Kinder

„Die Suche nach einer Kita war für mich der Horror“

Foto: unsplash / alexander dummer

Ich weiß, wie hart es ist, einen passenden Kitaplatz zu bekommen. Wir wohnten noch bis vor einem Jahr in der Münchner Innenstadt und haben den ganzen Krippen-Wahnsinn mitgemacht. Ich weiß noch, wie ich bereits schwanger mit meinem Mann verschiedene Kitas besichtigte und Anmeldungen abschickte. Warten, bis das Kind da ist und dann suchen? Viel zu spät!

Dann kam das neue Online-Portal „Kita-Finder+“ der Stadt München, das den Auswahl- und Anmelde-Prozess für einen Kitaplatz vereinfachen sollte. Online-Tool hin oder her: Städtische Kitplätze, die erschwinglich sind, gab und gibt es nicht genügend in München. Das habe ich selbst erlebt.

Natürlich habe ich mir trotz Online-Anmeldung jede Einrichtung persönlich angeschaut. Macht Sinn, als Mama möchte man schließlich wissen, wo man sein Kind hinschickt. Doch gleichzeitig fühlte sich jeder „Tag der offenen Tür“ wie eine Farce an. Vorstellungsrunden für einen Kitaplatz schön und gut, aber es ist nicht so, dass ich tatsächlich in den Luxus kommen würde, die Einrichtung für mein Kind aussuchen zu können.

unsplash / jelleke vanooteghem

Wenn bei der Besichtigung von der Kita-Leitung niederschmetternde Infos wie „600 Kinder auf der Warteliste“ kommen, bleibt nicht viel Hoffnung auf einen Platz. Man könnte natürlich rund 1400 Euro pro Monat in die Hand nehmen und sich bei einer privaten Einrichtung bewerben. Doch wer hat schon so viel Geld, auch wenn man einen Teil davon „nur“ auslegen muss und später von der Stadt bezuschusst wird? In den privaten Kitas ist die Wartezeit theoretisch etwas kürzer – wobei, wir sprechen hier von München.

Ohne absehbaren Krippenplatz machte ich mich auf dem Weg zum Jugendamt, welches bei der Suche nach einer Tagesmutter helfen sollte. Die Anmeldung erfolgte nach Stadtgebiet. Da wir offenbar in einem kinderreichen Stadtviertel mit wenig Betreuungsmöglichkeiten wohnten, gab es zu dem Zeitpunkt lediglich zwei Tagesmütter, die beide rund 30 Minuten entfernt von uns arbeiteten – in völlig entgegengesetzter Richtung zu den Arbeitsstellen meines Mannes und mir. Zu den Hauptverkehrszeiten ein absoluter Horror!

Und nur weil das Jugendamt mir auf dem Bildschirm diese zwei Stecknadeln zeigten, die offene Plätze in unserer „Umgebung“ repräsentierten, hieß es noch lange nicht, dass man den Platz auch bekommen würde. Eine persönliche Vorstellung bzw. Bewerbung bei der jeweiligen Tagesmutter ist Voraussetzung, auch da gibt es Wartelisten. Mit etwas Überzeugungskraft durfte ich mich auch um freie Plätze in Stadtvierteln bewerben, die näher zu meiner Arbeit lagen.

Die einzigen Tagesmütter, die ich erreichte, waren extrem unfreundlich und gestresst. Aber will ich mein Kind von einer unsympathischen Person betreuen lassen?

Zum Glück musste ich das nicht, denn wir haben schließlich einen Platz in einer Krippe unter privater Trägerschaft bekommen, die die Stadt bezuschusste. Wir zahlten 500 Euro für 30 Stunden Betreuung pro Woche.

Meine erste Wahl war die Einrichtung nicht. Ich fand es sehr chaotisch dort und hielt den winzigen Garten für rund 70 Kinder vollkommen unpassend. Auch die Aufnahme verlief alles andere als ideal. Ich wünschte mir einen Platz ab April, da ich im Mai – nach einem Jahr Elternzeit – wieder arbeiten gehen musste.

Wegen der Eingewöhnungszeit empfiehlt sich natürlich ein Betreuungsplatz ab einigen Wochen vor dem ersten Arbeitstag. Der mir angebotene Platz war allerdings schon ab März. Ich war überhaupt noch nicht bereit, mich von meinem Wurm zu trennen, da ich doch sowieso noch Zuhause war. Die 500 Euro Kosten für diesen Extra-Monat empfanden wir mit nur einem Gehalt und dem Elterngeld auch nicht gerade prickelnd. Doch wir mussten den Platz nehmen, sonst hätte ihn jemand anderes bekommen.

unsplash / mitchell orr

Nach zehn Tagen Eingewöhnung beschloss ich, dass ich meine Tochter nicht mit gutem Gewissen in diese Einrichtung schicken kann. Sie mag für andere Eltern das Richtige sein, für uns war sie es nicht. Mal abgesehen davon, dass wir keinen anderen Platz in Aussicht hatten, kam die finanzielle Sorge dazu. Private Träger haben oft eine dreimonatige Kündigungsfrist, was uns 1500 Euro gekostet hätte. Zum Glück waren die Verantwortlichen kulant, und wir durften sofort aus dem Vertrag raus – genügend Nachrücker für den Platz sind in München ja kein Problem.

Doch meine Probleme wurden größer. Mein Arbeitgeber hatte kein Verständnis für meine Bitte um eine 20-Stunden-Woche oder um die Verlängerung meiner Elternzeit. Wir trennten uns, ich machte mich selbstständig. Doch auch als Freiberuflerin kann ich nicht mit einem Kleinkind im selben Zimmer arbeiten.

Unerwartet kam es zum Happy End: Tatsächlich haben wir in letzter Minute einen Platz in unserer absoluten Wunsch-Krippe bekommen und waren überglücklich. Obwohl die Krippe eine städtische Einrichtung war und angeblich alles nur noch über den „Kita-Finder“ läuft, half der persönliche Kontakt zu der überdurchschnittlich sympathischen Kita-Leitung. Für sie war ich ein Mensch, eine Mutter und nicht nur eine Nummer.

Mittlerweile leben wir auf dem Land. Trotz unseres Umzugs mitten im Kita-Jahr hatten wir keinerlei Probleme einen Krippenplatz zu bekommen. So kann es auch gehen.