Aus „Rücksichtnahme“: Mama darf im Flieger ihr Baby nicht stillen

Einer der wichtigsten Life-Hacks für fliegende Mütter: dem Baby bei Start und Landung die Brust (oder Flasche) geben. Sogar Kinderärzte raten dazu. Das Schlucken hilft nämlich, den Druck auszugleichen und so Ohrenschmerzen vorzubeugen. Gar nicht hingegen hilft es, wenn einem die Reisegesellschaft diese Möglichkeit verwehren möchte – wie es Chelsea Williams (28) aus Nordwales passiert ist.

 Anschnallen, Tische einklappen, Brüste einpacken – oder wie jetzt?

Die Familie Williams war voller Vorfreude auf dem Weg in den Spanienurlaub. Bei dem Start wollte Chelsea ihr fünf Wochen altes, weinendes Baby beruhigen, indem sie es anlegte. So weit, so normal. Doch als das Kabinenpersonal sich aufmachte, zu checken, ob alle Gurte angelegt wurden, teilten es der Mutter mit, dass sie bei Start oder Landung nicht stillen dürfe. Hä? Seit wann das denn?

Ähnlich perplex war die Familie, doch um sich keinen Ärger einzuhandeln, unterbrach Chelsea das Stillen. „Ich wollte keine Szene verursachen.“ Für sie selbst wurde es danach allerdings so richtig stressig: „Das Baby begann ganz doll zu schreien, so dass schließlich auch unsere größere Tochter weinte. Ich kam ins Schwitzen und war selbst kurz vor einem Tränenausbruch. Alle starrten uns an.“ Es dauerte über eine Stunde, bis ihr Baby sich beruhigte und einschlief.

Um solche Probleme auf dem Rückflug zu vermeiden, kontaktierte ihr ebenfalls entgeisterter Ehemann den Fluganbieter TUI, um nachzufragen, ob seine Frau das Baby während des Starts füttern darf. Die Antwort: Es gäbe zwar keine Einschränkungen, man rate aber davon ab, weil es die anderen Passagiere stören könnte. Hmmm… ob die anderen Fluggäste das Schreien des Babys wirklich so viel schöner fanden? Denn auch darauf reagieren ja viele offenbar sehr empfindlich.

„Ich fand die Antwort schockierend und absolut diskriminierend für stillende Mütter“, sagte der Softwareingenieur. In den sozialen Netzwerken erhielt die Familie viel Zuspruch. Manchen erschien es geradezu ironisch, dass dies nur einen Tag vor dem Start der Weltstillwoche geschah. Die wird unter anderem vom Kinderhilfswerk der Vereinten Nationen  (UNICEF) und der Weltgesundheitsorganisation (WHO) initiiert, um das Stillen zu fördern und Barrieren abzubauen. Scheint fast so, als gäbe es in dieser Angelegenheit noch viel zu tun.

Jana Stieler

Ich lebe mit Mann und Sohn im Süden Hamburgs – am Rande der Harburger „Berge“ (Süddeutsche mal kurz weghören: Der höchste Punkt misst immerhin sagenhafte 155 Meter ü. M.). Wenn ich nicht gerade einen Text verfasse, liebe ich Outdoor-Abenteuer mit meiner Familie, lange Buch-Badewannen-Sessions mit mir allein und abendliches Serien-Binge-Watching.

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