„Meine Schwiegereltern wollten mich zur Abtreibung zwingen“

Als Steffi während der Schwangerschaft erfährt, dass ihr Sohn eine körperliche Behinderung hat, weiß sie sofort: Sie wird das Kind bekommen! Ihre Schwiegereltern sind damit allerdings gar nicht einverstanden:

„Mein damaliger Mann und ich haben 2014 geheiratet. Im gleichen Jahr wurde unser erster Sohn geboren. Rund zwei Jahre später war ich erneut schwanger, wieder mit einem kleinen Jungen.

In der 12. SSW stellte sich beim Ultraschall heraus, dass mein Baby mit einer offensichtlichen körperlichen Einschränkung zur Welt kommen wird.

Ich war natürlich geschockt.

Auf der anderen Seite hatte ich eine Professorin mit derselben Behinderung. Deshalb wusste ich, dass das Kind seinen Weg finden wird, wenn das die einzige Auffälligkeit ist. Außerdem habe ich vor meinem Studium in einer Behinderteneinrichtung gearbeitet. Darum war das Thema für mich nicht neu.

Also habe ich direkt angefangen, Kontakt zu anderen Betroffenen aufzubauen und auch zu der Professorin. Für mich war sofort klar: Solange mein Kind keine schweren Einschränkungen hat, und sein Leben möglichst selbstständig leben kann, wird es auf die Welt kommen.

Mein inzwischen Ex-Mann und meine Schwiegereltern sahen das anders.

Für meinen Mann war damals klar, dass es ’so etwas‘ in seiner Welt nicht gibt. Denn Menschen mit Behinderungen oder Einschränkungen haben in seinem Umfeld nie eine Rolle gespielt.

Dementsprechend hat er mit Ablehnung und Überforderung auf die Schwangerschaft reagiert. Ich habe keinerlei Unterstützung von ihm bekommen. Hatte aber immer die Hoffnung, dass sich das ändert, wenn das Kind auf der Welt ist.

Dann standen plötzlich meine Schwiegereltern unangekündigt bei mir im Wohnzimmer. Sie gaben mir unmissverständlich zu verstehen, dass dieses Kind nicht auf die Welt zu kommen hat.

Ihre deutliche Aussage dazu:

‚Wenn der Mann das Kind nicht will, hat die Frau es nicht zu bekommen.‘

Sie erklärten mir, dass 500.000 Frauen pro Jahr abtreiben würden – dann könne ich das doch auch. Sogar nach einem Medikament, um den Abbruch durchzuführen, hatten sie schon recherchiert.

Zu dem Zeitpunkt war mein Mann nicht zuhause. Ich war natürlich völlig geschockt und überfordert. Ich habe dann meinen Vater angerufen und eine Freundin, damit sie sich um meinen älteren Sohn kümmert.

Ich bin sehr froh, dass die beiden mich in der Situation unterstützt haben. Mein Vater kann das bis heute nicht vergessen, war aber immer auf meiner Seite.

Auch meine Gynäkologin war eine unfassbar große Stütze in der Schwangerschaft und hat mich immer bestärkt.

Heute bin ich sehr froh, dass ich mich nicht habe beirren lassen.

Mein Sohn wird in diesem Jahr 10 Jahre alt. Er ist beliebt, klug, ein toller Mensch und ein guter Schwimmer. Er ist so wertvoll wie jeder andere Mensch! Ich habe meine Entscheidung nicht eine Sekunde bereut.

Meine Schwiegermutter spricht noch immer davon, dass das Jahr nach seiner Geburt das schlimmste Jahr ihres Lebens war. Dabei haben sie sich nie wirklich gekümmert. Sie und ihr Mann schämen sich bis heute dafür, dass mein Sohn so ist, wie er ist.

Mit ihm ein Lokal zu besuchen und öffentlich aufzutreten, ist für die beiden undenkbar.

Das war es zumindest, denn ich habe vor vier Jahren den Kontakt abgebrochen.

Deshalb kann ich nicht sagen, wie sie heute über meinen Sohn denken.

Von meinem Mann habe ich mich ebenfalls getrennt. Er hat sein Kind immerhin so angenommen, wie es war. Allerdings hat unser Sohn von sich aus entschieden, dass er aktuell keinen Kontakt zu seinem Vater möchte.

Auch der Kontakt zwischen meinem Ex-Mann und mir ist schwierig und besteht nur wegen der Kinder.

Heute bin ich alleinerziehende Mama von 3 Kindern – und das ist gut so!

Allen Frauen in einer ähnlichen Situation möchte ich sagen: Lasst euch nicht beirren! Es ist euer Körper und eure Entscheidung. Ob ihr euch für das Kind entscheidet oder dagegen – ihr schafft das! Denn wir sind stark!“

Liebe Steffi (richtiger Name ist der Redaktion bekannt), vielen Dank, dass wir Deine Geschichte teilen durften. Wir wünschen dir und deinen Kindern alles Liebe!

Jetzt sind wir neugierig: Wie ist dein Verhältnis zu deinen Schwiegereltern? Versteht ihr euch gut – oder vielleicht gar nicht? Oder hast du vielleicht auch eine Geschichte dazu?

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Wiebke Tegtmeyer

Nordisch bei nature: Als echte Hamburger Deern ist und bleibt diese Stadt für mich die schönste der Welt. Hier lebe ich zusammen mit meinem Mann und unseren beiden Kindern. Nach meinem Bachelor in Medienkultur, einem Volontariat und einigen Jahren Erfahrung als (SEO-)Texterin bin ich passenderweise nach meiner zweiten Elternzeit bei Echte Mamas gelandet. Hier kann ich als SEO-Redakteurin meine Leidenschaft für Texte ausleben, und auch mein Herzensthema Social Media kommt nicht zu kurz. Dabei habe ich mich in den letzten Jahren intensiv mit dem Thema Ernährung von der Schwangerschaft über die Stillzeit bis hin zum Babybrei beschäftigt. Und wenn ihr auf der Suche nach einem Vornamen für euer Baby seid, kann ich euch garantiert passende Vorschläge liefern. Außerdem nutze ich die Bastel-Erfahrungen mit meinen beiden Kindern für einfache DIY-Anleitungen. Wenn der ganz normale Alltags-Wahnsinn als 2-fach Mama mich gerade mal nicht im Griff hat, fotografiere ich gern, gehe meiner Leidenschaft für Konzerte nach oder bin im Volksparkstadion zu finden.

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