Babytrage statt Kinderwagen: Darum habe ich mein Baby fast nur getragen

Tragen ist Liebe, heißt es nicht umsonst. Das Baby ist im Tragetuch oder in der Trage ganz eng an den Körper von Mama oder Papa gekuschelt. Die Bewegungen der Eltern schaukeln es sanft. Es hört den Herzschlag der Eltern. Fühlt sich sicher und geborgen, fast wie bei Mama im Bauch. Kein Wunder, dass viele Babys der Meinung sind: Babytrage statt Kinderwagen…

Mein Sohn hasste den Kinderwagen

Wie mein kleiner Sohn. Er liebte es, eng an uns gekuschelt die Welt zu erkunden. Legten wir ihn in den Kinderwagen, protestierte er lautstark. Dabei hatte ich vor seiner Geburt viele Stunden damit verbracht, den perfekten Kinderwagen zu finden. Hatte Testergebnisse im Internet gelesen und im Babymarkt verschiedene Modelle probegeschoben.

Mit dem Thema Babytrage hatte ich mich dagegen überhaupt nicht beschäftigt. Eher zufällig bekam ich von einer Freundin eine geschenkt. Ich dachte allerdings nicht, dass ich sie viel benutzen würde. Nun, da lag ich falsch. Sehr sogar…

Babytrage statt Kinderwagen: Eine professionelle Beratung half uns

Tatsächlich habe ich meinen Kleinen die ersten sechs Monate fast ausschließlich getragen. Er kam in der Babytrage einfach am besten zur Ruhe und schlief darin relativ gut. Weil er den Kinderwagen so vehement ablehnte, machte ich ein paar Wochen nach seiner Geburt eine professionelle Trageberatung (kann ich jeder Mama nur empfehlen!).

Trageberaterinnen schauen individuell, welche Trage zu Mama und Kind und den Lebensumständen passt. Meistens bringen sie eine Auswahl an guten Modellen mit, die man testen kann. Wer schon eine hat, wie ich, kann sie gemeinsam mit der Beraterin einstellen. Außerdem beantwortete mir die Trageberaterin viele Fragen. Ich hatte bis dahin ja keinerlei Erfahrung mit dem Thema. Ich hatte zum Beispiel immer Angst, dass der Kleine in der Trage zu wenig Luft bekommt. Diese Sorgen konnte sie mir nehmen. Außerdem erfuhr ich bei dem Termin viel Spannendes zum Thema Babytrage.

Es liegt in der Natur von Babys, dass sie gerne in der Babytrage getragen werden

Wusstest du, dass Menschenbabys Traglinge sind? Ich früher auch nicht. Biologen unterscheiden den Nachwuchs verschiedener Tierarten in Nestflüchter (zum Beispiel Kühe), Nesthocker (zum Beispiel Vögel) und Traglinge (zum Beispiel Affen). Menschliche Babys zeigen Verhaltensweisen, die typisch für den Jungentypus Tragling sind.
Da wäre zum Beispiel der Handgreifreflex, mit dem das Kind sich schon als Neugeborenes erstaunlich stark festhalten kann. Und die Anhock-Spreiz-Stellung, die Babys automatisch einnehmen, wenn sie hochgehoben werden (sie heben die Beinchen und winkeln sie an). Auch der gerundete Rücken spricht dafür, dass Kinder zum Tragen gemacht sind.

In der Steinzeit bedeutete Tragen Sicherheit

Viele Babys schlafen in der Babytrage besonders tief und selig. Egal, was um sie herum gerade passiert und wie heftig die Erschütterungen durch die Bewegungen der Eltern sind. Auch das hat mit der Menschheitsgeschichte zu tun. In stammesgeschichtlicher Vergangenheit war es überlebenswichtig, nicht von den Eltern zurückgelassen zu werden. Ablegen bedeutete den Tod: Der böse Sägelzahntiger kam und schnappte sich das leckere Menschenbaby.
Babytrage statt Kinderwagen? Gehört zu unserer Entwicklung: In der gesamten Menschheitsgeschichte wurden Kinder größtenteils getragen. Der Kinderwagen ist eine relativ neue Erfindung. Statt weiter damit zu hadern, dass mein Sohn den Kinderwagen nicht mochte, sagte ich mir von da an einfach: Er ist eben ein schlaues „Steinzeitbaby“, bei dem die Urinstinkte stark ausgeprägt sind.
Vater trägt sein Kind

Und weil Tragen auch so ungemein praktisch ist, sind auch viele Papas Fans. Foto: unsplash / Ferenc Horvath

Viel getragene Babys profitieren motorisch und kognitiv

Noch ein Grund für „Babytrage statt Kinderwagen“: Viel getragene Babys entwickeln sich laut Studien motorisch und kognitiv besser als Kinder, die sehr viel liegen. Die Augen des Babys sehen viel von der Umwelt. Dadurch enthält das Gehirn viele Entwicklungsreize. Die Bewegungen der Mutter oder des Vaters aktivieren Hautrezeptoren, aber auch Bewegungs- und Gleichgewichtsorgane.
Das Baby wird bewegt, gedrückt, geschaukelt, es hört Lärm, riecht Essen und spürt Wind im Gesicht. Außerdem regen die Bewegungen der Eltern die Verdauung an. Gerade für Babys mit Koliken ist das Tragen also eine gute Sache. Es gibt auch Studien, die nahelegen, dass viel getragene Babys allgemein weniger weinen.

Du möchtest auch gerne tragen? So findest du eine gute Babytrage

– Das Kind muss in einer gesunden Haltung in der Tragehilfe „hocken“. Po und Knie sollten etwa auf einer Höhe sein. Der Steg unter dem Po muss ausreichend breit sein. Die Unterschenkel sollten frei beweglich sein
– Das Material der Tragehilfe muss den Rücken fest umschließen und somit gut stützen
– Die Tragehilfe sollte individuell an Mama und Kind angepasst werden können
– Der Kopf des Kindes muss bei Bedarf gestützt werden können, besonders, wenn das Baby sehr jung ist
– Der Tragekomfort für die Mama ist extrem wichtig, die Tragehilfe sollte das Gewicht des Kindes gut verteilen
– Riemen, Schnallen und Klettverschlüsse sollten leicht zu bedienen sein
– Das Material muss schadstoffrei und speichelecht sein
Inzwischen ist mein Kleiner aus der Trage herausgewachsen. Und ich muss ehrlich sagen: Auch wenn ich öfters gestöhnt habe, warum er nicht auch MAL im Kinderwagen liegt, wie andere Babys – inzwischen trauere ich unserer innigen Tragezeit nach…
Wiebke Tegtmeyer

Nordisch bei nature: Als echte Hamburger Deern ist und bleibt diese Stadt für mich die schönste der Welt. Hier lebe ich zusammen mit meinem Mann und unseren beiden Kindern.

Seit 2015 sind wir Eltern einer zauberhaften Tochter. Zwei Jahre später kam ihr kleiner Bruder auf die Welt, und unsere Familie war komplett. Zusammen sind die beiden ein unschlagbares Team, das sich nur allzu gern gegen Mama und Papa verbündet.

Abgesehen von meiner Familie liebe ich den Hafen, fotografiere gern und gehe gern zu Konzerten und zum Fußball. Bei Echte Mamas kann ich meine Leidenschaft für Texte und Social Media ausleben – und darüber freue ich mich sehr.

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