Wenn ein Kind stirbt: „So fühlt sich mein ,Leben danach`an…“

10 Jahre hatten wir zusammen. 10 wundervolle Jahre, in denen mich mein strohblonder Junge, der aussieht wie ,Michel aus Lönneberga` zum Weinen, zum Lachen, zum Verzweifeln gebracht hat. Der mir mit der selbstverständlichen Weisheit eines Kindes die Welt neu gezeigt hat, mir allzu oft einen Spiegel vorgehalten hat, der eine neue Frau aus mir gemacht hat.

Mein einziges Kind, dass nach einem langen, schmerzhaften Weg des Kinderwunsches zu mir gefunden hatte. Das ich mehr liebe als mein Leben.

Nun ist es tot. Ganz plötzlich aus meinem Leben gerissen.

Wie sich das anfühlt? Das ist so schwer in Worte zu fassen, die Wucht des Schmerzes ist nicht zu beschreiben. Und doch fragen mich alle danach.

Ich versuche es:

Es fühlt sich so an, als wäre ich tot.

Aber mein Körper will einfach nicht aufhören, zu funktionieren. Er hält mich am Leben, oder zumindest in diesem Zustand zwischen Leben und Tod. Obwohl ich eigentlich sterben möchte.

Es fühlt sich so an, als würde ich hinter Watte leben, betäubt sein.

Ich arbeite seit kurzem wieder, ich treffe mich mit meinen Freundinnen, ich gehe zum Sport – sie haben gesagt, das würde mir gut tun. Aber ich könnte es genauso gut sein lassen, ich spüre dabei nichts.

Es fühlt sich so an, als würde ich träumen.

Wenn ich morgens aufwache, ist zwei Sekunden lang alles in Ordnung. Dann fällt mir wieder ein, dass ich meinen verschlafenen, strubbeligen Sohn heute nicht aus dem Bett werfen muss, damit er rechtzeitig zur Schule geht. Nie wieder werde ich das tun müssen.

Es fühlt sich so an, als wäre ich mutterseelenallein.

Eine Million Menschen können mich umarmen und mich halten, dieses Gefühl der Einsamkeit geht einfach nicht weg.

Es fühlt sich an,  als wenn das eigene Leben einem stetig durch de Finger rinnt.

Als wäre nichts mehr greifbar, als würde man langsam im Treibsand verschwinden.

Es fühlt sich nicht an wie mein Leben, es wird immer nur das ,Leben danach` sein.

Es wird nicht besser werden, nicht einfacher, egal, was alle sagen.“


Vielen Dank, liebe Mama, dass du deine Gefühle mit uns geteilt hast. Wir wünschen dir ganz viel Kraft für die Zukunft.

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Laura Dieckmann

Als waschechte Hamburgerin lebe ich mit meiner Familie in der schönsten Stadt der Welt – Umzug ausgeschlossen! Bevor das Schicksal mich zu Echte Mamas gebracht hat, habe ich in verschiedenen Zeitschriften-Verlagen gearbeitet. Seit 2015 bin ich Mama einer wundervollen Tochter.

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Jules
Jules
1 Jahr zuvor

OMG,
Ich hatte einige schwere Phasen in meinem Leben die ähnliche Gefühle hervorgerufen haben,aber mein 10 jähriger blonder Frechdachs ist hier. Und der Gedanke es könnte anders sein schnürrt mir die Luft ab. Ich hoffe du findest einen Weg, deinen Weg.
Alles Gute und Liebe Jules