„Wie ich regelmäßig meinen Teenager blamiere – einfach, in dem ich lebe…“

„Oh nee, du bist sooo peinlich, Mama!“

Jede von uns hat diesen Satz in der Vergangenheit schon mal gesagt, wetten? Und die meisten von uns, die ältere Kinder haben, haben ihn sicher schon gehört. Er gehört zum Erwachsenwerden wie Pickel und sprießende Körperbehaarung.

Ein ewiger Kreislauf, in dem man im Laufe der Jahre die Position wechselt: Von der peinlich Berührten zur peinlich Handelnden.

Da man viele Dinge ja aber so schnell vergisst, ist es für eine Mutter in den meisten Situationen kaum mehr nachvollziehbar, warum genau sich ihr Schatz denn nun gerade wieder für sie schämt. Sie hat doch alle Regeln beachtet: Ihr Kind vor anderen nicht „Schnuffelputz“ genannt… Es nicht lautstark daran erinnert, dass sein Lieblings-Einhorn-Pyjama noch in die Wäsche muss… Und sich auch zusammengerissen und nicht die vergessene Brotdose in die Schule nachgeliefert.

Es ist eben, wie es ist: Mütter von Teenagern können nur verlieren.

Katie Bingham-Smith, Dreifach-Mama aus Maine, hat dieses „Schicksal“ so wunderbar für das Online-Magazin Scary Mommy zusammengefasst, dass ich euch das nicht vorenthalten will:

„Ich halte mich für eine super coole Mutter. Ich bin über alle hippen Ausdrücke und Modetrends auf dem Laufenden. Ich bin sehr offen mit meinen Teenagern, wenn es darum geht, über all die Dinge zu sprechen: Sex, Drogen, Alkohol, sie zu fragen, ob sie einen speziellen Rasierer für ihre Geschlechtsteile brauchen – Sie verstehen schon. Ich erinnere mich, dass mir meine sehr altmodischen Eltern peinlich waren und ich hätte nie gedacht, dass sich meine Kinder jemals für mich schämen würden.“

So startet Katie ihren herrlichen Text. Ist klar, oder? Meine Tochter ist sechs Jahre alt, noch knutscht sie mich hemmungslos vor dem Schultor ab, wenn wir uns dort morgens verabschieden. Ich kann mir ebenfalls nicht vorstellen, dass sie mich einmal so richtig peinlich finden wird. Aber ich ahne, dass ich mich irre…

Katie wurde zumindest relativ schnell ihrer Illusionen beraubt, als das erste ihrer Kinder in die Pubertät kam. Dabei strengte sie sich wirklich an! Sie machte nichts von dem, was sie für peinlich hielt.

Aber sie musste erkennen: Für einen mentalen Zusammenbruch ihrer Teenies reicht es eigentlich schon, dass sie existiert.

Sie hat 5 Beispiele zusammengetragen, die das herrlich zeigen:

1. Bitte nicht Gähnen oder Niesen!

„Mama, kannst du versuchen, nicht zu gähnen? Du gähnst so laut, es ist lächerlich. Oh, und lass mich nicht mit deinem Niesen anfangen! Niesen Sie auch nicht.“ Okaayyyy – schlimmer findet Katies Tochter es nur, wenn ihre Mama neben ihr kaut oder… atmet. Das macht diese ganze Sache mit dem Überleben natürlich nicht unbedingt einfacher.

2. Öffentliche Zuneigung? Bloß nicht!

Das irre daran ist ja: Teenager müssen sich ganz sicher sein, dass ihre Eltern sie lieben. Und das ohne Bedingungen und Kritik. Sonst bricht ihre eh schon fragile Welt zusammen. Aber wehe, wenn ihre Eltern diese Liebe zeigen, wenn jemand dabei ist! Und damit sind nicht mal Küsschen, Haarestrubbeln oder Umarmungen gemeint – eine elterliche Hand auf dem Arm des Teenagers reicht schon. Und: „Texten ist in Ordnung, aber selbst Zuneigung während eines Telefongesprächs zu zeigen, ist ein Grund dafür, weggedrückt zu werden.“

3. Niemals zu nah neben, vor oder hinter dem Teenager gehen

„Gehen Sie nicht, ich wiederhole, niemals neben ihnen her, weil die Leute herausfinden könnten, dass Sie verwandt sind.“ Laut Katie gilt das für alle Lebensbereiche: Bei der Schule, im Einkaufszentrum, bei Konzerten… Als Katie kürzlich mit ihren drei Kids shoppen war, gaben diese ihr vorab genaue Instruktionen: „Mama, lass mich einfach in Ruhe. Ich werde Kleider aussuchen, dann werde ich sie dir geben. Versuche nicht, mich dazu zu bringen, irgendetwas zu mögen, ich weiß, was ich will.“ Katie vertrieb sich die Zeit im Laden damit, lustige Hüte aufzusetzen und Selfies damit zu schießen – bis sie eine WhatsApp aus der Umkleidekabine erreichte, die ihr das verbot. Dann verhielt sie sich unauffällig, bis ihre „lieben Kleinen “ fertig waren. „Ich traf sie hinter einem großen Kleiderständer im hinteren Teil des Ladens, sie gaben mir die Klamotten, die sie wollten, und rannten los. Es war, als würden wir einen illegalen Austausch machen und sie müssten schnell raus, bevor sie erwischt würden.“ Das Schöne ist ja auch, dass Mamas Geld nicht ganz so peinlich ist wie sie 😉

4. Bitte nicht zu viel Interesse am Leben der Kinder zeigen

„Talk to the Hand!“ Kennt ihr?

via GIPHY

 

Eine beliebte Reaktion von Teenagern, wenn man mit ihnen über ihren Tag sprechen will. Das kennt auch Katie: „Ich bekomme Nachrichten von meinen Kindern, die mich wissen lassen, dass sie nicht mehr mit ihrem Schwarm sprechen, und es folgt immer: ,Aber stelle mir niemals irgendwelche Fragen dazu.`“ Katie erklärt: „Sehen Sie, Ihre Kinder wollen, dass Sie Dinge wissen, aber es muss zu ihren Bedingungen sein. Besorgnis zu zeigen oder sie wissen zu lassen, dass Sie immer da sind, um mit ihnen zu sprechen, wird dazu führen, dass sie abschalten.“

5. Soziale Medien sind nichts für Eltern – und das beweisen diese täglich

Der Umgang mit Elektronik und sozialen Netzwerken wurde der heutigen Teenager-Generation scheinbar in die Wiege gelegt. So sehr sie sich auch alle unterscheiden (wollen), sie alle posten, klicken, scrollen, machen Stories – und das gefühlt ständig. Deswegen ist es ihnen auch absolut unverständlich, wenn ihre Eltern dieses ganzen Kram nicht richtig verstehen. Und haben so gar keine Lust, ihnen dabei zu helfen. Lästig ist das. Und peinlich. Überhaupt: Was wollen Eltern eigentlich bei Instagram? Und warum zur Hölle wollen sie sich noch mit ihren Kindern dort verbinden? OMG, echt. Und bitte macht nicht den Fehler, eure Kinder auf irgendwelchen gemeinsamen Fotos zu verlinken! Die Strafe ist eine lebenslange Blockierung eures Accounts durch eure Kinder.

Tja, Katie: „Also, ich lasse Sie nur Folgendes wissen: Sie werden Ihre Teenager in Verlegenheit bringen, egal wie cool Sie sind. Es führt kein Weg daran vorbei.“

So ist das Leben, und auch, wenn man das alles mit Humor nimmt, tut es manchmal weh. In diesen Momenten hilft vielleicht die Vorstellung, dass auch unsere Kinder mit relativ großer Wahrscheinlichkeit mal Eltern von Teenagern sein werden…

Laura Dieckmann

Als waschechte Hamburgerin lebe ich mit meiner Familie in der schönsten Stadt der Welt – Umzug ausgeschlossen! Bevor das Schicksal mich zu Echte Mamas gebracht hat, habe ich in verschiedenen Zeitschriften-Verlagen gearbeitet. Seit 2015 bin ich Mama einer wundervollen Tochter.

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Nadine Elsholz
Nadine Elsholz
1 Jahr zuvor

Einfach nur treffend, humorvoll und genial 💪
So muss es als mama sein 🤣
Und zur Not kann man es auch für seine Zwecke einsetzen😜

Grüße von einer mama mit auch drei Teenagern

Ginab
Ginab
1 Jahr zuvor

Also weder hab ich das zu meiner Mutter gesagt, noch es jemals von einem meiner 4, mittlerweile erwachsenen, Kindern gehört. Bei uns gabs immer Küsschen zur Begrüßung, zum Abschied und auch Gutenachtküßchen mit Haarestruweln – da war egal, wer daneben ist und so ist es auch heute noch. Außerdem hätten mir die Kinder niemals Anweisung gegeben, wie ich mich zu verhalten habe. Schlimm, wenns so etwas, wie oben beschrieben wirklich gibt – da läuft dann in der Gesellschaft etwas gravierend falsch. Man sieht sowas vielleicht in Filmen oder liest es, aber in Wirklichkeit hab ich ein derartiges Verhalten von Jugendlichen in meinem Umfeld niemals erlebt.