Chiara wurde mit 20 Jahren Mutter – und erfuhr erst vier Tage vor der Geburt, dass sie schwanger war. Weil sie sich immer wieder dafür rechtfertigen muss, erzählt sie hier ihre Geschichte.
„Ich war 20 Jahre alt, kurz vor meinem 21. Geburtstag, als ich erfahren habe, dass ich schwanger bin. Vier Tage später kam mein Baby zur Welt. Heute bin ich 26, mein Kind ist fünf Jahre alt – und manchmal fühlt es sich immer noch surreal an, wie alles begonnen hat.
Bis heute stoße ich auf ungläubige Gesichter, wenn ich erzähle, dass mir erst wenige Tage vor der Geburt klargeworden ist, dass ich schwanger war.
Wie soll denn sowas gehen? Es geht.
Damals ging ich noch zur Schule und stand kurz vor meinen Abschlussprüfungen für mein Fachabitur. Ich hatte immer wieder Blutungen, die ich für meine Periode gehalten habe. Bewegungen im Bauch habe ich als Darmaktivität abgetan, weil es sich wirklich ähnlich angefühlt hat. Ab und zu hatte ich Sodbrennen – ohne zu wissen, dass auch das ein typisches Schwangerschaftssymptom ist.

Chiara im 6. Monat ihrer Schwangerschaft (ohne es zu wissen).
Irgendwann, da muss ich schon im 8. Monat gewesen sein, fiel mir mein „Blähbauch” auf, der einfach nicht wegging. Ich hatte auch etwas zugenommen, insgesamt fünf Kilo, und schob es zunächst darauf. Dass ich schwanger sein könnte, habe ich erst durch ein Gespräch mit meiner Mama realisiert.
Ich schilderte ihr meine Beobachtungen und sie meinte irgendwann, ich solle vielleicht einfach mal einen Schwangerschaftstest machen. Gesagt, getan – und er war positiv. Ja, wirklich positiv, auch wenn viele behaupten, Tests würden am Ende der Schwangerschaft nicht mehr anschlagen.
Am nächsten Tag war ich mit meiner Schwester beim Frauenarzt.
Dort fiel dann der Satz: ‚Herzlichen Glückwunsch, Sie sind schwanger.‘ Es war bereits die 35. Woche. Es wurde ein Ultraschall gemacht, Blut abgenommen, ein CTG geschrieben – und in meinem Kopf war nur noch Chaos. Scheiße. Was mache ich jetzt? Wie sage ich das meinem Umfeld? Ich verließ die Praxis und mir liefen die Tränen übers Gesicht. Ich dachte nur: Ich? Ein Baby? Wie soll ich das schaffen? Ich kann dem Kind doch gar nichts bieten.
Die vier Tage zwischen Diagnose und Geburt erlebte ich einen wilden Mix der Emotionen. Ich musste es erst meiner engsten Familie sagen und hatte große Angst vor ihren Reaktionen. Gleichzeitig standen meine Abschlussprüfungen an, und weil ich nur noch eine Woche Zeit zum Lernen hatte, habe ich mich tatsächlich erst einmal darauf konzentriert. Ich konnte letztendlich nicht an den Prüfungen teilnehmen, weil mein Baby entschied, genau dann zur Welt zu kommen. Ich durfte sie zum Glück nach dem Mutterschutz nachschreiben – und habe mein Fachabitur am Ende trotzdem geschafft.
An den Tag der Geburt erinnere ich mich ganz genau.
Morgens habe ich noch zwei Stunden Mathe im Online-Unterricht mitgemacht. Danach hatte ich Freistunden und habe mit meiner Mama und meinem Bruder auf der Terrasse gefrühstückt. Als ich später wieder Unterricht gehabt hätte, ging es mir nicht gut. Ich habe mich hingelegt, die Schmerzen wurden stärker. Ich war alleine und habe meine Schwester und meine Mama angerufen, damit sie kommen.
Meine Schwester war zuerst da, hat mich beruhigt und nebenbei eine Kliniktasche mit dem Nötigsten gepackt. Kurz darauf kam meine Mama. Als es immer schlimmer wurde, haben wir einen Rettungswagen gerufen. Zwischen Einlieferung und Geburt lag genau eine Stunde.
Während der Geburt gingen mir tausend Gedanken durch den Kopf.
Ich habe es noch gar nicht allen gesagt. Was mache ich hier eigentlich? Alle reden vom Veratmen – wie geht das? Warum bekommen manche Menschen mehr als ein Kind bei diesen Schmerzen? Und die wichtigste Frage überhaupt: Was ist, wenn ich jetzt Stuhlgang habe? Ist das peinlich? Die Geburt selbst war – wie die vier Tage davor – unglaublich schnell, aber rückblickend auch sehr schön. Als ich mein Kind im Arm hielt, war alles andere vergessen. Noch im Kreißsaal habe ich meine Großeltern angerufen und ihnen gesagt, dass sie Urgroßeltern geworden sind.
Im Krankenhaus hatte ich außerdem eine tolle Bettnachbarin, die mich unterstützt hat und mir sogar Dinge geschenkt hat, zum Beispiel ein Stillhemd. Diese kleinen Gesten haben mir unglaublich viel bedeutet.
Realisiert, dass ich Mama bin, habe ich in dem Moment, als ich mein Kind das erste Mal im Arm hatte.
Ich habe ihn direkt angelegt, und es war einfach ein warmes, intensives Gefühl. Ich wollte immer Kinder, nur eigentlich zu einem späteren Zeitpunkt. Aber ändern konnte man es ja nicht mehr und eines war mir sofort klar: Mein Baby kann nichts für diese Situation. Ich schaffe das. Für ihn und für mich. Er hat das beste Leben verdient.

Chiara im 9. Monat ihrer unbemerkten Schwangerschaft. Foto: Privat
Ich lebte zu dieser Zeit in einer sehr kleinen Ein-Zimmer-Wohnung.
Als ich nach der Geburt drei Tage im Krankenhaus war, hat meine Familie im Hintergrund alles organisiert. Aus dem Krankenhaus konnte ich direkt zu meiner Mutter ziehen. Sie hatten mir ein wunderschönes Zimmer vorbereitet. Dort habe ich drei Monate gewohnt, bevor ich mit meinem Kind in eine größere Wohnung gezogen bin.
Ich habe mein Fachabitur im Bereich Sozialpädagogik gemacht. Begriffe wie Bindungstheorien, Entwicklungsprozesse oder Erziehung waren mir also nicht fremd, hatten aber plötzlich einen sehr realen Praxisbezug. Also habe ich gelernt, viel mit meiner Familie gesprochen und wir haben gemeinsam überlegt, wie es weitergehen kann und welche Unterstützung mir zur Verfügung steht. Mit dem Vater des Kindes war ich nicht zusammen, wir haben es später versucht, uns aber vor drei Jahren getrennt.
Surreal war es, meinen Freunden davon zu erzählen.
Viele konnten es zuerst nicht glauben. Aber auch von ihnen habe ich direkt Unterstützung bekommen. Die Anfangszeit mit Baby war hart – aber wir haben es gemeistert. Wir sind ein richtig gutes Team geworden.
Heute geht es mir als Mama wirklich gut. Ich bin angekommen. Wir leben in einem guten Umfeld, mein Kind geht gerne in die Kita und kommt dieses Jahr in die Schule. Ich kann mir ein Leben ohne ihn gar nicht mehr vorstellen. Durch ihn habe ich mich unglaublich weiterentwickelt, und ich bin unendlich stolz darauf, was wir gemeinsam geschafft haben.
Wenn das hier eine Frau liest, die gerade von ihrer ungeplanten Schwangerschaft erfahren hat, möchte ich ihr gerne sagen:
Hol dir Unterstützung, nimm Hilfe an. Für den Anfang braucht es nicht viel und schon gar nichts Teures. Ein Baby interessiert sich nicht für den Preis. Gebrauchte Sachen reichen völlig. Liebe Mamas, vergesst euch selbst nicht, kümmert euch auch um euch. Seid nicht zu kritisch mit euch. Die Liebe, die ihr gebt, kommt irgendwann doppelt und dreifach zurück.”
Liebe Chiara, vielen Dank, dass wir deine bewegende Geschichte erzählen durften. Wir wünschen dir und deiner Familie alles Liebe für die Zukunft!
Mehr zu Chiara erfahrt ihr bei Instagram: chiaramomlife
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