Wenn man vom Amt leben muss: Ich hungere, dass es meinem Kind an nichts fehlt

Liebe Mamas,

ich muss einfach mal etwas loswerden! Möchte dabei aber gerne anonym bleiben, da es einige gibt, die mich persönlich kennen aber von meiner Situation nichts wissen.

Ich sehe oft, besonders in Mamagruppen, wie Mütter runtergemacht werden, wenn sie fragen, wann endlich das Geld vom Amt kommt, oder ob es bei anderen schon auf dem Konto ist.

Zu meiner Situation: Ich lebe von Elterngeld, Unterhalt, Unterhaltsvorschuss, Kindergeld, Betreuungsunterhalt und bekomme 35€ aufstockend vom Amt. Habe mein Abi abgeschlossen und wurde währenddessen ungeplant (unbewusster Einnahmefehler der Pille mit Schmerzmitteln!) schwanger.

Der Kindsvater und ich sind seit der Schwangerschaft getrennt, ich habe einen neuen, gut verdienenden Freund mit dem ich nicht zusammen lebe. Mein Freund würde gerne oft finanziell für mich aufkommen, aber ich möchte das nicht. Mir wurde oft unterstellt ich wäre geldgeil und hätte die Schwangerschaft zum Beispiel mit Absicht herbeigeführt, um an das Geld meines Ex-Freundes zu kommen. Nein, sicherlich nicht.

Auch würde Geld von den Eltern etc. leihen für mich nicht in Frage kommen, da ich es nicht zurück zahlen könnte – auch wenn sie es nicht verlangen würden.

Gerade sitze ich hier und habe noch einen Teller Reis zum Abendbrot gegessen. Ja, nur Reis. Zum Mittag gab es zwei Kartoffeln mit etwas Salz und Margarine. Zum Frühstück habe ich ein trockenes Brötchen gegessen. Genau das gleiche esse ich seit Samstag. Zu trinken gibt es Leitungswasser für mich, und wisst ihr warum? Weil mein Kind alles hat was es braucht, ich darauf verzichte, aber dennoch hoffe, dass bald Geld kommt, damit mein Magen mal wieder richtig Ruhe gibt.
Ich habe meinem Baby diesen Monat das Babyschwimmen bezahlt, anstatt mein Essen. Sie hat neue Kleidung bekommen, weil vieles zu klein war – und ich nichts zu essen. Für ihren Kinderwagen bekam sie einen Sonnenschirm, damit sie vor der Sonne geschützt ist und mich trotzdem sehen kann – und ich nichts zu essen.
Einige Spielzeuge wurden nun uninteressant, also bekam sie neues Spielzeug, ihrem Alter entsprechend! Sie bekommt Aptamil, weil sie vieles andere nicht vertragen hat und ich ihr nichts Schlechtes geben will, nur weil es günstig ist, damit ich essen kann. Sie trägt Pampers, weil sie von allen anderen Windeln wund wird – dafür verzichte ich auf außergewöhnliches Essen oder ganz drauf.

Im Gefrierschrank sind mehrere „Brei-Menüs“, die sicherlich für die nächsten 3 Monate reichen, aber die gehören meinem Kind!

Gestern habe ich noch vier Pfandflaschen weg gebracht und unterwegs sah mein Kind ein anderes Kind mit einem Quetschi – mein Kind liebt die Quetschis von Fruchtbar, ich habe welche zu Hause auf Vorrat – bis neues Geld kommt, aber ich hatte keinen mit. Anstatt mir etwas zu essen zu kaufen, kaufte ich meinem Kind unterwegs einen Quetschi von Fruchtbar, damit sie glücklich ist!

Mein Kind hat alles, was es braucht und noch mehr! Ich verzichte auf alles, nur für mein Kind!
Warum darf ich dann nicht fragen wann Unterhaltvorschuss, Kindergeld etc. drauf ist, ohne herunter geputzt zu werden. Ihr wisst doch überhaupt nicht wieso gefragt wird. Ich würde nicht fragen, weil ich nicht mit Geld umgehen kann, im Gegenteil, ich kann sehr gut mit Geld umgehen – ABER mein Kind steht an erster Stelle und wenn sie alles hat und ich dafür nichts, dann bin auch ich glücklich!

Geht mal bitte in euch und denkt nach bevor ihr hier Mütter runterputzt, als gierig oder sonst etwas hinstellt!

Im übrigen werde ich auch nach meiner Elternzeit keine Ausbildung machen, sondern ein duales Studium! Ich will nicht, nur weil ich früh schwanger und Mama geworden bin, auf biegen und brechen eine Ausbildung machen, damit ich mein Leben lang jeden Cent umdrehen muss, sondern drehe lieber eine gewisse Zeit jeden Cent um und habe hinterher einen gut bezahlten Arbeitsplatz! Aber vorher möchte ich, genauso wie jede andere Mutter, das Recht haben für mein Kind da zu sein – mindestens im ersten Lebensjahr!

Liebe Mamis, seid respekt- und verständnisvoller zueinander. Ihr kennt die Geschichten nicht, die hinter der Fassade stecken… wir sind doch alle nur Mamas!

Laura Dieckmann

Als waschechte Hamburgerin lebe ich mit meiner Familie in der schönsten Stadt der Welt – Umzug ausgeschlossen! Bevor das Schicksal mich zu Echte Mamas gebracht hat, habe ich in verschiedenen Zeitschriften-Verlagen gearbeitet. Seit 2015 bin ich Mama einer wundervollen Tochter.

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