Warum Kinderärzte ihrem Nachwuchs Bauklötze und Spielküchen kaufen

Mein Sohn hat gestern von Oma und Opa einen Mixer für seine Kinderküche bekommen. Die Stäbe drehen sich richtig und er macht ein Motoren-Geräusch. Mein Sohn liebt ihn. Ebenso wie diese singenden, blinkenden Autos, die irgendwie den Weg in unser Haus gefunden haben. Ihr kennt sie sicher alle.

Alles, was leuchtet und dudelt, hat sofort seine Aufmerksamkeit. Zum Glück liebt er aber auch seine Bauklötze, Steckspiele und Puzzle. Spielzeug, das mir schon vom Bauchgefühl her irgendwie „pädadgogischer“ erscheint als der blinkende Plastikkram.

Diese Vermutung bestätigt jetzt auch ein Bericht der Amerikanischen Kinderärztevereinigung. Darin geht es um die besten Spielsachen zur Förderung der kindlichen Entwicklung. Und – haltet euch fest! – keines darin hat eine Batterie, Soundeffekte oder gar einen Bildschirm.

Im Grunde empfehlen die Experten den Schritt „back to basics“. Auch wenn die Verlockungen in den Spielzeugregalen groß sind. Am besten für die Entwicklung unserer Kleinen sind doch Klötzchen, Ball und schlichte Puppen (wir sprechen hier nicht von Barbie oder Bratz-Puppen) die Raum für Fantasie lassen.

„Das Spielzeug hat sich im Laufe der Jahre weiterentwickelt, und durch Werbung wird bei vielen Eltern den Eindruck erweckt, dass digital-basiertes Spielzeug lehrreich ist“, so Aleeya Healey, Hauptautorin des Berichts. „Die Forschung zeigt uns aber, dass die besten Spielzeuge nicht auffällig blinkend oder teuer sein müssen oder mit einer App geliefert werden. In diesem Fall ist weniger wirklich mehr.“

Gerade kleine Kinder brauchen Spielzeuge, die ihre Sozialkompetenz und Kreativität fördern. Sie brauchen Spielzeug, das sie dabei unterstützt, Sprache, Körperlichkeit und Problemlösung zu entwickeln. Während einfache Spielzeuge wie Klötzchen oder Kuscheltiere alle diese Dinge fördern, führen Bildschirme und digitales Spielzeug eher zu Inaktivität und Isolation.

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„Die besten Spielzeuge sind diejenigen, die Eltern und Kindern dabei unterstützen, gemeinsam zu spielen und ‚so zu tun als ob’, also so richtig ihre Phantasie nutzen“, sagt Alan Mendelsohn, Mitautor des Berichts und Professor für Pädiatrie. „Kinder bekommen einfach nicht das gleiche Feedback, die gleichen Belohnungen von einem Tablet oder Bildschirm. Die wahre Magie entsteht, wenn Kinder mit ihren Eltern spielen.“

Puppen und Stofftiere sind super geeignet, um die Fantasie anzuregen. Foto: Bigstock

In dem Bericht wird immer wieder betont, dass selbst ausgefallene High-Tech-Spielzeuge, die als „pädagogisch“ beworben werden, nicht so gut sind wie Basic-Spielzeuge, die die Kommunikation und Beziehungen zu Eltern, Verwandten, Betreuern und anderen Kindern fördern.

„Je mehr wir über die frühe Entwicklung des Gehirns wissen, desto mehr verstehen wir die Notwendigkeit eines Spiels, das auf menschlicher Interaktion beruht“, sagte Dr. Healey. „Es gibt keinen Bildschirm, Videospiel oder keine App, die die Beziehungen ersetzen kann, die über andere Spielzeuge entstehen.“

In dem Bericht werden auch konkrete Tipps für „gutes“ Spielzeug gegeben: Abgeraten wird von zu viel Spielsachen, solchen, die Geschlechter- oder Rassenstereotypen fördern, und Spielzeug, das nicht zum Zusammenspielen einlädt. Stattdessen sollten Eltern nach Spielzeug suchen, das Kreativität, zwischenmenschliches und fantasievolles Spiel fördert.

Schließlich bieten sie eine Liste traditioneller Spielzeuge an, die sie besonders empfehlen. Dazu gehören Puppen und Action-Figuren, Spielküchen und Zubehör, Spielzeugautos, Bauklötze, Puzzles, Züge, Malutensilien, Kartenspiele, Gesellschaftsspiele, Fahrräder und Bälle.

Diese Spielzeuge wachsen quasi mit den Kindern mit. Während Kleinkinder die Klötze erst mal nur stapeln, können größere schon ganze Welten damit erschaffen.

Abgeraten wird von Tablets, elektronischen Spielen, Telefonen, Laptops, Spielzeug mit Licht und Soundeffekten – und jedes Spielzeug, das eine menschliche Interaktion ersetzt, wie beispielsweise ein Bär, der eine Geschichte liest. Der Bericht erinnert die Eltern auch noch einmal an aktuelle Richtlinien, nach denen Kinder unter zwei Jahren überhaupt gar nicht auf Bildschirme gucken sollten und Kinder über zwei Jahren weniger als eine Stunde pro Tag. Und selbst dann sollten sie mit Aufsicht von Erwachsenen und natürlich nur altersgerechte Programme schauen.

So richtig überraschend ist das alles irgendwie nicht, oder? Aber es ist immer wieder gut, es sich in Erinnerung zu rufen. Und vielleicht schaffe ich es auch noch, meinem Sohn die Holzeisenbahn statt der singenden Autos schmackhaft zu machen.

Britta Kunz

Ich bin freie Autorin und Redakteurin und seit meinem Geburtstag vor zwei Jahren auch Mama eines fantastischen Sohnes. Wir leben zusammen mit meinem Freund in Hamburg und werden ab dem kommenden Sommer sogar zu viert sein.
Als echtes Küstenkind liebe ich es am und auf dem Wasser zu sein. Früher waren mein Freund und ich echte Weltenbummler. Momentan besuchen wir eher Traumziele an der Ostsee oder der Lüneburger Heide. Aber wir freuen uns jetzt schon darauf, mit unseren Kindern die große weite Welt ganz neu zu entdecken.

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