„Zur Strafe legte ich meinen Kindern eine Rute in den Stiefel.”

„Nikolaus steht vor der Tür und damit werde ich schmerzlich an einen meiner größten Fehltritte als Mutter erinnert. Vielleicht ist meine Geschichte eine gute Warnung für andere Eltern, es niemals so zu machen wie ich, denn ich schäme mich bis heute dafür.

Es ist mittlerweile zwei Jahre her, meine Kinder waren damals vier und fünf Jahre alt.

Sie waren damals wirklich unerträglich, haben sich dauernd nur gestritten und sich ständig gehauen. Unser Kindergarten hatte wegen Corona geschlossen und sie waren total überdreht, obwohl ich mir wirklich Mühe gegeben habe, sie zuhause gut zu beschäftigen. Den ganzen Tag über wurde gezankt und meine Ablenkungsmanöver ebenso wie meine ständigen Ermahnungen gekonnt überhört.

Zuerst fiel mein Sohn vom Sofa, auf dem er unerlaubterweise herumhüpfte, während ich seiner kleinen Schwester auf der Toilette half. Ihm ist zum Glück nichts passiert, er hatte nur eine kleine Beule, aber das Geschrei war natürlich groß. Ich tröstete ihn, ermahnte aber auch beide, dass der Nikolaus unartigen Kindern nur eine Rute bringt. Ja, ich weiß, das war an dieser Stelle schon keine pädagogische Glanzleistung, aber ich war mit meinem Latein am Ende.

Leider hat es keinen der beiden langfristig beeindruckt, zur Schlafenszeit rannten sie schon wieder kreischend durchs ganze Haus.

Sie ignorierten sowohl mich als auch ihren Vater, der inzwischen nach Hause gekommen war. Es passierte, was passieren musste: Mitten in der Toberei ging die Vase meiner verstorbenen Mutter zu Bruch. Es handelt sich dabei um ein Familienerbstück, das ihr sehr viel bedeutet hatte. Auch die Kinder wussten, dass sie mit der Vase vorsichtig sein müssen.

Sie stand eigentlich immer außer Reichweite, aber ich musste beim Putzen vergessen haben, sie oben ins Regal zurückzustellen, wo die Kinder sie nicht erreichen können. In dem Moment als ich die Scherben sah, brannte mir eine Sicherung durch. Ich schrie die beiden an, die sich daraufhin verdutzt ins Bad begaben und sich endlich von Papa bettfertig machen ließen. Normalerweise würde ich mich nach so einem Ausbruch schnell wieder beruhigen, mich bei den Kindern dafür entschuldigen, aber nicht dieses Mal.

Ich weinte im Wohnzimmer und war so wütend und traurig wegen der Vase.

Ich kann es gar nicht richtig erklären, woher der Groll kam, den ich plötzlich empfand. Wahrscheinlich war ich einfach total erschöpft und mit den Nerven am Ende. Als mein Blick auf die Stiefel fiel, die meine Kinder für den Nikolaus bereitgestellt hatten (selbstverständlich nicht ohne darüber zu streiten, wo welcher Stiefel aufgestellt wurde), war ich wild entschlossen, ihnen eine Lektion zu erteilen.

Ich ging raus und pflückte einen Stock, den ich beiden in den Stiefel steckte. Eigentlich hatte ich geplant Süßigkeiten, Malbücher und CDs in die Stiefel zu stecken, aber ich war so wütend, dass ich ihnen die Freude nicht gönnte.

Mein Mann war entsetzt, als er die Stöcke in den Stiefeln bemerkte.

Doch ich ließ mich nicht mal davon überzeugen, wenigstens ein paar Süßigkeiten dazuzulegen. Mit einer grimmigen Entschlossenheit legte ich mich ins Bett. Die Kinder waren am nächsten Morgen schon besonders früh wach. Kein Wunder, sie waren aufgeregt, es war schließlich Nikolaus. Als ich ihre nackten kleinen Füßchen hörte, wie sie die Treppe runterliefen, um nach ihren Stiefeln zu sehen, wurde mir ganz schlecht.

Mit schweren Herzen ging ich den beiden hinterher. Sie standen entsetzt vor den leeren Stiefeln und ihre Augen füllten sich mit Tränen. Beide weinten den ganzen Morgen vor Enttäuschung und mein Mann strafte mich mit wütender Missachtung, während er versuchte, die Kinder zu trösten.

Er musste nichts sagen, ich schämte mich schon so genug.

Ich war mit dieser Aktion eindeutig über das Ziel hinausgeschossen und kam mir selbst sehr grausam vor. Wie hatte ich nur so hart sein können? Mein Gott, es waren schließlich kleine Kinder – meine Kinder. Im Kindergarten fragte die Erzieherin natürlich als Erstes, was der Nikolaus denn gebracht hätte. Ich wurde knallrot und hielt den Blick gesenkt, als mein Sohn mit tränenerstickter Stimme verkündete, dass er nur eine Rute bekommen hätte. Den Blick, den mir die Erzieherin zuwarf, wünsche ich wirklich niemandem.

Zuhause holte ich schnell die Süßigkeiten und die kleinen Geschenke aus ihrem Versteck und verteilte sie in den Stiefeln der Kinder. Als sie nachmittags nach Hause kamen, war die Freude groß. ‚Da habt ihr wohl noch mal Glück gehabt und der Nikolaus wollte euch nur einen kleinen Denkzettel verpassen‘, murmelte ich zerknirscht. Den schrecklichen Morgen und die Enttäuschung der Kinder werde ich trotzdem nie mehr vergessen.”


Liebe Claudia, vielen Dank, dass du uns deine Geschichte anvertraut hast. Wir wünschen dir alles Liebe für die Zukunft!

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Lena Krause
Ich lebe mit meinem kleinen Hund Lasse in Hamburg und übe mich als Patentante (des süßesten kleinen Mädchens der Welt, versteht sich). Meine Freundinnen machen mir nämlich fleißig vor, wie das mit dem Mamasein funktioniert. Schon als Kind habe ich das Schreiben geliebt – und bei Echte Mamas darf ich mich dabei auch noch mit so einem schönen Thema befassen. Das passt einfach!

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MomOfFour
MomOfFour
5 Monate zuvor

Kenne das. 😮‍💨 Dauernd Streit, prügeleien, wildes unerlaubtes toben, Spielzeug überall und einfach nichts von dem tun was sie sollen…
Oft stand ich auch schon kurz vor einer Nikolaus- rutenaktion aber zum Glück hab ich mir diesen outcome genauso vorgestellt und wusste dass damit niemandem geholfen wäre. Leider.🥴