Warum weltweit viele Mütter nicht stillen, obwohl sie es möchten

Wenn du jemals daran gezweifelt hast, ob du das mit dem Stillen probieren solltest oder nicht, dann räumt diese Tatsache alle Zweifel aus dem Weg:

Die beste Ernährung für Neugeborene in den ersten sechs Monaten ist Muttermilch. Zu diesem Schluss kommt nicht nur die Weltgesundheitsorganisation (WHO), sondern auch viele weitere Institutionen wie die American Academy of Pediatrics, die nationale Stillkommission oder die europäische Lebensmittelbehörde EFSA. Selten waren sich Wissenschaftler bei einem Ernährungsthema so einig.

Deshalb empfehlen sie für alle Mütter weltweit, frühestens ab dem 6. Monat schrittweise die Beikost einzuführen, während sie noch weiterstillen. Sie raten teilweise sogar zur Muttermilch, bis die Kinder zwei Jahre alt sind.

Die gute Nachricht:

Die Stillbereitschaft bei jungen Müttern um den Globus ist dementsprechend sehr hoch. Schließlich wollen sie nur das Beste für ihren Nachwuchs, so eine Studie von Philips Center for Health and Well-Being.

Das Ergebnis hinsichtlich der Stillbereitschaft konnte eindeutiger nicht sein: 94 Prozent der Frauen gaben an, gerne stillen zu wollen. An der Studie nahmen weltweit knapp 4.000 Frauen zwischen 18 und 40 Jahren teil. Sie kamen aus Ägypten, Brasilien, China, Großbritannien, Indien, Südafrika und den Vereinigten Staaten.

Die schlechte Nachricht:

Trotz ihres Wunsches und ihrer Bereitschaft stillte ein Großteil der Mütter  nicht oder wesentlich kürzer als die empfohlenen 6 Monate. Wie das?

Durchschnittlich 41 Prozent der Mütter hatten entweder direkt nach der Geburt solche Stillprobleme, dass sie es wieder aufgaben, oder sie stillten innerhalb der ersten sechs Lebensmonate ihres Babys wieder ab.

Die Stillquote hängt vom Land ab.

In Indien zum Beispiel ist die Stillquote bei den 6–monatigen Säuglingen mit 90 Prozent am höchsten. Ein Kind zu stillen ist dort in vielen Bevölkerungsgruppen hoch angesehen. Junge Mütter erfahren beim Stillen deshalb große Unterstützung.

Ganz anders sieht es in Großbritannien aus, wo ab dem 6. Lebensmonat nur noch 27 Prozent aller Mütter stillen. Dies kann damit zusammenhängen, dass viele britische Mamas schon nach kurzer Zeit wieder in den Job zurückkehren (müssen).

Der Hauptgrund für das frühe Abstillen ist jedoch ein anderer:

Rund 40 Prozent der Frauen weltweit gaben eine geringe Milchbildung als Grund an und die daran geknüpfte Sorge, dass ihr Baby nicht ausreichend Nährstoffe bekomme. 24 Prozent stillten ab, weil ihr Kind die Brust einfach nicht mehr annehmen wollte. 15 Prozent beklagten starke Schmerzen als Grund fürs Abstillen.

Foto: Bigstock

Weitere 14 Prozent gaben auf, weil das Stillen beziehungsweise das Abpumpen der Muttermilch für sie einen zu großen Zeitaufwand bedeutete. Eine frühe Rückkehr in den Job, wie oben besprochen, war für 10 Prozent der Befragten ausschlaggebend. Immerhin noch erschreckende 9 Prozent der Mütter gaben das Stillen auf, weil es ihnen in der Öffentlichkeit unangenehm war.

Was also tun, damit sich die Stillbereitschaft auch in tatsächlichen Zahlen widerspiegelt?

Alle Frauen brauchen guten Zugang zu einfühlsamer Beratung und Unterstützung durch Hebammen, Stillberaterinnen oder anderen erfahrenen Müttern. Besonders wenn Stillen schmerzt und schiefzugehen droht, kann die richtige Vertrauensperson die Situation retten.

Außerdem müsste sich in unserer westlichen Arbeitskultur und dem gesellschaftlichen Ansehen des Stillens noch viel tun. Nur so lässt sich auch hier endlich eine höhere Stillquote erreichen, wie sie in Indien oder auch zahlreichen afrikanischen Ländern normal ist.

Denn Stillen rockt!

Anna Moniz

Vor zwei Jahren hat es mich mit meinem Mann und unserer Tochter vom hohen Norden nach Niederbayern verschlagen. Hier arbeite ich als Autorin für Echte Mamas sowie als freie Texterin und PR-Beraterin. Die Turbulenzen des echten Mamalebens halten mich dabei täglich auf Trab und machen mich gleichzeitig zum glücklichsten Menschen aller Zeiten.

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