„Was ich machte, als mein Kind einen Trotzanfall im Supermarkt hatte“

Meine Tochter (3) ist nun seit vollen zwei Jahren in der Trotzphase.

Ich dachte ja immer, die dauert ein halbes oder maximal ein ganzes Jahr, aber gleich zwei Jahre? Und es ist scheinbar kein Ende in Sicht!

Mit eineinhalb Jahren fing sie an mit ihren kleinen Wutanfällen – meist dann, wenn sie von einer Situation in eine andere wechseln sollte: Abholen aus der Krippe, Aussteigen aus der Badewanne, Reingehen nach dem Spielen, raus aus dem Autositz.

Natürlich auch dann, wenn sie etwas allein machen wollte, aber es nicht schaffte oder (aus Sicherheitsgründen) nicht durfte. Oder wenn ich ihre Spielregeln – die natürlich nur sie selbst kannte und die sich nicht selten von einem zum nächsten Augenblick änderten – nicht richtig befolgte. Die Liste ist lang.

Zwei Jahre und viele tausend durchgesägte Nerven später durfte ich neulich das Horrorszenario aller Eltern am eigenen Leib erfahren: den Trotzanfall an der Supermarktkasse.

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Es war Freitag, später Nachmittag. Meine Tochter hatte sich mittags geweigert, ein Schläfchen zu machen, war aber während des Einkaufs trotzdem friedlich und gut gelaunt – und ich war hoffnungsvoll, dass wir es ohne Wutanfall bis ins Auto schaffen würden. Ich war sogar so gut gelaunt, dass ich ihr ein Puzzle spendieren wollte, das ihr gut gefiel und das im Angebot war.

Dann kamen wir zur Kasse und dort lag auf ihrer Augenhöhe ein „Lillifee“-Magazin. Mit Zauberstab als Beilage. Ab diesem Moment nahm das Drama seinen Lauf:

Wie ferngesteuert legte sie das Puzzle weg und griff nach dem Magazin. „Mama, ich mag das haben!“ Ich warf einen Blick darauf und suchte den winzig klein gedruckten Preis: knapp fünf Euro – für ein paar „Lillifee“–Rätsel und Ausmalseiten plus einen hässlichen Plastikzauberstab, für den ich zusätzlich Batterien kaufen müsste. Noch dazu war das Magazin auch ohne Batteriekauf teurer als das Puzzle. Und zwei Zauberstäbe hatten wir bereits zuhause. Als sagte ich entschlossen: „Nein, das kaufe ich nicht. Du kannst das Puzzle haben, aber bitte lege das Magazin zurück.“

Sofort schossen Tränen in ihre Augen, sie umklammerte das Magazin und ging dramatisch drei Schritte zurück. Während ich unsere Einkäufe auf das Kassenband legte, redete ich auf sie ein, mit betont ruhiger Stimme und viel (zu viel?) Erklärerei:

„Bitte leg es zurück. Ich kaufe die Zeitschrift nicht. Sie ist teurer als das Puzzle. Soviel Geld möchte ich dafür nicht ausgeben. Das ist mir zu teuer. Dafür können wir so viel anderes kaufen. Zum Beispiel Milch für eine ganze Woche.“ Und so weiter und so fort. Doch sie ließ sie nicht los, flehte immer weiter und lief immer aufgeregter hin und her.

Ich hatte inzwischen fast alles wieder in den Einkaufswagen eingeladen, als die Kassiererin mich darauf hinwies, dass meine Tochter, die schon Richtung Ausgang wollte, noch immer das Magazin umklammerte. Die Schlange hinter mir wurde nun immer länger, die Leute schauten auf mein flehendes, verzweifeltes Kind und seine herzlose Mutter und ich spürte, wie alle nur einen Gedanken hatten: „Nun kauf ihr doch endlich das blöde Heft!“

Natürlich hatte ich den Gedanken auch, denn klar, das wäre der schnellste Ausweg gewesen. Ich hätte den Einkauf in Ruhe ins Auto laden können, während mein Kind entspannt durch das Heft geblättert und den Zauberstab ausprobiert hätte. Doch ich habe mich ja nun schon zwei Jahre lang mit dem Thema Trotz befasst und wusste, wenn ich jetzt nachgebe, würde es sich tausendfach rächen. Meine Tochter ist alt und schlau genug, dass sie sich genau merken würde, dass es funktioniert hat. Sie würde es garantiert wieder versuchen.

Also nahm ich mir fest vor, ruhig, gelassen und besonnen zu bleiben, Verständnis zu zeigen, aber dennoch nicht nachzugeben. So wie ich es in verschiedenen Ratgebern aufmerksam studiert hatte. Nur musste ich das Heft auch irgendwie aus ihrem eisernen Griff kriegen, damit wir endlich den Supermarkt verlassen konnten.

Da sie es nicht freiwillig hergab, zog ich daran. Doch sie hielt es so fest, dass ich es fast zerrissen hätte. Gerade als ich nicht mehr weiter wusste und schon losschreien wollte, griff die Kassiererin ein: „Kleine, gib mir mal das Heft“, sagte sie in freundlich bestimmtem Ton. „Ich brauche das jetzt. Gib es mal her.“

Wie durch ein Wunder gehorchte meine Tochter, brach nun aber noch lauter in Tränen aus, so dass ein an der Nebenkasse stehender Mann mit solidaritätstraurigem Kleinkind auf dem Arm nicht anders konnte, als sie zu trösten, während ich den Rest der Einkäufe im Wagen verstaute und endlich bezahlte. Ich fühlte mich dabei wie die grausamste Mama der Welt, aber ich wusste dennoch, dass ich auf die lange Sicht das Richtige getan hatte.

Doch draußen war der Spuk noch lange nicht vorbei. Wir gingen zum Auto, mein Kind laut weinend, so dass uns wieder alle Blicke folgten. Ich lud die Sachen in den Kofferraum und musste danach den leeren Einkaufswagen wegbringen. Meine Tochter weigerte sich mitzugehen, also befahl ich ihr, am Auto zu warten und rannte mit dem Einkaufswagen zum 50 Meter entfernten Sammelplatz, während ich immer wieder zurückschaute, ob meine Tochter noch am selben Fleck stand – was sie auch tat, laut weinend.

Als ich zurückrannte, schauten schon die ersten mit suchenden Blicken, zu wem wohl das weinende Kind gehörte. „Das ist meine!“ rief ich laut und winkte. „Alles in Ordnung!“ Wieder Blicke voller Mitleid – für mein armes Töchterlein natürlich.

Als ich sie dann bat, ins Auto einzusteigen, lief sie mit zornigem Blick um das Auto herum und versteckte sich. Der Versuch, sie zu fangen, war zum Scheitern verurteilt, das war mir direkt klar. Außerdem wollte ich unbedingt verhindern, dass sie in ihrem Zorn über den Parkplatz rennt und dabei Schlimmeres passiert. Also redete ich weiter auf sie ein, jetzt strenger im Ton, denn meine Geduldsfaden war kurz davor zu reißen. Es vergingen wieder Minuten, die sich wie Ewigkeiten anfühlten.

Endlich bekam ich von einer vorbeigehenden Mutter einen Blick voller Verständnis und Solidarität. Das machte mir Mut. Und obwohl es mir zuwider war, packte ich mein Kind in einem günstigen Moment und hielt sie mit viel Kraft fest. Wie erwartet tobte sie und zappelte wie ein Fisch in meinen Armen. Es dauerte entsprechend lange, bis ich sie unter schrillen „Lass mich los!“-Schreien im Autositz hatte, denn ich wollte ihr nicht weh tun und sie sollte sich auch nicht am Türrahmen stoßen.

Es war ein Albtraum! Ich rechnete jeden Augenblick damit, dass ein Polizist hinter mir erscheint und mich wegen Kindesentführung verhaftet. Doch niemand sprach uns an. Und endlich war meine Tochter angeschnallt.

Wir waren fertig zum Losfahren. Und fertig mit den Nerven.

Natürlich nahm ich mir noch die Zeit, im geschlossenen Auto ausgiebig mit ihr zu schimpfen und ihr zu schwören, dass ich nie wieder mit ihr einkaufen fahren würde. Doch das fühlte sich alles falsch an und so fuhren wir schweigend nach Hause.

Als wir uns später beide wieder beruhigt haben, sprachen wir noch einmal ruhig darüber und ich sagte ihr, wie schrecklich es sich für mich angefühlt hatte. Ich wollte nicht so tun, als hätte ihr Tobsuchtsanfall mich kalt gelassen und habe ihr meine Sicht der Dinge erklärt.

Sie schien für einen Moment ehrlich entsetzt darüber, was passiert war. Sie gab mir zu verstehen, dass sie nicht wollte, dass ich mich schrecklich fühle, schon gar nicht wegen einer doofen Zeitschrift. Schließlich versprach sie mir, nie wieder so ein Theater aufzuführen. Bis jetzt hat sie sich daran gehalten, auch wenn hin und wieder ein leichtes Aufbrausen zu spüren ist. Vielleicht kehrt ja nun doch noch die Vernunft ein und bereitet der Trotzphase langsam aber sicher ein Ende. Ich hoffe es jedenfalls sehr!

Allen, die sich mit den Herausforderungen der Trotzphase auseinandersetzen möchten, empfehle ich die Klassiker „Babyjahre“ und „Kinderjahre“ des Schweizer Kinderarztes Remo H. Largo.

Da steht zwar keine Gebrauchsanleitung für Kleinkinder drin, denn die gibt es natürlich nicht. Aber die Bücher helfen, das eigene Kind und dessen geistige und emotionale Entwicklung besser zu verstehen. Und damit besser mit schwierigen Situationen umzugehen, wenn auch längst nicht perfekt. Macht aber nichts, denn ich bin lieber eine echte Mama, als eine perfekte. 

Anna Moniz

Vor zwei Jahren hat es mich mit meinem Mann und unserer Tochter vom hohen Norden nach Niederbayern verschlagen. Hier arbeite ich als Autorin für Echte Mamas sowie als freie Texterin und PR-Beraterin. Die Turbulenzen des echten Mamalebens halten mich dabei täglich auf Trab und machen mich gleichzeitig zum glücklichsten Menschen aller Zeiten.

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