Warum meine kleine Tochter mein größtes Vorbild ist!

Habt ihr ein Vorbild? Irgendwie hat doch jeder mindestens eine Person, von der er denkt, dass sie einfach ganz viel richtig macht, etwas besonders gut kann, mutig ist oder eben einfach nur toll.

Bei mir ist das meine Tochter. Sie ist zarte 5 Jahre alt – und meistens ziemlich grandios.

So oft bewundere ich sie! Sowieso. Weil sie eben ein echtes Wunder ist, wie jedes Kind. Ein Mensch, der aus ihrem Papa und mir „entstanden“ ist, der in ein paar kurzen Jahren schon so viel gelernt hat….

Ich bewundere sie aber auch für so viele ihrer Eigenschaften. Denn auch, wenn sie „die Kleine“ von uns beiden ist: So oft könnte ich mir eine Scheibe von ihr abschneiden.

Denn…

Sie ist wirklich wahnsinnig mutig.

Einmal nicht hingeguckt, schwupps, sitzt sie gaaaaaanz oben auf dem Klettergerüst und winkt mir fröhlich zu. Oder gestern, wir waren das erste Mal so richtig rodeln (in Hamburg ist Schnee ein echtes Happening!) – nach einer Gewöhnungszeit von etwa fünf Minuten (aka zwei mal den Kinderhügel runter) ist sie alleine einen ganz steilen Abhang heruntergefahren. Und wieder. Und wieder. Am Anfang bekomme ich manchmal einen riesigen Schrecken… Aber dann geht alles gut, sie jauchzt vor Vergnügen und ich bin ganz schön stolz.

Und wenn der Mut sie mal verlässt, ist sie tapfer.

Kinder müssen sich ganz schon oft an Neues gewöhnen. Im letzten Jahr ist meine Tochter von der Kita in die Vorschule gewechselt und hat einen Schwimmkurs angefangen. Unter Corona-Bedingungen, d.h., Mama und Papa mussten immer draußen warten und sie die neuen Wege ins Schwimmbad und in den Klassenraum alleine auf sich nehmen. Und viele neue Kinder und Lehrer kennenlernen. Das gab zuerst viele Tränen, aber sie hat sich durchgebissen. Das tut sie immer.

Ihr ist egal, was andere von ihr denken.

Wilde Mustermix-Outfits oder kurze Hosen über dicke Strumpfhosen. Lieder, die auf der Schaukel so laut geschmettert werden, dass der ganze Spielplatz unterhalten wird. Die von mir in der Schublade versteckten Nachtwindeln, die sie ganz frei von der Leber weg ihrer Freundin zeigt, die zum ersten Mal bei uns ist. Wenn Kinder sich frei entfalten können, kennen sie wenig Schamgefühle. Zum Glück, denn das bedeutet, dass sie kaum schlechte Erfahrungen gemacht haben oder verspottet wurden. Wäre es nicht schön, wenn es auch uns noch so gegen würde?

Und sie urteilt selten über andere.

Und das hat sogar noch mehr Vorbildfunktion: So frei meine Tochter sich bewegt, kleidet, verhält, so easy ist sie auch anderen gegenüber. Kommt ihr jemand anders oder komisch vor oder versteht sie etwas einfach nicht, fragt sie mich. Oder eben denjenigen, mit einer freundlichen, unvoreingenommenen Neugier. Zum Knutschen! Und nachmachen…

Sie findet Freude in kleinen Dingen.

Die bunten Sticker auf Äpfeln. Buntglitzerndes Bonbonpapier. Meine Tochter kann all das „gebrauchen“, wie sie sagt, und freut sich wirklich richtig darüber! Sie bastelt damit, klebt es auf…. Eine winzige Blume, die sich ihren Weg durch die Erde bahnt. Wolken. Der Mond, der manchmal schon nachmittags am Himmel steht. Meine Tochter sieht das alles. Und findet es faszinierend. Die kleinen Dinge freuen sie manchmal am meisten. Ich genieße es, wenn sie sie mir zeigt, weil es mich zum kurzen Innehalten zwingt.

Sie ist nicht nachtragend.

„Du bist nicht mehr meine Freundin!“ gehört zu den liebsten Streit-Argumenten in der Vorschule. Damit wird ein dramatischer Abgang eingeleitet, der getrennte Wege bedeutet. Bis zur nächsten Pause. Oder, an schlechten Tagen, bis zum nächsten Morgen. Dann ists wieder gut, auch ohne lange Aussprachen.

Oder auch bei mir: Wie oft war ich schon ungerecht zu ihr – etwas, dass sie durchaus schon einordnen kann. Und doch, sie verzeiht mir jedesmal wieder. Schlingt ihre Arme um mich und sagt: „Ach, Mama, ist schon gut. Jeder macht mal Fehler…“

Ich kann dagegen stur sein wie ein Esel und kann mieses Verhalten nur schwer wieder aus meinem Kopf bekommen. Eine furchtbare Eigenschaft.

Ihre Unschuld ist irgendwie doch eine magische Sache, oder?

Keine Vorurteile, die volle Freude am Leben, ein gesundes Selbstvertrauen: Wären wir alle mehr wie Kinder, wäre die Welt ein besserer Ort.

Ist es nicht erstaunlich, wenn man die Rollen mal so umgekehrt sieht? Klar, wir sind die Vorbilder für unsere Kinder, denn wir dürfen sie auf dem ersten Teil ihres Weges begleiten und unterstützen. Aber manchmal, da taugen sie so viel besser als Vorbild, als wir es tun.

Laura Dieckmann

Als waschechte Hamburgerin lebe ich mit meiner Familie in der schönsten Stadt der Welt – Umzug ausgeschlossen! Bevor das Schicksal mich zu Echte Mamas gebracht hat, habe ich in verschiedenen Zeitschriften-Verlagen gearbeitet. Seit 2015 bin ich Mama einer wundervollen Tochter.

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