„Wieso ich meinem Mann eine offene Ehe vorgeschlagen habe“

„Ich bin Anita, Mama einer kleinen Tochter und seit vier Jahren verheiratet. Vor ein paar Wochen habe ich meinem Mann erlaubt, mit anderen Frauen zu schlafen. Wie es dazu kam, möchte ich hier erzählen.

Als mein Mann und ich uns kennenlernten, waren wir mitten im Studium. Wir sind beide sehr freiheitsliebend und hielten nichts von Stereotypen. Unsere Kennenlernphase war unglaublich intensiv: Ich hatte das Gefühl endlich einen Seelenverwandten gefunden zu haben. Auch körperlich war die Anziehung groß, wir verbrachten ganze Wochenenden im Bett – frei von Verantwortung und völlig unbesorgt.

Ein gutes Sexleben war uns beiden immer wichtig.

Wir probierten einiges aus und sprachen offen über unsere Wünsche und Vorlieben. Wenn Freundinnen mir von ihrer Unlust berichteten, hatte ich kein wirkliches Verständnis, insgeheim hielt ich sie für verklemmt. Wie oberflächlich von mir! Denn inzwischen weiß ich, dass viele Gründe hinter einer Flaute im Bett stecken können.

Von denen ahnte ich allerdings noch nichts, als bei uns beiden der Wunsch nach einer eigenen Familie entstand. Schon wenige Monate später war ich schwanger. Wir waren beseelt, hätten glücklicher nicht sein können. Trotzdem merkte ich schnell: Ich gehörte nicht zu den schwangeren Frauen, die ständig Lust auf Sex haben. Vorher hatten wir noch Witze darüber gemacht, was für eine liebeshungrige Schwangere ich sein würde, aber die Realität sah ganz anders aus: Während der kompletten Schwangerschaft hatten wir keinen Sex und plötzlich steckten wir selbst mitten in einer Sex-Flaute!

Schlafmangel und Stress taten ihr Übriges

Ich fühlte mich in dieser Zeit einfach überhaupt nicht erotisch und noch dazu gab es so viel zu tun bis zur Geburt. Als unser Wunder dann auf der Welt war, verstärkte sich das noch. Ich fand es schwieriger als gedacht, mich in meine neue Rolle als Mama einzufinden und der Schlafmangel tötete restlos jedes Verlangen nach Intimität mit meinem Ehemann. Leider sah das bei ihm ganz anders aus.

Während der Schwangerschaft und in der ersten Zeit nach der Geburt nahm er das Scheitern seiner Verführungsversuche noch relativ gelassen hin. Doch als unsere Tochter etwa ein halbes Jahr alt war, spürte ich, dass seine Frustration zunahm. Ich fühlte mich schlecht, weil ich ihn so oft abwies, aber ich hatte einfach keinerlei Lust auf Sex. Dieses Ungleichgewicht sorgte für Spannungen in allen Bereichen unserer Beziehung. Als Eltern funktionierten wir weiterhin, aber als Paar stritten wir viel.

Mein Mann wünschte sich unser altes Sexleben zurück

Mein Mann fühlte sich als Person abgelehnt, ihm fehlte die intime Nähe zwischen uns. Er wünschte sich das Sexleben zurück, dass wir vor meiner Schwangerschaft geführt hatten. Ich konnte ihn gut verstehen, schließlich hatte ich diese Bedürfnisse früher mit ihm geteilt. Doch als Mama hatte ich einfach keine Lust mehr auf Sex, egal wie sehr ich mir wünschte, dass es anders wäre. Irgendwann war die Situation zwischen uns so angespannt, dass ich keinen Ausweg mehr sah. Ich liebte meinen Mann nach wie vor, merkte aber, dass wir uns immer mehr voneinander distanzieren würden, wenn sich nicht schnell etwas änderte.

Ich las in dieser Zeit viel in Internetforen über Beziehungsprobleme und über sexuelle Unlust in einer langjährigen Partnerschaft. Immer wieder stieß ich dabei auf Beiträge, die sich mit einer offenen Beziehung befassten. Manche Paare berichteten davon, dass dieses Konzept ihre Beziehung beflügelt hätte oder ihr sogar aus einer tiefen Krise geholfen habe. Es erschien mir unfair meinem Ehemann etwas zu versagen, nur weil ich nicht bereit dazu war, es zu geben. Hinzu kam meine Angst, dass unsere Streitigkeiten endgültig eskalieren, wenn wir keine Lösung finden würde.

Er fragte mich, ob ich die Trennung wollen würde

Deswegen habe ich meinen ganzen Mut zusammengenommen und das Gespräch mit meinem Partner gesucht. Er schien erleichtert, dass ich seine Frustration nachvollziehen konnte und auch mich befreite es, unsere Flaute im Bett und die Enttäuschung darüber offen auszusprechen. Das hatten wir uns schließlich beide mal ganz anders ausgemalt. Als ich meinem Ehemann dann jedoch das Angebot machte, dass er mit anderen Frauen schlafen kann, wenn er möchte, war er wie vor den Kopf geschlagen. Er fragte mich, ob ich mich trennen wollte und ob er mir egal sein. Dass eher das Gegenteil der Fall ist, habe ich versucht, ihm zu erklären.

Wir haben nun verabredet, in einigen Tagen noch mal über meinen Vorschlag zu sprechen. Ich kann ehrlich nicht sagen, ob er mein Angebot annehmen wird oder nicht. Und ich mache mir nichts vor: Ganz bestimmt wird es schmerzhafte Momente geben, wenn ich Wind von seinen ersten außerehelichen Abenteuern bekomme. Trotzdem stehe ich nach wie vor hinter meinem Vorschlag. Es scheint mir die beste und fairste Lösung für unsere Eheprobleme zu sein.“

Liebe Anita, vielen Dank, dass Du Deine Geschichte mit uns geteilt hast. Wir wünschen Dir und Deiner Familie alles Liebe!

WIR FREUEN UNS AUF DEINE GESCHICHTE!
Hast Du etwas Ähnliches erlebt oder eine ganz andere Geschichte, die Du mit uns und vielen anderen Mamas teilen magst? Dann melde Dich gern! Ganz egal, ob Kinderwunsch, Schwangerschaft oder Mamaleben, besonders schön, ergreifend, traurig, berührend, spannend oder mutmachend – ich freue mich auf Deine Nachricht an lena@echtemamas.de.

Lena Krause

Ich lebe mit meinem kleinen Hund Lasse in Hamburg und bin dort immer gerne im Grünen unterwegs.

Auch wenn ich selbst noch keine Mama bin, gehören Babys und Kinder zu meinem Leben dazu. Meine Freundinnen machen mir nämlich fleißig vor, wie das mit dem Mamasein funktioniert und ich komme als „Tante Lena“ zum Einsatz.

Seit ich denken kann, liebe ich es, zu schreiben – und bei Echte Mamas darf ich mich dabei auch noch mit dem schönsten Thema der Welt auseinandersetzen. Das passt einfach!

Alle Artikel

Kommentare

  1. Liebe Anita

    Dein Bericht spiegelt genau meine Welt wieder – und auch ich hab diesen Vorschlag meinem Mann unterbreitet. Kann dich völlig verstehen und würde es genau so wieder machen.

    Geniesst eure Familie und alles was auf euch zu kommt, fühl dich gedrückt!

  2. Stillst du noch? Das könnte mit hormoneller Veränderung zu tun haben.
    Bei mir war das Problem zwar nicht so stark vorhanden, aber nach dem Abstillen habe ich eine deutliche Zunahme der Libido wahrgenommen.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.