Wie stelle ich meinem Kind den neuen Partner vor? Das sagt die Expertin!

Wenn die Beziehung zum Vater deiner Kinder gescheitert ist, ist das natürlich erstmal eine Enttäuschung, die alle Seiten verdauen müssen. Wenn Eltern sich trennen, sind zwangsläufig auch die Kinder betroffen, es geht also nicht (nur) darum, was für die Erwachsenen das Beste ist. Doch irgendwann bist du bestimmt wieder bereit für eine neue Person an deiner Seite – die dann zwangsläufig auch einen Platz im Leben deines Kindes einnehmen wird.

Doch wann ist eigentlich der richtige Zeitpunkt, um deinem Kind einen neuen Partner vorzustellen? Nach einer Trennung mit Kind fragen sich viele Eltern, wie sie eine neue Partnerschaft in ihr Leben integrieren können. Schließlich möchte man den Kleinen nicht noch mehr zumuten und auch der neue Partner sollte sich der Situation gewachsen fühlen. Sozialpädagogin und Mama-Coach Sonja Sidoroff erklärt, welche Voraussetzungen gegeben sein sollten.

Wann ist der richtige Zeitpunkt für mein Kind und den neuen Partner?

Sonja Sidoroff: „Pauschal lässt sich nicht sagen, wann ein guter Zeitpunkt für das Kennenlernen ist, dafür ist jede Situation zu individuell. Wenn die Trennung jedoch erst vor Kurzem stattgefunden hat und es vielleicht noch viele andere Veränderungen gab (Umzug, Schulwechsel etc.), hat das Kind schon genug zu tun, um sich neu zu sortieren. Da ist dann das Kennenlernen eines neuen Partners nicht unbedingt der beste Zeitpunkt. Das kann ein Kind schnell überfordern.

Es ist auch ein Unterschied, ob ich der Elternteil bin, bei dem das Kind überwiegend lebt, oder ob ich der Elternteil bin, der das Kind alle 14 Tage übers Wochenende hat. Wenn ich das Kind nur alle 14 Tage sehe und es einen neuen Partner in meinem Leben gibt, der nicht bei mir lebt, dann sehe ich keine Notwendigkeit, es dem Kind schnellstmöglich zu unterbreiten oder vielleicht sogar immer an dem gemeinsamen Wochenende auch noch den neuen Partner dabeizuhaben. Da würde ich es eher so halten, dass diese Wochenenden exklusive Zeit zwischen mir und dem Kind sind.

Wenn es irgendwann darauf hinausläuft, dass man vielleicht zusammenzieht oder es etwas wirklich Festes ist, würde ich auch das Kind über die neue Beziehung informieren. Aber auch dann darauf achten, dass nicht IMMER der Partner dabei ist, wenn das Kind zwei Tage bei mir verbringt.

Bin ich der Elternteil, bei dem das Kind überwiegend lebt, lässt sich so eine neue Partnerschaft oft nicht allzu lange verheimlichen. Ich würde aber auch hier schauen, dass die neue Beziehung etwas Ernstes und Festes ist. Grundsätzlich ist es wichtig, sich bei diesem Vorhaben in die Situation des Kindes zu versetzen. Kinder haben oft eine andere Perspektive auf Dinge. Daher ist es im Vorfeld immer gut zu überlegen, wie mein Vorhaben bei meinem Kind ankommen könnte (wir kennen unsere Kinder ja in der Regel so gut, dass wir das ganz gut einschätzen können).”

Eltern sollten sich vorher in ihr Kind hineinversetzen

Bevor du deinem Kind einen neuen Partner in die Nase setzt, solltest du dir einen kurzen Moment Zeit nehmen, um dich in die Gefühlslage deines Kindes hineinzuversetzen. Denn der neue Partner symbolisiert für dein Kind vielleicht mehr als dir bewusst ist.

Sonja Sidoroff: „Ältere Kinder könnten ein Problem damit haben, da sie sich über die Konsequenzen mehr Gedanken machen. Es könnte also sein, dass ältere Kinder eher mit Eifersucht reagieren. Das ist auch total nachvollziehbar. Schließlich haben sie bereits ein Elternteil „verloren“ und haben nun Angst, den anderen Elternteil nun auch noch an eine andere Person zu ‚verlieren‘.

Ältere Kinder verstehen auch, dass es nun für Mama und Papa tatsächlich kein Zurück mehr gibt. Viele Kinder hoffen insgeheim, dass Mama und Papa wieder zusammenkommen. Wenn es aber nun einen neuen Partner gibt, erlischt diese Hoffnung meist, was zu Trauer, Frust und Wut bei dem Kind führen kann. Hier ist es wichtig, die Emotionen des Kindes wahr- und ernstzunehmen und auf diese adäquat einzugehen.

Wichtig ist auch, dem Kind zu signalisieren, dass es offen seine Meinung in Bezug auf den neuen Partner kundtun darf und dann eventuelle Bedenken, die das Kind hat, mit ihm zu besprechen. Das Kind soll sich also nicht dazu gezwungen fühlen, der Mama zuliebe den neuen Partner toll finden zu müssen.”

Welche Kriterien sollte der neue Partner dafür erfüllen?

Doch auch die Person an deiner Seite solltest du kritisch hinterfragen, bevor es zu einem Kennenlernen kommt.

Sonja Sidoroff: „Der neue Partner sollte von sich aus bereit sein, das Kind kennenzulernen. Toll ist es natürlich auch, wenn der neue Partner gut mit Kindern umgehen kann und auch potenzielle Konfliktsituationen nicht scheut. Der neue Partner sollte Verständnis dafür haben, dass das Kind nicht sofort begeistert ist über den neuen Familienzuwachs und ein ablehnendes Verhalten des Kindes daher nicht persönlich nehmen.

Er sollte auch Verständnis dafür haben, dass das Kind öfter mal die Priorität ist und nicht beleidigt sein, wenn mal Treffen (weil das Kind krank ist etc.) nicht zustande kommen. Diese Toleranz sollte grundsätzlich gegeben sein, wenn man sich für eine Partnerin oder einen Partner mit Kind entscheidet.

Was ist ein passender Rahmen für ein Kennenlernen?

Wenn dein neuer Partner die Kriterien erfüllt, geht es um die konkrete Umsetzung. Auch dazu hat die Expertin Tipps.

Sonja Sidoroff: „Es ist immer gut, das erste Treffen an einem neutralen Ort stattfinden zu lassen. Gut ist es auch, es mit einer Aktivität zu verknüpfen, die dem Kind Spaß macht. Ein langsames Kennenlernen in einer lockeren Atmosphäre, bei der man sich über gemeinsame Aktivitäten langsam annähern kann, ist immer eine gute Möglichkeit. Auch sollte man es nach dem Kennenlernen erstmal langsam angehen lassen. Heute kennengelernt und morgen schon eingezogen, ist keine gute Idee. Der neue Partner und das Kind sollten die Möglichkeit haben, eine Beziehung und eine Vertrauensbasis zueinander aufzubauen.”

Was sollte man definitiv vermeiden?

Abschließend bleibt noch die Frage, was du unbedingt vermeiden solltest, wenn du einen neuen Menschen ist das Leben deines Kindes lässt.

Sonja Sidoroff: „No-Gos sind, dem Kind jedes kurze Techtelmechtel vorzustellen, sodass das Kind alle paar Wochen oder Monate jemand Neues vor die Nase gesetzt bekommt. Auch ist es meiner Meinung nach ein No-Go, wenn die Beziehung noch sehr frisch ist, den neuen Partner sofort bei sich einziehen zu lassen. Wenn man Kinder hat, hat man ihnen gegenüber auch eine Verantwortung. Da würde ich mir definitiv mehr Zeit mit einem Zusammenziehen lassen als ohne Kinder.

Bevor man das Kind vor vollendete Tatsachen stellt, in dem plötzlich und unerwartet ein neuer Partner dasteht, würde ich es im Vorfeld schon mit dem Kind kommunizieren. Wenn ich das Gefühl habe, dass meine neue Partnerschaft etwas Ernstes ist, würde ich das Kind darüber in Kenntnis setzen, dass es da jemand Neues gibt. Anhand der Reaktion des Kindes sieht man ja schon, wie das Kind das findet. Entsprechend würde ich dann die weiteren Schritte planen.”

Vielen Dank an unsere Expertin Sonja Sidoroff!

Sonja Sidoroff.

Expertin Sonja Sidoroff

Sonja Sidoroff ist Sozialpädagogin/Sozialarbeiterin (M.A.) und zertifizierte Inneres Kind Mentorin. Sie hat viele Jahre in einer Familienberatungsstelle gearbeitet und ist seit 2022 selbständig als Mama Coach. Außerdem ist die gebürtige Saarländerin selbst zweifache Mädchen-Mama. Ihr findet Sonja über ihre Webseite (sonja-sidoroff.de) oder ihr Instagram-Profil als der_mama_coach.

 

Lena Krause
Ich lebe mit meinem kleinen Hund Lasse in Hamburg und übe mich als Patentante (des süßesten kleinen Mädchens der Welt, versteht sich). Meine Freundinnen machen mir nämlich fleißig vor, wie das mit dem Mamasein funktioniert. Schon als Kind habe ich das Schreiben geliebt – und bei Echte Mamas darf ich mich dabei auch noch mit so einem schönen Thema befassen. Das passt einfach!

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