Anna Wilken über ihre Endometriose: „Geglaubt hat mir niemand.”

Anna Wilken ist in Deutschland eine bekannte Influencerin und erfolgreiches Model. Was lange niemand ahnt: Sie hat seit Jahren einen unerfüllten Kinderwunsch, leidet unter Endometriose. Doch irgendwann entschließt sie sich, ihre Reichweite zu nutzen, um über die Krankheit aufzuklären. Denn obwohl 10 bis 15 Prozent der Frauen an Endometriose leiden, gibt es dazu immer noch zu wenig Informationen, sogar Ärzt*innen erkennen die Krankheit oft erst spät.

Bei Endometriose siedelt sich Gebärmutterschleimhaut (Endometrium) außerhalb der Gebärmutterhöhle an. Gebärmutter, Eierstöcke, Darm oder Blase können betroffen sein. Meistens werden diese Endometrioseherde von den Geschlechtshormonen beeinflusst und machen zyklische Veränderungen durch. Sie verursachen Entzündungen, Zysten, Vernarbungen und Verwachsungen.

Mehr Reden über Endemotriose – mit Anna Wilken

Leider werden die Symptome der Endometriose oft als „normale” Begleiterscheinungen der Periode gedeutet. Die Patientinnen müssen sich deswegen viel zu oft anhören, dass sie sich „nicht so anstellen“ und „zusammenreißen” sollen. Fatal, denn diese Erkrankung ist eine der häufigsten Ursachen für Unfruchtbarkeit. Die betroffenen Frauen leiden oft jahrelang unter starken Unterleibsschmerzen, Magen-Darm-Beschwerden und Migräne.

Deswegen wünscht sich Anna, dass über die Endometriose mehr gesprochen wird. Sie teilt ihre Krankheitsgeschichte und ihre Versuche, trotz ihrer Erkrankung schwanger zu werden, in sozialen Netzwerken. Eine riesige Community schaut ihr dabei zu.

Mit uns spricht sie über ihre eigenen Erfahrungen und Tipps im Umgang mit der Edometriose und über Mut.

1. Liebe Anna, wie ist es dazu gekommen, dass Endometriose bei dir diagnostiziert wurde?

Als ich 13 Jahre alt war entstand der Verdacht, wofür ich sehr dankbar bin. So wusste ich selbst schon früh, dass es so etwas gibt, das sich Endometriose nennt. Geglaubt, dass ich das habe, hat mir natürlich dennoch niemand, ich würde mir ja alles einbilden. Sechs Jahre später, als ich gerade 19 Jahre alt war, kam dann die Diagnose.

2. Erinnerst du dich noch daran, wie es dir damals mit der Diagnose ging?

Oh ja, mir sind 10.000 Steine vom Herzen gefallen! Endlich wusste ich, was mit meinem Körper los ist! Endlich konnte ich es allen beweisen, dass ich mir nichts eingebildet habe, denn darunter habe ich tatsächlich so gelitten.

3. Warum bist du mit deiner Krankheit an die Öffentlichkeit gegangen? Hattest du Sorgen bezüglich der Reaktionen auf Social Media?

Weil es mich genervt hat, das alles immer verstecken zu müssen. Immer wieder musste ich mir anhören, ich würde krank aussehen, an Tagen, an denen ich mich Zuhause gequält habe. Das war nicht immer leicht… und als ich merkte, wie wenig mein Umfeld über die Endometriose weiß, war mir auch klar, dass ich meine Reichweite nutzen möchte! Zumal es da schon vereinzelt tolle Accounts gab, die haben mir dann die Motivation dazu gegeben! Und ja, ich hatte auch etwas Angst vor den Reaktionen, schließlich läuft es in der Internetwelt nicht immer ganz so friedlich ab.

4. Warum ist es dir wichtig, mehr über diese Krankheit zu sprechen?

Weil es ca. 6-10 Jahre dauert, bis die Diagnose gestellt wird. Das ist so eine lange Zeit! Eine Zeit, in der viele Betroffene psychisch leiden. Hier fehlt ganz klar die Aufklärung in alle Richtungen. Das Umfeld ist nicht sensibilisiert genug und leider einige Ärzt*innen auch nicht. Das darf meiner Meinung nach nicht mehr so sein und trotzdem hören einige immer wieder den bekannten Satz „Periodenschmerzen sind normal!“. Leider sind sie das nicht.

5. Was hilft dir, besser mit den Schmerzen umzugehen?

Das ist eine ganz individuelle Frage. Ich habe sehr lange gebraucht, hier einen Weg zu finden und habe gemerkt, dass es für mich am besten ist, wenn ich mich mit der Situation, also der Krankheit anfreunde. Es war nicht immer leicht und ich hatte vorerst viele Tiefs, bevor die Höhen kamen… Aber sie kamen! Ich habe meinen Körper kennen und lieben gelernt, was keine Krankheit heilt, aber ein wichtiger Schritt ist.

Dazu tut mir Physiotherapie, Wärme, Spaziergänge, Tee, Massagen und Osteopathie wirklich sehr gut. Ich schaue immer, was mein Körper gerade verlangt und natürlich greife ich auch mal zu Schmerzmitteln, wenn keine Besserung in Sicht ist.

6. Was würdest du Frauen und Mädchen raten, die sich nicht trauen, offen über ihre Beschwerden zu reden?

Go for it! Niemand muss sich für diese Dinge schämen und es kann unglaublich befreiend sein, darüber zu sprechen und das Gegenüber kann einen so vielleicht besser verstehen.

7. Du sprichst auch über deinen unerfüllten Kinderwunsch, erzählst offen von deinen künstlichen Befruchtungen. Warum ist es dir wichtig, deine Kinderwunsch-Reise mit deiner Community zu teilen?

Ehrlich gesagt auch der Aufklärung zur Liebe, weil ich gerade bei dem Thema echt unnötige Kommentare abbekommen habe. Viele denken einfach nicht nach und verletzen dadurch andere. Der Kinderwunsch ist so ein großes Thema und kann nicht verallgemeinert werden. Viele schließen von sich auf andere und das ist nicht richtig. Auch bei diesem Thema war es außerdem nicht immer leicht, es zu verstecken. Dies habe ich zwei Jahre lang getan und es hat mir mehr Stress bereitet, als einfach alles offen und ehrlich zu kommunizieren.

8. Woher hast du den Mut genommen, diese persönlichen und sensiblen Themen mit einer breiten Community zu teilen? Wie waren die ersten Reaktionen als du deinen unerfüllten Kinderwunsch zum ersten Mal öffentlich kommuniziert hast?

Als ich selber mit mir im Reinen war, kam auch der Mut. Die Reaktionen waren alle sehr überrascht und liebevoll. Viele haben damit eben nicht gerechnet, weil ich noch sehr jung bin. Dabei gibt es für mich persönlich kein perfektes oder richtiges Alter.

9. Was können Außenstehende tun bzw. was sollten sie auf keinen Fall tun, wenn sie von einem unerfüllten Kinderwunsch erfahren?

Ungefragte Tipps können besser direkt sein gelassen werden, denn die führen oft zu nichts und vermitteln häufig ein Schuldgefühl. Genauso wie die ständigen Geschichten über die Nachbarn und Co. Ich weiß von meiner Community, dass gerade die oft verletzend sind.

Grundsätzlich helfen die banalsten Dinge: Zuhören, da sein, einfach mal in den Arm nehmen und auch ehrlich zugeben, wenn man mal nicht weiterweiß oder keine Antwort parat hat. Ich freue mich immer, wenn mein Gegenüber ehrlich ist. Auch wenn aus Interesse Fragen gestellt werden, um die Situation besser verstehen zu können. Und manchmal möchte man auch gar nicht über alles sprechen, auch das ist in Ordnung.

10. Wie gehst du mit dem emotionalen Auf und Ab bei der Kinderwunschbehandlung um? Wie handhabst du zum Beispiel das Interesse deiner Community, wenn du gerade eine Enttäuschung verarbeiten musst?

Oh je! Da habe ich noch keinen guten Umgang gefunden. Ich bin ja sehr ehrlich und gehe auch immer mal wieder zu einem Psychologen, das brauche ich auch. Grundsätzlich versuche ich, mir immer etwas Gutes zu tun und auf meinen Körper zu hören. Mache mir kleine Freuden, seien es Blumen oder ein Gang in den Wald mit unseren kleinen süßen Oskar.

Was Social Media angeht: Ich teile nichts, was ich nicht will – daher ist das für mich alles in Ordnung. Oft tun die lieben Nachrichten der Community sehr gut und bauen mich auf, das ist schön und dafür bin ich dankbar!

Liebe Anna, vielen Dank für das Interview.

 

Lena Krause

Ich lebe mit meinem kleinen Hund Lasse in Hamburg und bin dort immer gerne im Grünen unterwegs.

Auch wenn ich selbst noch keine Mama bin, gehören Babys und Kinder zu meinem Leben dazu. Meine Freundinnen machen mir nämlich fleißig vor, wie das mit dem Mamasein funktioniert und ich komme als „Tante Lena“ zum Einsatz.

Seit ich denken kann, liebe ich es, zu schreiben – und bei Echte Mamas darf ich mich dabei auch noch mit dem schönsten Thema der Welt auseinandersetzen. Das passt einfach!

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