„Bei uns warten 150 Kinder auf 18 Plätze!“ Eine KiTa-Leiterin erklärt ihre Vergabe-Kriterien

Der KiTa-Wahnsinn in Deutschland nimmt kein Ende. Das Kölner Institut der deutschen Wirtschaft erklärte im Mai 2017, dass es 292.733 Krippenplätze zu wenig gibt. Nochmal fast 1000 Plätze fehlen im Elementarbereich. Besonders hart trifft es Eltern in Bremen. 42 Prozent aller Kinder, die dort einen Krippenplatz bräuchten, bekommen keinen.

Der Bedarf soll laut Experten weiterhin ansteigen, was die Politik gegen den Mangel macht (oder eben nicht), darüber gibt es Diskussionen und Uneinigkeit. Während manche behaupten, man versuche, Plätze zu schaffen, erklären andere, das nichts passiere.

Einer davon ist Ökonom Wido Geis, der im Mai der Süddeutschen erklärte, dass seit zwei Jahren Stillstand herrsche: „Seit dem Rechtsanspruch auf einen Platz für unter Dreijährige hat der Ausbau offenbar nicht mehr die höchste Priorität bei den Kommunen.“

Das bekommt jeder das zu spüren, der sein Kind gut betreut haben möchte: Die Krippen sind voll.

Während das KiTa-Problem oft aus der Perspeckitve der Eltern betrachtet wird, haben wir uns mal die andere Seite angesehen. Eine KiTa-Leiterin hat uns erklärt, nach welchen Kriterien sie die Absagen erteilt.

Wir haben 18 Plätze, davon 4 für 5-Stunden-Kinder, und auf unserer Warteliste stehen 150 Kinder“, so die Leiterin, die anonym bleiben möchte. Ganz schön schwer, den Überblick zu behalten, darum schreibt sie sich alles penibelst auf: „Ich notiere mir immer, wer mich wann angerufen hat, wer wann einen Termin hatte und behalte auch jeglichen Mail-Kontakt im Archiv des Computers!“

Das hilft ihr bei der Organisation und auch dabei, den Eltern stark gegenüberzutreten. Schließlich muss sie sehr viele von ihnen enttäuschen. Manche kommen damit gar nicht klar und werden sogar richtig wütend: „Für mich ist es eine Art Selbstschutz, sämtliche Kommunikation zu dokumentieren. So kann ich begründen, warum ein Wartelisten-Kind es nicht oder nicht zum gewünschten Startzeitpunkt in die Gruppe schafft.“

Denn dazu braucht es vor allem zwei Dinge: gutes Timing und viel Einsatz der Eltern.

Sie empfiehlt, sich schon während der Schwangerschaft auf die Liste setzen zu lassen: „Es klingt vielleicht etwas makaber, das so zu sagen, aber wenn man erst anfragt, wenn das Baby auf der Welt ist, ist es meistens zu spät.“

Und selbst dann ist ein Krippenplatz für den Nachwuchs nicht sicher: „Ein großer Faktor ist natürlich der Zeitpunkt. Wir können dann Kinder aufnehmen, wenn Kinder die Gruppe verlassen. Häufig ist das spontan, weil jemand umzieht. Viele Plätze von Kindern, die planmäßig in den Elementarbereich wechseln, sind schon fest verplant – für Geschwisterkinder.“

Zwischen dem Erstkontakt und dem ersten Tag des Kindes in der KiTa können so schon mal ein bis zwei Jahre liegen. Diese Zeit müssen Eltern nutzen, erklärt die Leiterin. Es sei ein Irrglaube, dass die Zeit einen in der Warteliste nach vorne bringt.

Das macht nur eines: Engagement! „Nur, wer sich hier regelmäßig meldet, rückt vor. Eltern, die die KiTa mit mir ansehen, mindestens alle ein bis zwei Monate anrufen und nachfragen und auch sonst Kontakt halten, haben eine erhöhte Chance, einen Platz zu bekommen. Höre ich längere Zeit nichts mehr, rutscht der Name der Familie automatisch nach hinten, weil ich dadurch den Eindruck habe, dass wir nicht die KiTa der ersten Wahl sind und es nicht so wichtig ist.“

Das klingt ganz schön hart, und das soll es auch sein: „So lange wir eine solche Nachfrage haben, können wir uns erlauben, auf diese Art auszuwählen, wem wir den Vorzug geben. Das heißt für uns eben auch, eine stabile Gemeinschaft zu haben. Wer so viel Engagement für den Platz gezeigt hat, der verlässt uns nicht so schnell wieder. Dadurch haben wir insgesamt sehr wenig Unruhe in der Gruppe – davon profitieren also in erster Linie die Kinder!

Rebecca

Schon seit rund einer Dekade jongliere ich, mal mehr, mal weniger erfolgreich, das Dasein als Schreiberling und Mama. Diese zwei Pole machen mich aus und haben eines gemeinsam: emotionale Geschichten!

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