„Warum nur habe ich für mein Kind einen Disney-Namen gewählt!?”

„Ich habe hier vor kurzem die Geschichte einer Mama gelesen, die es nervt, dass der Name ihres Kindes mittlerweile so beliebt ist. Das hat mich an mich selbst erinnert, weil ich ebenfalls Probleme mit dem Namen habe, den ich für meine Tochter ausgesucht habe. Allerdings stört mich nicht seine Beliebtheit, sondern im Gegenteil: Er ist viel zu ausgefallen und noch dazu kitschig.

Vielleicht solltet ihr vorher wissen, dass ich riesiger Disney-Fan bin.

Ich bilde mir ein, dass ich einen ganz besonders ausgeprägten Bezug zu den Filmen habe, weil sie mir durch meine einsame und triste Kindheit geholfen haben. Noch heute schaue ich gerne einen Disney-Film, wenn mich etwas betrübt oder ich Ablenkung brauche. Mein Lieblingsfilm ist ‚Cinderella‘ und jetzt ahnt ihr vielleicht auch schon, welchen Namen ich für meine Kleine gewählt habe.

Als Kind habe ich viel Zeit alleine verbracht, meine Mama war alleinerziehend und musste irgendwie die Miete bezahlen. Also habe ich viel Fernsehen geschaut und mich in eine andere Welt geträumt. Besonders Cinderella hatte es mir angetan, ich wollte genauso sein wie sie und aus meinem langweiligen Leben gerettet werden. Als ich später meinen Mann kennenlernte, hatte ich das erste Mal im Leben das Gefühl, dass nun endlich meine Träume wahr werden.

Es war wie im Märchen.

Schon nach einem Jahr bekam ich einen total romantischen Antrag im Pariser Disneyland. Ich konnte mein Glück einfach nicht fassen, fast hätte ich mich selbst gekniffen, um zu prüfen, ob ich träume. Nach unserer Traumhochzeit war klar, dass wir uns auf das Abenteuer Kind einlassen möchten. Als ich schwanger wurde, schwebte ich wie auf Wolken, ich war total euphorisch und wie besessen von der Idee, dass mein Kind einen ganz besonderen Namen bekommen soll.

Als wir dann erfuhren, dass wir ein Mädchen bekommen, war ich nicht mehr zu bremsen. Ich wollte unbedingt, dass der Name meiner kleinen Tochter an den Zauber von Disney erinnert, der mich mein Leben lang begleitet hatte. Anders als ich früher, sollte sie sich von Anfang an als etwas Besonderes fühlen. Mein Mann war von der ganzen Sache nicht so angetan. Alle anderen Menschen, mit denen ich darüber sprach, auch nicht. Aber ich schaltete auf stur.

Ich wollte mich unbedingt durchsetzen und auf mein Bauchgefühl hören.

Ich recherchierte und recherchierte und fand schließlich heraus, dass ‚Cinderella‘ in Deutschland zugelassen ist. Erst kurz vor der Geburt konnte mein Mann mich überzeugen, dass dieser Name besser als Zweitname geeignet ist. Damals fiel mir der Kompromiss sehr schwer, aber heute bin ich dankbar, dass sich vielleicht irgendwo in mir doch noch eine kleine Stimme der Vernunft gemeldet hat.  Nur meinem Mann ist es zu verdanken, dass meine Maus heute nicht nur ‚Cinderella‘ heißt, sondern ‚Luisa Cinderella‘.

Denn schon kurz nach der Geburt fühlte ich mich mit meiner eigenen Namenwahl nicht mehr wohl. Die Blicke von Familienmitgliedern und Freunden sagten alles, als ich ihnen den Namen verkündete. Während der Schwangerschaft war mir das egal gewesen, aber nun, seit meine Kleine auf der Welt war, verstand ich erst, was meine Entscheidung für sie bedeutet.

Mit jeder Untersuchung, bei der der Arzt kritisch die Stirn runzelte und mir einen fragenden Blick zuwarf, wenn er den zweiten Vornamen meiner Tochter vorlas, sank ich weiter in mich zusammen. Von dem nur mühsam unterdrückten Grinsen der Erzieherinnen in der Kita möchte ich gar nicht erst anfangen.

Was hatte ich mir nur dabei gedacht?

Im Nachhinein komme ich mir egoistisch vor, dass ich meinem Kind einen so ungewöhnlichen Vornamen aufs Auge gedrückt habe. Was ist, wenn sie Disney irgendwann total blöd findet? Gut, die meisten kleinen Mädchen begeistern sich für Prinzessinnen, aber möchte meine Kleine auch mit vierzehn noch ‚Cinderella‘ heißen? Womöglich nicht. Bald ist sie alt genug, dass wir zusammen ‚Cinderella‘ gucken können und ich hoffe einfach, sie freut sich, dass die Heldin genauso heißt wie sie.

Trotzdem mache ich mir Sorgen, wie sie zu ihrem Namen steht, wenn sie älter wird – ob sie vielleicht sogar deswegen geärgert wird. Ich bereue es, dass ich mich damals durchgesetzt habe und sich meine Tochter vielleicht später wegen meiner Entscheidung unwohl fühlt. Heute würde ich einen anderen Namen wählen.“


Vielen Dank, liebe Kerstin, dass du deine Geschichte mit uns geteilt hast. Wir wünschen dir und deiner Familie alles Liebe für die Zukunft!

WIR FREUEN UNS AUF DEINE GESCHICHTE!
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Lena Krause
Ich lebe mit meinem kleinen Hund Lasse in Hamburg. Am liebsten erkunde ich mit ihm die vielen grünen Ecken der Stadt. Auch wenn ich selbst keine Mama bin, gehören Babys und Kinder zu meinem Leben dazu. Meine Freundinnen machen mir nämlich fleißig vor, wie das mit dem Mamasein funktioniert und ich komme als „Tante Lena“ zum Einsatz. Schon als Kind habe ich das Schreiben geliebt – und bei Echte Mamas darf ich mich dabei auch noch mit so einem schönen Thema befassen. Das passt einfach!

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Désirée
Désirée
1 Monat zuvor

Cinderella ist gar nicht der Name der Märchenfigur. Das ist nur die englische Version von Aschenputtel, dem Schmähnamen, den die Stiefschwestern für sie benutzen, weil sie in der Asche schlafen muss. Schon deswegen wäre der Name für mich ein absolutes No-Go. Der richtige Name des Mädchen wird im Märchen nie genannt.

Désirée
Désirée
1 Monat zuvor

Naja, Cinderella ist schon sehr stark mit Aschenputtel assoziiert, daher finde ich den Namen recht problematisch. Es gibt aber andere Disney Namen, die man meiner Meinung nach problemlos vergeben kann, da sie auch unabhängig von der Disney-Figur bekannt sind. Jasmin, Marie, Belle und Meg finde ich okay.

Anika
Anika
8 Monate zuvor

Vielen Dank für deinen Beitrag und deine Ehrlichkeit. Da es „nur“ der Zweitname ist, kann den deine Tochter streichen lassen, sobald sie 18 Jahre alt ist und ihn nicht mehr als Zweitnamen tragen möchte. Ich kenne auch eine Frau, die den zweiten und dritten Namen von den Omas erhalten hat und beide hat streichen lassen. Die Omas fanden es so schön, dass ihre Enkeltochter nach Ihnen benannt wurde und haben sie deshalb immer auch mit dem eigenen Namen angesprochen (nicht mit dem Erstnamen). Davon war diese Frau als Kind so genervt, dass sie ihren Zweit- und Drittnamen als Erwachsene streichen lies. Aber wer weiß, wie deine Tochter das später sieht. Es wird vielleicht Phasen geben, in denen sie diesen Namen lieben wird und es kann Phasen geben, in denen sie ihren Namen hasst. Die Option der Streichung besteht. Was sie daraus macht, muss sie selbst wissen.

Biene Maja
Biene Maja
8 Monate zuvor

Also ganz ehrlich, ich finde den Namen toll und ich liebe auch Cinderella.
Denen,wo es nicht gefällt, die würde ich hinter mir lassen.
Geht sie gar nichts an.
Da wünsche ich Dir einfach eine kalte Schulter.
Du musst dich vor niemand rechtfertigen.
Du bist DU,das ist Clou!
Was irgendwann mal sein wird,da kannst du dir ja dann Gedanken machen.

Mira
Mira
1 Jahr zuvor

Ja

Kirsten
Kirsten
1 Jahr zuvor

Hallo Lena,
Deine Selbstreflektion macht mich sprachlos…
Ich arbeite sehr viel in Grundschulen und öffentlichen Kindertagesstätten.
Du glaubst gar nicht wie viele Eltern der Meinung sin(warum auch immer),dass der Name ihres Kindes der tollst und beste ist.
Chapeau für soviel Ehrlichkeit.

Jo
Jo
1 Jahr zuvor

Ich bin mir sicher, sie wird stolz sein und von den Mädels beneidet werden. Den Name einer Prinzessin zu tragen. 😉

Jacqueline
Jacqueline
1 Jahr zuvor

isses ein Doppelname oder ein 2. Name?
meinen 2. Namen hab ich in meinem Leben so selten wie nur irgendwie angeben müssen…das sollte also nich wirklich viel gewicht haben…
😉 andererseits hat sich die Einstellung zu meinem Vornamen inzwischen geändert, so das ich manchmal versucht war den 2. Namen wieder hervorzukramen 😉

Kleeherz
Kleeherz
1 Jahr zuvor

Egal wie man es macht, es kann von jedem anders ausgelegt werden.
Ich arbeite im Kindergarten-80 Nationen vertreten.
Neues Kind kommt in den Kindergarten.
Vitthesan (Junge, 4 Jahre alt) aus Sri Lanka fragt das neue Kind :Wie heißt du denn?
Kind 3 Jahre antwortet: Ich heiße Daniel
Antwort: hui, das ist aber ein echt komischer Name.
🙂 Was für uns völlig gewöhnlich ist, ist für den anderen fremd oder ungewöhnlich.
Man kann es nicht allen recht machen, deswegen muss man es sich selbst recht machen.

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