Besorgte Jungs-Mutter: Verderben leggingstragende Mädchen ihre Söhne?

„Ich bin eine katholische Mutter von vier Jungs, die ein Problem hat, dass nur Frauen lösen können.“

So beginnt der Brief einer besorgten Frau an den „Observer“, der Studentenzeitung der katholischen Privatuniversität Notre Dame im US-Bundestaat Indiana. Als ich den Bericht darüber bei Scary Mommy gelesen habe, bin ich gelinde gesagt etwas vom Glauben abgefallen. Der Bericht ist zwar schon etwas älter – aber nicht aus den 50er Jahren, oder so.

Nun, wie können wir Frauen dieser Mutter denn nun aus ihrer Bredouille helfen, was ist ihr Problem?

„Leggings.“

Ah, okay. Äh, wie jetzt!?

Um es endlich aufzulösen: Die vier Söhne der Schreiberin besuchen eben diese Privatuni. Und wirklich jeden Tag werden die kleinen Unschuldslämmer in Versuchung geführt und in peinliche Situationen gebracht. Denn wirklich sehr viele ihrer Kommilitonen tragen Leggings.

Jepp, Leggings. hab ich auch im Schrank, und ihr so? Und eure Töchter?

Meine und wahrscheinlich auch eure Sicht der Dinge: Leggings sind saumäßig gemütlich. Und können richtig gut aussehen, es gibt so tolle Modelle, die nichts mehr mit schnöder Sportkleidung zu tun haben. Die einzigen kritischen Gedanken, die ich mir jemals über Leggings gemacht habe: Sind sie nicht doch unvorteilhaft für meine nicht ganz schlanken Beine?

Also, die Mutter der vier durch und durch anständigen Jungs macht sich da durchaus mehr Gedanken…

„Das gnadenlose Kleidungsstück verzeiht nichts!“ (Ja, okay.) Außerdem wirkt es so „freizügig, dass Jungs und Männer von diesem Anblick abgelenkt werden.“

Sie vergleicht das anzügliche Kleidungsstück auf krude Weise sogar mit dem „Sklavinnen-Look“, in den Prinzessin Leia in Star Wars gezwungen wird.

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Mir ist dieser Vergleich nicht ganz klar, und das auf quasi allen Ebenen…

Wie die arme Glucke nun darauf gekommen ist, all die Mädchen und Frauen zu bitten, sich etwas Anständiges anzuziehen?

Nun, sie hatte vor Kurzem mit ihren Söhnen einen Gottesdienst auf dem Campus besucht. Anwesend waren unter anderem auch… einige Mädchen. Ihr ahnt es: Sie trugen Leggings. Und dazu noch kurze Tops, die nichts von der Hose verdeckten. „Der Unterkörper war nicht bedeckt, außer durch die Leggings. Einige sahen aus, als ob die Hosen auf ihrem Körper aufgemalt seien!“ Sie überlegt, was „Frauen dazu veranlasst hat, ihre Unterregionen auf diese Weise freiwillig freizulegen!“.

Sie sagt, sie „schämte sich für die jungen Frauen bei der Messe.“

Es ist aber auch einfach zu schlimm für Jungs, Männer und vor allem ihre Mütter: „Eine Welt, in der Frauen in Filmen, Videospielen, Musikvideos usw. weiterhin als ,Babes` dargestellt werden, macht es katholischen Müttern schwer, ihren Söhnen beizubringen, dass Frauen Töchter und Schwestern von jemandem sind. Dass Frauen zuerst als Menschen betrachtet werden sollten – und alle Menschen sollten mit Respekt betrachtet werden.“ Zu der menschenunwürdigen (und oft wirklich zu diskutierenden!) „Babes“-Darstellung gehört dann wohl eben auch das freiwillige Tragen von Leggings…

Ach, mensch. Ist es denn wirklich sooo schwer, seinen Jungs beizubringen, dass Frauen keine Objekte, sondern Menschen sind?

Auch, wenn diese die Erziehung mit ihren engen Hosen tagtäglich torpedieren?

Die Mama macht sich eben große Sorgen um ihre Jungs – und die armen Männer im Allgemeinen: „Ich dachte an all die anderen Männer um uns herum und hinter uns, die nicht anders konnten, als ihre Hintern zu sehen. Meine Söhne wissen es zum Glück besser und beäugen den Körper einer Frau nicht – sicherlich nicht, wenn ich in der Nähe bin (und hoffentlich auch nicht, wenn ich nicht in der Nähe bin). Sie starrten nicht, und sie äußerten sich hinterher auch nicht darüber. Aber man konnte nicht anders, als diese schwarz nackten Hinterteile zu sehen. Ich wollte sie nicht sehen – aber sie waren unvermeidlich. Wie viel schwieriger sind sie dann für junge Leute zu ignorieren!“

Also, ich weiß nicht. Müssen die Jungs denn überhaupt wirklich hübsche Mädchen ignorieren?

Wirklich wichtig ist es doch, dass ihnen von klein auf beigebracht wird, dass es nicht in Ordnung ist, unangenehm zu starren, zu johlen, miese Kommentare zu machen oder gar eine eindeutig sexuelle Absicht der Frau aus der Kleidung herauszulesen und dieser mit ungebetenen Berührungen zu quittieren!

Wie das berühmte: „Wer so einen kurzen Rock trägt, der fordert es doch heraus?“, wisst ihr?

Das ist wichtig. Was Mädchen und Frauen tragen, sollte völlig unwichtig sein. Sie tragen, was sie wollen – und haben wirklich null moralische Verantwortung für die Jungs und Männer. Wenn diese auf Frauenbeine in Leggings schauen und sich sofort zu schmierigen Gedanken oder gar Taten aufgefordert fühlen… ist das nie die Schuld eines Mädchens, das sich morgens in ihre bequemste Hose geschmissen hat.

Die Mutter aber traut Jungs und Männern anscheinend nicht besonders viel zu und bittet darum alle Leggingsträgerinnen um Einsicht:

„Es sind nicht nur meine Söhne – es sind die Väter und Brüder Ihrer Freunde, die männlichen Studenten in Ihren Klassen, die Männer jeder Art, die den Campus besuchen. Ich ärgere mich über die unappetitlichen Jungs, die Sie anstarren, und die netten Jungs, die alles tun, um Sie nicht anzuschauen!“

Ich finde: Wofür sich diese Frau wirklich schämen sollte, sind Jungs und Männer, die Mädchen und Frauen so wenig respektieren, dass sie deren Po in einer Leggings zu Worten und Taten inspiriert, die ungeheuerlich sind und doch immer und überall zu dem Leben einer Frau gehören. Die denken, dass Frauen sich nur für sie kleiden und dass sie mit enger oder kurzer Kleidung eine Art Versprechen an die Männerwelt geben, die sich dann nehmen kann, was sie möchte.

Sie sollte sich für Eltern schämen, die ihren Kindern nicht genug Respekt mit auf den Weg geben, um ihre Mitmenschen auf Augenhöhe und gleicberechtigt zu behandeln.

Nicht aber für eine Handvoll Studentinnen, die sich modisch und bequem kleiden, um sich mit ihren Freundinnen zu treffen.

Laura Dieckmann

Als waschechte Hamburgerin lebe ich mit meiner Familie in der schönsten Stadt der Welt – Umzug ausgeschlossen! Bevor das Schicksal mich zu Echte Mamas gebracht hat, habe ich in verschiedenen Zeitschriften-Verlagen gearbeitet. Seit 2015 bin ich Mama einer wundervollen Tochter.

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