stämmigen Babys stammt. Ich hatte Röllchen und ihr Vater auch, also ist es keine Überraschung, dass sie ein Baby war, das dem Michelin-Männchen sehr ähnelte. Sie war bezaubernd!“

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Foto: Zoey Semchuk

Aber sofort, nachdem das Foto versehentlich für die breite Masse zugänglich war, ging es los. Kommentare wie „Warum ist sie so fett? Womit füttert ihr sie?“ oder „Übrigens, sie ist eindeutig zu dick!“ sammelten sich unter dem Foto der Einjährigen.

Zoey erzählt:

„Ich bin in meinem Leben schon oft körperlich beschämt worden, aber ich dachte, meine Tochter hätte mehr Zeit, bevor ihr das passiert.“

„Die Tatsache, dass ihr Bild so weit verbreitet war und so viele Menschen nicht einmal mit der Wimper zucken, wenn ein Einjähriger als fett bezeichnet wird, zeigt, wie unerbittlich das Körperschamgefühl in unserer Gesellschaft geworden ist.“

Die bestürzte Mama, sie sich natürlich auch gleich als mästende Rabenmutter bezeichnet in den Kommentaren wiederfand, gibt an, dass ihre kleine Maus eine völlig ausgewogene Ernährung hat, nicht übergewichtig ist und von Geburt an die gleiche, ganz normale Wachstumskurve verfolgte. Ihre Ärzte waren überhaupt nicht besorgt. „Zum Teufel, sie lebte zu dieser Zeit noch überwiegend von Muttermilch! Aber das spielte keine Rolle.“

Aber es kam noch viel schlimmer:

„Ein paar Tage, nachdem das Bild auf imgur veröffentlicht worden war, erhielt ich eine Nachricht von einer Freundin, der in Australien lebt. Sie erzählte mir, dass das Bild meiner Tochter auf einer beliebten australischen Nachrichtenseite veröffentlicht wurde.“ Einfach so. Das Foto diente einem Artikel über „Kleinkind-Bodyshaming“ als Bebilderung. „Entsetzt schickte ich eine Nachricht an die Website und bat sie, das Bild sofort herunterzunehmen. Sie lehnten dies ab und verteidigten ihre Entscheidung, das Bild weiter zu veröffentlichen, weil das Thema bereits viel Aufmerksamkeit erregte.“

Zoey kam auf die Idee, nach „Kleinkind-Bodyshaming“ zu googlen – und traute ihren Augen nicht:

„Da sah ich tonnenweise Artikel, in denen dieses inzwischen berühmt-berüchtigte Bild meiner Tochter verwendet wurde.“

In den Kommentaren ließen sich Menschen aus, die sie fett und mich eine nachlässige Mutter nannten. Diese Menschen, die nichts über mein Kind und seine Gesundheit wissen, hatten das Bedürfnis, ihren Körper und meine Erziehung zu beurteilen – anhand eines einzigen Bildes.“

Einige Seiten verfremdeten zumindest das Gesicht des Mädchens, andere nicht. „Niemand wandte sich an mich oder meinen Mann, um mich um Erlaubnis zu bitten, ihr Bild zu verwenden. Ich konnte nicht glauben, dass meine Tochter, die erst etwas über ein Jahr alt war, sich bereits für ihren Körper schämen sollte. Ich fühlte mich körperlich krank.“

Das Foto erschien sogar in einer britischen Morgensendung. Zoey: „Einer der Moderatoren erwähnte, wie besorgniserregend ihre Arme aussahen. Ich wollte in den Bildschirm greifen und ihm ins Gesicht schlagen.“

All diese Erlebnisse sind so unglaublich, dass Zoey und ihr Mann schwer getroffen sind und sie wohl niemals vergessen werden:

„Hier ist meine süße Tochter – vollkommen gesund – die von der ganzen Welt kritisiert wird.

Hört zu, Leute, das muss aufhören.

Es ist schwer genug für erwachsene Frauen, mit der ständigen Beschämung fertig zu werden, aber sie ist ein verdammtes Baby!“

Auch Schuldgefühle kommen hinzu:

„Ich bin immer noch dabei, mich von der enormen Schuld zu erholen, dieses Foto von ihr versehentlich weitergegeben zu haben, aber ich dachte, wir wären alle besser als das hier. Bitte versetzen Sie sich in meine Lage und stellen Sie sich vor, wie traurig Sie wären, wenn Ihr Baby von Fremden aus der ganzen Welt beschämt und verspottet würde. Wie verletzt Sie sich fühlen würden, wenn das Bild Ihres Kindes im Internet um ungebildeter Kritik und Beschimpfungen willen verbreitet würde. Widerwärtig.

Mein Mann und ich haben jedoch einige wertvolle Lektionen aus all dem gelernt.

Erstens muss man vorsichtig sein, wenn man Fotos seiner Kinder weitergibt, denn man weiß nie, was einem breiteren Publikum zugänglich gemacht wird, als man es beabsichtigt hat. Und am wichtigsten ist, dass wir alle eine größere Verantwortung als je zuvor haben, unseren Kindern Körperpositivität beizubringen! Und Respekt. Das ist völlig außer Kontrolle geraten. Unsere Kinder schauen zu und hören zu, und dieses Verhalten ist schädlich für ihre geistige und körperliche Gesundheit. Ich bin nur froh, dass meine Tochter jung genug war, dass wir sie abschirmen konnten. Und ich habe vor, sie so zu erziehen, dass sie ihren Körper liebt, egal was passiert.“

Liebe Zoey, wir danken dir ganz herzlich, dass wir deine Geschichte veröffentlichen dürfen und wünschen dir und deiner Familie alles Glück der Welt.

Laura Dieckmann

Als waschechte Hamburgerin lebe ich mit meinem Freund und unserer fünfjährigen Tochter in der schönsten Stadt der Welt – Umzug ausgeschlossen! Bevor das Schicksal mich zu Echte Mamas gebracht hat, habe ich in verschiedenen Zeitschriften-Verlagen gearbeitet. Ich mag leckeres Essen, laute Rockmusik und ab und zu sogar ein bisschen Sport.

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