Leben

Apps für Kleinkinder: Eine gute Idee?

© Echte Mamas

Kleinkinder und digitale Medien sind so eine Sache. Irgendwie fühlt sich niemand so recht wohl dabei, seinem drei- oder vierjährigen Kind ein Handy oder Tablet in die Hand zu geben. Viele fragen sich, ob das Spielen mit Apps im Kleinkindalter möglicherweise sogar eine Gefahr für die geistige Entwicklung darstellt.

Andererseits gibt es so viele tolle, niedliche Spiele, die eigentlich doch gar nicht so schlimm sein können, oder? Und mal ehrlich: Ist es nicht manchmal auch schön, den kleinen Liebling 15 Minuten beschäftigt zu wissen?

Wir haben den Erziehungswissenschaftler und Pädagogen Dr. phil. Detlef Scholz gefragt, was für und gegen die Nutzung von Apps durch Kleinkinder spricht. Als erster Vorsitzender des Fachverbandes Medienabhängigkeit e.V. und Systemischer Berater und Therapeut hat er sich mit diesem Thema intensiv beschäftigt.

Echte Mamas: Was spricht dafür bzw. dagegen, dass Kinder unter vier Jahren überhaupt mit Apps spielen?

Detlef Scholz: Im Grunde spricht nichts dagegen, wenn es eine Möglichkeit ist, dass Eltern gemeinsam spielerisch gestaltete Zeit mit dem Kind verbringen. Dabei sollte der Fokus mehr auf dem Kind liegen als auf einer App. Und das fällt manchmal schwer.

Wenn Kinder Apps für sich als Freizeitgestalter entdecken, könnte ihr eigener kreativer und produktiver Entdecker- und Lerndrang geringer werden.

Aus lernpsychologischer Sicht gibt es nichts, was für eine frühe Nutzung von Apps spricht.“

Echte Mamas: Wenn Eltern sich trotzdem dafür entscheiden, dass ihre Kleinkinder Apps nutzen dürfen, worauf sollten sie bei der Auswahl der Spiele achten?

„Apps sollten immer nur Hilfsmittel für weitgehend selbstständig zu gestaltende Spiel- oder Erkundungssituationen sein. Wenn eine App dazu dient, der Natur noch intensiver auf die Spur zu kommen, ist das sicher günstiger, als eine Murmel-App, bei der eine virtuelle Kugel durch Wischen bewegt werden muss.“

Echte Mamas: Was ist das richtige Maß in Hinblick auf Dauer und Häufigkeit?

Dauer und Häufigkeit richten sich nach den individuellen Gegebenheiten. Wie intensiv werden inner- und außerfamiliäre Kontakte gepflegt? Wofür interessiert sich das Kind besonders? Wie gut und in welcher Form wurden die bisherigen Entwicklungsaufgaben bewältigt?“

Echte Mamas: Welche Risiken oder auch Chancen stellen geeignete Apps für die geistige Entwicklung dar? 

Entscheidend ist die selbstbestimmte und sinnvolle Nutzung von Apps. Das kann auch mal Spielen mit Entspannungsfaktor oder Wettbewerbscharakter sein.

Aber immer in dem Bewusstsein, dass es auch andere Möglichkeiten zum Entspannen oder Kräftemessen gibt und dem Gefühl dafür, wann es genug ist.

Wenn Erkenntnisprozesse durch Apps unterstützt werden können, sind sie ein wunderbares zeitgemäßes Hilfsmittel. Im Kleinkindalter muss die Nutzung maßgeblich durch die Eltern gesteuert werden.“

Zusammengefasst heißt das: Apps sind nicht per se schlecht für die Kleinen, sollten aber stets als gemeinsames Spiel gespielt, also von den Eltern begleitet werden. Um die Kinder zu „parken“ sind sie auf jeden Fall nicht geeignet.

Apps sollten stets auch nur eine von vielen Möglichkeiten sein, gemeinsame Zeit zu verbringen. Wählt Apps für eure Kinder außerdem danach aus, ob sie ihnen beim Spielen einen Aha-Effekt bescheren.

Foto: Carl-Auer Verlag

Wenn du mehr über das Thema Mediennutzung in der Familie erfahren möchtest, findest du in Detlef Scholz’ Buch „Familie – Entspannter Umgang mit digitalen Medien“ weitere Informationen. Im Fokus stehen vor allem die Entwicklung und die Bedürfnisse der Kinder in Hinblick auf die Mediennutzung, aber auch die Frage, wie wir als Eltern ein Vorbild in diesem Bereich sein können.