An diesem Video scheiden sich die Geister: Kind „terrorisiert“ acht Stunden lang Fluggäste

Keine Frage: Ein durchdringend schreiendes Kind auf einem Langstreckenflug ist wirklich sehr, sehr anstrengend für die Insassen der Flugzeugkabine. Vor allem, wenn es das Kleinkind tatsächlich schaffen sollte, acht Stunden lang am Stück zu kreischen.

Als echte Zumutung empfand dies auch Shane Townley, der von Deutschland nach Newark in den USA flog. Er stellte ein Handyvideo ins Internet, das er auf dem Flug gefilmt hatte.

Darin ist zu sehen, wie ein Dreijähriger (laut Townley die ganzen acht Stunden, die der Flug gedauert hat) entweder wütend schreit, durchs Flugzeug rennt oder auf dem Sitz herumklettert und gegen die Kabinendecke haut. Dazu immer wieder eingeblendete Kommentare des entnervten Passagiers über das „dämonische Kind“.

Die Mutter des Kindes scheint nicht allzu viel zu unternehmen, um ihren Sohn zu beruhigen. Sie bittet ihn „Beruhige dich, Honey!“ und fragt die Flugbegleiterin, ob sie nicht das WiFi starten könnten, damit das iPad zum Laufen gebracht werden könnte. Doch am Ende funktioniert auch diese Ablenkungsmethode nicht.

Wie zu erwarten, scheiden sich an diesem Video die Geister – es wird fleißig kommentiert und leidenschaftlich diskutiert. Die eine Partei verurteilt das schlecht erzogene Kind und seine Mutter, die nichts unternimmt: Ein Klaps wäre jetzt genau richtig gewesen oder ein „lautes Bescheidsagen“. Die andere Seite gibt zu bedenken, dass der Junge vielleicht krank sei, Angst hatte….

Tja. Das Video lässt einen ein bisschen ratlos zurück. Zugegeben, wenn der Kleine tatsächlich ganze acht Stunden am Stück „Terror“ gemacht hat (kann man sich kaum vorstellen), wäre man als Passagier auch genervt.

Er hat vielleicht genervt, aber er ist doch ein Kind! Und zudem wissen wir doch gar nichts.

Vielleicht ist er tatsächlich „schlecht erzogen“, wahrscheinlich hätte die Mama tatsächlich wesentlich energischer reagieren sollen. Ihre Beruhigungs-Versuche (zumindest die, die im Video gezeigt werden!) sind sehr zögerlich und schwach.

Auf der anderen Seite kennen alle Mamas von Dreijährigen die Kraft und Ausdauer, die Kinder während eines Wutanfalls aufbringen können. Und man kann sich doch vorstellen, dass ein stundenlanger Flug in einer engen Kabine nicht gerade förderlich für die Laune eines Kleinkinds ist. Besonders, wenn es vielleicht sowieso viel Temperament hat. Vielleicht steckt wirklich eine Krankheit dahinter…

Nochmal: Wir wissen es nicht!

Hätte Shane Townley nicht lieber versuchen können, den Jungen abzulenken? Die Mama einfach mal fragen, ob sie Hilfe braucht? Anstatt fleißig zu filmen und sich dabei wahrscheinlich schon die passenden Kommentare zu den Bildern auszudenken?

Nochmal: Innerlich hätte ich ganz sicher auch geflucht! Aber Mama und Sohn so zu verurteilen – das ist nicht richtig, oder?

Laura Dieckmann

Als waschechte Hamburgerin lebe ich mit meinem Freund und unserer vierjährigen Tochter in der schönsten Stadt der Welt – Umzug ausgeschlossen! Bevor das Schicksal mich zu Echte Mamas gebracht hat, habe ich in verschiedenen Zeitschriften-Verlagen gearbeitet. Ich mag leckeres Essen, laute Rockmusik und ab und zu sogar ein bisschen Sport.

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