Älteste, Mittlere, Jüngste: Was die Geburtsfolge für deine Kinder bedeutet

Kennt ihr das auch? Meine Tochter wird für mich wohl immer „meine Große“ bleiben und mein Sohn „mein Baby“. Dass die Reihenfolge, in der Kinder geboren werden, sich aber nicht nur auf ihre Spitznamen auswirkt, sondern auch auf ihren Charakter, war mir bisher neu. Dabei macht es durchaus Sinn, dass älteste, mittlere und jüngste Kinder sich komplett verschieden entwickeln (können):

Das ist typisch für das älteste Kind

Wenn bei meiner Tochter sich etwas in den Kopf gesetzt hat, muss meistens alles exakt nach ihrem Plan laufen. Sie möchte zum Beispiel „Bibi und Tina“ nachspielen und weiß genau, wer wann was sagen bzw. machen soll. Und ganz ehrlich, manchmal kann das ganz schön anstrengend werden. Verwunderlich ist es allerdings nicht, wenn es nach Paarberaterin Susanne Büscher geht: „Älteste Kinder sind häufig perfektionistisch, es fällt ihnen schwer, Dinge aus der Hand zu geben“, erklärt sie gegenüber focus.de. Demnach müssen unsere Ältesten erst lernen, dass im Leben leider nicht immer alles nach Plan läuft.

Außerdem gehen Erstgeborene viele Dinge zu verbissen an. Sie wollen ihr Ziel um jeden Preis erreichen und setzen hohe Ansprüche an sich selbst – manchmal zu hohe.

So können wir unsere Erstgeborenen unterstützen

Im Gegensatz zu jüngeren Geschwistern haben unsere Erstgeborenen keine älteren Geschwister, von denen sie sich etwas abschauen können. Deshalb orientieren sich sich häufig an uns Eltern. Um unsere Großen zu unterstützen, rät die Expertin uns zu folgenden Dingen:

  1. Wir brauchen Geduld
    Um unserem Kind seine Unsicherheit zu nehmen, sollten wir uns Zeit für alle seine Fragen nehmen. Uns gemeinsam Alternativen überlegen, falls ein Plan mal nicht klappt – und unserem Kind erklären, dass leider nicht immer alles so läuft, wie wir uns das vorstellen.
  2. Es geht nicht immer ums Gewinnen
    Und genau das sollten wir unseren Erstgeborenen erklären. Wir sollten unsere eigenen Fehler zugeben und unserem Kind dadurch zeigen, dass es keine Katastrophe ist, wenn man etwas nicht schafft, oder es nicht läuft wie geplant.
  3. Exklusivzeit mit unserem Kind verbringen
    Ein Punkt, der im hektischen Alltag schnell untergeht, aber für unsere Erstgeborenen so wichtig ist: Wir sollten uns immer wieder Zeit nehmen, die wir allein mit ihnen verbringen. Exklusivzeit mit Mama und/oder Papa, in der es sich die Aufmerksamkeit nicht mit dem kleinen Bruder oder der Schwester teilen muss.
  4. Nicht zu viel Verantwortung aufbürden
    „Kannst du bitte kurz auf deinen kleinen Bruder aufpassen?“ Ich ertappe mich immer öfter dabei, wie ich meine große Tochter darum bitte. In Maßen ist das natürlich auch vollkommen in Ordnung. Wir sollten allerdings unbedingt darauf achten, nicht immer mehr Verantwortung an unser ältestes Kind abzugeben. Stattdessen kann es helfen, ihm wieder etwas abzunehmen und die jüngeren Geschwister zu bitten, die Aufgaben zu übernehmen.

So entwickeln sich (viele) Sandwichkinder

Mittlere Kinder haben es häufig schwer – oder zumindest fühlt es sich für sie so an. Sie dürfen oft noch nicht soviel wie der große Bruder oder die kleine Schwester, werden aber auch nicht mehr so betüdelt wie das kleinste Kind. Das kann dazu führen, dass Sandwichkinder sich überflüssig fühlen oder Schwierigkeiten haben, ihren Platz innerhalb der Familie zu finden. Soweit muss es aber nicht kommen! Denn wir Eltern können einiges tun, damit unsere Sandwichkinder sich besser fühlen.

Wie wir unseren Sandwichkindern helfen können

Unseren mittleren Kindern fehlt häufig das Gefühl, etwas Besonderes zu sein. Sie sind nicht „die Große“ und auch nicht „der Kleine“. Deshalb ist es wichtig, dass wir Eltern sie unterstützen und fördern. Ein paar kleine Tipps können da viel bewirken:

  1. Sehr genau zuhören
    Eigentlich sollte das selbstverständlich sein, aber ehrlich gesagt ertappe ich mich selbst auch (viel zu) oft dabei, dass ich nur mit halbem Ohr zuhöre, weil ich mit meinen Gedanken schon woanders bin. Genau das sollten wir Eltern aber möglichst vermeiden. Das gilt natürlich für alle unsere Kinder. Aber besonders für die Mittleren kann es eine zusätzliche Belastung sein, wenn sie denken, dass Mama ihnen nicht zuhört. Deshalb sollten wir uns Zeit nehmen, andere Dinge ausblenden und vor allem – nachfragen.
  2. Selbstbewusstsein stärken
    Für uns Eltern sind unsere Sandwichkinder natürlich genauso besonders wie die größeren und kleineren Geschwister. Und genau das sollten wir unseren Mittleren immer wieder sagen – und zeigen. Zum Beispiel, indem es uns (allein) begleiten darf, wenn wir kurz noch was einkaufen müssen. Indem wir zusammen ein Fotoalbum anschauen, in dem es genauso viele tolle Bilder von ihm gibt wie von seinen Geschwistern. Oder indem wir es in Entscheidungen mit einbeziehen, um zu zeigen, wie wichtig seine Meinung für uns ist.
  3. Kleine Privilegien schaffen
    Das mittlere Kind darf mit zum Brötchen holen, es darf entscheiden, welche Folge Peppa Pig abends beim Zähneputzen angeschaut wird, es darf sich zuerst ein Spielzeug aussuchen usw. Wir können unseren Sandwichkindern helfen, sich sicherer und besonderer zu fühlen, indem wir ihnen ab und zu kleine Privilegien einräumen. Das darf natürlich nicht dazu führen, dass die anderen beiden nichts mehr entscheiden dürfen und immer zurückstecken müssen. Aber ein kleines Extra zum richtigen Zeitpunkt kann viel bewirken.
  4. Exklusivzeit mit unserem mittleren Kind verbringen
    Was für die Großen gilt, ist auch für die Mittleren so wichtig: Exklusivzeit mit Mama (und Papa). Zeit die nur uns und unserem mittleren Kind gehört. In der wir das machen, wozu es Lust hat. Ohne dass die kleine Schwester dazwischenfunkt oder oder große Bruder irgendetwas besser kann. Diese Zeiten tun unseren Sandwichkindern unglaublich gut – und mal ehrlich, wir Mamas genießen sie das doch auch sehr, oder?
  5. Freundschaften unseres Kindes unterstützen
    Wie Susanne Büscher bei focus.de geschrieben hat, sind Freundschaften für Sandwichkinder besonders wichtig. Wenn sie das Gefühl haben, dass sie zuhause überflüssig sind oder nicht gebraucht werden, können Freundschaften ihnen sehr helfen. Deshalb ist es wichtig, dass wir diese Freundschaften fördern. Uns für die Freunde interessieren und sie auch gern mal einladen. Damit zeigen wir unseren Kindern, dass sie uns wichtig sind – und wir ihre Bedürfnisse ernst nehmen.

Nesthäkchen haben es oft zu leicht

„Ach, was soll’s, er/sie ist doch noch so klein.“ Kommt euch der Satz bekannt vor? Mir auch! Viele Eltern lassen ihrem jüngsten Kind deutlich mehr durchgehen als den älteren Geschwistern. Damit tun wir ihnen allerdings nicht unbedingt immer einen Gefallen. Gleichzeitig haben Nesthäkchen häufig das Gefühl, nichts erreichen zu können – denn die Größeren haben (fast) alles schon vor ihnen geschafft. Der Kleine kann laufen? Während das bei Kind Nummer eins bei uns Mamas zu tränenreichen Freudenausbrüchen führt, und wir vor Stolz fast platzen, ist die Euphorie bei Kind Nummer drei häufig schon deutlich abgeebbt. Das ist noch nicht einmal böse gemeint, wir haben es nur eben schon zwei Mal erlebt. Es ist also wichtig, unseren Jüngsten das Leben nicht ZU leicht zu machen, und ihnen gleichzeitig zu zeigen, wie wichtig sie uns sind.

Die besten Tipps, um unsere Nesthäkchen zu stärken

Unsere jüngsten Kinder haben es auf den ersten Blick meistens gut. Wir betüdeln sie stärker als die älteren Geschwister, schließlich sind sie ja „noch so klein“. Viele Dinge, die die Älteren sich hart erkämpfen mussten, gestehen wir unseren Kleinsten ganz von selbst zu. Außerdem neigen wir häufig dazu, ihnen Dinge abzunehmen, die sie eigentlich schon selbst machen könnten. Aber obwohl wir unseren Nesthäkchen damit helfen wollen, erreichen wir oft leider genau das Gegenteil. Deshalb sollten wir folgende Tipps berücksichtigen:

  1. Unserem Kind nicht zu viel abnehmen
    Natürlich möchten wir es unseren Kleinsten möglichst leicht machen. Ihnen Aufgaben abnehmen, Probleme für sie lösen und möglichst alles Unbequeme von ihnen fernhalten. Auf den ersten Blick helfen wir unseren Jüngsten damit sehr – auf den zweiten Blick leider nicht. Denn wir nehmen ihnen gleichzeitig die Chance, selbstständig zu werden. Sie müssen keine Entscheidungen treffen, sondern verlassen sich darauf, dass Mama das schon macht. Gleichzeitig lernen sie keine Grenzen kennen. Deshalb ist es wichtig, dass wir ihnen nicht mehr abnehmen als nötig – auch wenn es manchmal schwerfällt.
  2. Verantwortung übertragen
    Alles, was unser Nesthäkchen selbst schon kann, sollten wir es auch machen lassen, wann immer es geht. Und auch kleine Herausforderungen können nicht schaden. Wenn jedes Familienmitglied eine bestimmte Aufgabe im Haushalt hat, sollte das jüngste Kind auch eine (natürlich altersgerechte) bekommen. Dadurch lernt es, Verantwortung zu übernehmen.
  3. Keine Sonderrechte einräumen
    Auch wenn es manchmal schwerfällt, sollte unser jüngstes Kind keine Sonderrechte bekommen. Das heißt, wenn wir Familienregeln aufstellen, dann gelten sie für alle – auch für das Nesthäckchen. Wir bleiben am Tisch sitzen, bis alle fertig gegessen haben? Dann darf bitte auch der/die Kleinste nicht zwischendurch spielen gehen, weil er/sie ja schon fertig ist. Das ist übrigens nicht nur für unser jüngstes Kind wichtig, sondern auch für die älteren Geschwister. Denn so sehen sie, dass sich nicht immer alles um das Nesthäkchen dreht, und sie genauso wichtig sind.
  4. Leistungen würdigen
    Ganz wichtig: Wenn unser Kleinstes etwas Neues lernt, dann ist das ein Grund zur Freude. Und die sollten wir ihm auch deutlich zeigen. Nur weil schon zwei Kinder vor ihm krabbeln, sprechen, malen gelernt haben, macht das den Erfolg von Nummer drei nicht kleiner. Wir sollten seine Leistung genauso anerkennen, wie wir es bei unseren älteren Kindern getan haben und immer noch tun. Nur so können wir unseren Kleinsten das Gefühl geben, dass es genauso toll und wichtig ist wie seine älteren Geschwister – und dass wir genauso stolz auf das sind, was es geschafft hat.

Kein Kind ist wie das andere

Daran sollten wir Eltern immer denken. Wie sich ein Kind letztendlich entwickelt, hängt zu einem Großteil von unserer Erziehung ab, und von dem, was wir unseren Kindern vorleben. Deshalb ist es wichtig, jedes unserer Kinder genau zu beobachten. Aufmerksam zu sein für seine Gefühle, Wünsche und Bedürfnisse. Denn im Grunde wollen wir doch alle nur eins: Glückliche Kinder, die zu glücklichen und selbstbewussten Erwachsenen werden.

Wie ist es denn bei Euch: Bemerkt ihr auch, dass ihr eure Kinder unterschiedlich behandelt, weil sie die Großen, Mittleren oder Kleinen sind? Oder spielt das in eurer Familie keine Rolle? Erzählt doch mal!

Wiebke Tegtmeyer

Nordisch bei nature: Als echte Hamburger Deern ist und bleibt diese Stadt für mich die schönste der Welt. Hier lebe ich zusammen mit meinem Mann und unseren beiden Kindern. Ich liebe den Hafen, fotografiere gern, gehe gern zu Konzerten und zum Fußball. Bei Echte Mamas kann ich meine Leidenschaft für Social Media und Texte ausleben – und darüber freue ich mich sehr.

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