Windelrecycling mit Pampers – kann man benutzte Windeln wirklich recyceln?

Neulich war ich auf dem Deutschen Nachhaltigkeitspreis zu Gast und habe viele Vorträge zum schrecklichen Zustand unserer Erde gehört – und zum Glück noch mehr mutmachende Versuche von Unternehmen, dagegen zu steuern. Denn wenn man ganz ehrlich ist, klar können wir alle auf Strohhalme verzichten, aber fast noch wichtiger ist, dass die Unternehmen, die Milliarden Produkte herstellen, sie so entwickeln, dass sie in einem Kreislauf wiederverwertet werden können. Auch Windelrecycling bei Pampers war ein Thema.

Windelrecycling – oder doch besser gleich Stoffwindeln?

Als Mama haben mich am meisten die Infos zum Thema Windelrecycling interessiert. Jede von uns weiß, wie unglaublich der Müllberg wächst, wenn man ein Baby bekommt. Allein der Windelverschleiß jeden Tag! 5000 Windeln braucht ein Kind im Schnitt, bis es trocken ist. Und hat man nicht schon gelesen, dass eine Windel über 400 Jahre braucht, um zu verrotten? Sind da Stoffwindeln nicht die bessere Alternative?

„Das ist nicht unbedingt die bessere Lösung“, so Nicolas Defauw, CFO P&G Global Baby and Feminine Care, mit dem ich mich über das Thema unterhalten habe. „Die Umweltbelastung durch den Energie-, Wasser- und Waschmittelverbrauch ist in etwa gleich. Denn da die Stoffwindeln mit Urin und Stuhl vollgesogen sind, waschen die meisten Familien sie bei mindestens 60°C.“

Kann man benutzte Windeln wirklich recyceln?

P&G ist es ein großes Anliegen, dass die Produkte, die sie herstellen wieder einem Kreislauf zugeführt werden. Vor allem, wenn es sich um solche Einmal-Produkte wie Windeln handelt, die nach wenigen Stunden Benutzung weggeschmissen werden.
Seit über einem Jahr testen sie daher Amsterdam ihr Windelrecycling Projekt. Die Technology stammt aus Italien. Dort hat FaterSmart, ein Joint Venture von P&G mit dem Pharmaunternehmen Angelini, eine einzigartige Windelrecycling Technologie entwickelt. Eine erste Anlage steht bereits in Treviso in der Nähe von Venedig. Dabei wird der Windelmüll von der Stadt eingesammelt. Die Windeln werden dann von FaterSmart vor Ort in ihre Bestandteile zerlegt, wie etwa Zellulose, Plastik und absorbierendes Material.
Aus der Zellulose und dem absorbierenden Material kann zum Beispiel Katzenstreu entstehen, aus dem Plastik Wäschekörbe oder Verpackungen. In Amsterdam wird einem Pilotprojekt das Einsammeln von Windeln extra dafür aufgestellten Windelcontainern getestet. 

Pampers Sammel-Container

Pampers Windelcontainer in Amsterdam

Und warum gibt es das Windelrecycling von Pampers noch nicht in Deutschland?

„Wir sind bereit,“ so Nicolas Defauw, „aber wir brauchen die gesetzlichen Rahmenbedingungen und müssen die Container aufstellen dürfen. Wir brauchen Verträge mit den Entsorgungsunternehmen der Kommunen. Wir brauchen Firmen, die uns das recycelte Material abnehmen und daraus neue Produkte herstellen. Und wir müssen die Anwohner über die Stadtverwaltung kontaktieren dürfen um sie zu informieren, sonst weiß ja niemand, wozu die Container da sind.“

Die Erfahrungen, die P&G zum Beispiel in Amsterdam macht, lassen auf jeden Fall hoffen: Ein Viertel der informierten Anwohner hat positiv auf die Ankündigung reagiert, und von diesen 25% benutzen 95%(!!) die Windelrecycling-Container regelmäßig. „Und zwar, weil sie wirklich der Umwelt helfen wollen“, so Nicolas Defauw. „Man öffnet den Container mit einer App, und wenn man seinen Windelmüll hineingeschmissen hat, wird man je nach Nutzung mit einem Coupon belohnt. Aber die Menschen nutzen die Coupons gar nicht stark. Wir dachten, wir brauchen das, um die Menschen zur Benutzung zu animieren, aber offensichtlich ist ihnen das nicht so wichtig. Sie finden das Windelrecycling von Pampers gut, weil sie damit die Umwelt retten.“

Baby mit Pamperswindel

Etwa 5000 Windeln verbraucht ein Baby, bis es trocken ist. Foto: Bigstock

Sind „Bio-Windeln“ nicht besser?

Aber würde man der Umwelt nicht mehr helfen, wenn man einfach mehr an Windeln forschen würde, die aus natürlichen Materialien hergestellt sind und verrotten? „Wenn das die Lösung wäre, wären wir schon viel weiter. Aber man darf menschliche Exkremente, ob sie nun aus einer Babywindel stammen oder sich in einer Erwachsenen-Windel befinden, nicht einfach in der Biotonne entsorgen und danach kompostieren. Das regelt so der Gesetzesgeber. Aus gutem Grund: Menschlicher Stuhl kann Viren oder Medikamente enthalten, und das möchte man nicht im Kompost oder noch bedenklicher in der Nahrungskette wiederfinden. Eine einzige dreckige Windel in der braunen Tonne ruiniert den ganzen Wiederverwertungsvorgang. Die Menschen handeln aus guter Intention, sie denken, die Windel ist Bio, kompostierbar, der Babystuhl darin ist ja auch natürlich – fast wie Lebensmittelreste! Aber das ist wirklich fatal. Mittlerweile gibt es ganze Aufklärungskampagnen, dass man um Himmels Willen die Windeln nicht in die braune Tonne schmeißen soll.

Wir forschen natürlich auch daran, denken in alle Richtungen, und geben sehr viel Geld aus, um neue Wege zu finden. Sicher hat sich P&G als Unternehmen verpflichtet, auf die Menschen und Umwelt zu achten. Aber in dem Unternehmen arbeiten auch Menschen, Eltern – niemandem von uns ist es egal, wie die Welt aussieht, in der unsere Kinder einmal leben werden.“

Nicolas Defauw, CFO P&G Global Baby and Feminine Care,

Nicolas Defauw, CFO P&G Global Baby and Feminine Care

 

Vitesse Schleinig

Aus der Münchner Verlagswelt kam ich vor rund zehn Jahren in die Hamburger Online-Welt, wo ich seither texte, was die Tastatur hergibt. Das Leben mit meinem Mann und unserem 3-Jährigen nehme ich mit Humor, Liebe – und viel Yoga. Und ich bin überzeugt, dass aus willensstarken Kindern großartige Erwachsene werden. Ganz bestimmt!

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