Warum du mit deinem Kind über Pornos reden solltest

Pornografie ist heute schnell verfügbar – niemand muss sich mehr verschämt in den schmuddeligen Keller einer Videothek verkriechen, um sich nackte Körper im Nahkampf anzusehen. Für aufgeklärte Erwachsene kann das eine echte Bereicherung sein. Blöder Nebeneffekt: Auch Kinder bekommen leicht Bilder in die Hände, die sie überfordern – und geben diese unbedarft weiter. Deshalb ist es wichtig, dass ihr mit euren Kindern rechtzeitig offen über dieses Thema sprecht. Ihr könnt ihnen nämlich am besten helfen, mit pornografischen Darstellungen umzugehen.

Ab welchem Alter soll ich mit meinem Kind über Pornos reden?

Euer Kleinkind hat – hoffentlich – weder im Kindergarten noch zu Hause einen ungehinderten Zugang zum Internet (und Medien generell). Deshalb müsst ihr es nicht mit Informationen überfrachten, die es unmöglich einordnen kann. Doch je größer die Kleinen werden, desto weniger Kontrolle haben Eltern über den Medienkonsum ihres Kindes. Spätestens sobald es sein erstes eigenes Smartphone hat, wird es immer wahrscheinlicher, dass auch euer Kind mit schwierigen Inhalten konfrontiert wird.

Die Unis Hohenheim und Münster haben in einer Studie über 1000 Kinder und Jugendliche zwischen 14 und 20 Jahren zu dem Thema befragt: Es stellte sich heraus, dass die Hälfte schon mit Hardcore-Pornografie in Berührung gekommen ist – zu etwa 50 Prozent unfreiwillig. Filtert man die jüngsten Teilnehmer heraus, also die 14- bis 15-Jährigen, hat immerhin schon ein Drittel von ihnen Hardcore-Bilder gesehen – und zwar im Durchschnitt mit 12,7 Jahren. Nur vier Prozent von ihnen haben ihren Eltern davon erzählt.

Kontrolle und Verbote sind keine Lösung

Prof. Dr. Thorsten Quandt vom Institut für Kommunikationswissenschaft der Universität Münster, stellte fest. „dass Kinder und Jugendliche mit etwas konfrontiert werden, was sie weder sehen wollen, noch richtig verstehen. Da die Mediennutzung oft heimlich passiert, müssen Kinder und Jugendliche mit der Verarbeitung dieser Inhalte allein (…) zurechtkommen. Das Fehlen von Orientierung durch Erziehungspersonen ist ein ernstes Problem. Die Studie führt deutlich vor Augen, dass die Erstkontakte im heutigen Online-Zeitalter schon sehr früh stattfinden, selbst mit teilweise jugendgefährdenden Inhalten.“

Heißt im Klartext: Ein Gespräch über Pornografie kann schon bei Zehn- oder Elfjährigen angebracht sein. Verbote und Kontrolle sind kein wirksamer Schutz. Oft ist sogar das Gegenteil der Fall: Strenge bringt vielen Kinder nur das Lügen bei. Die Ansichten der Freunde zählen jetzt mehr als die der Alten zu Hause, die eh von nix ’ne Ahnung haben. Dem Kind dauernd das Handy aus der Hand zu reißen, um es zu kontrollieren, ist deshalb keine Lösung. Was hilft: schon früh Medienkompetenz vermitteln und miteinander reden.

Wie rede ich mit meinem Kind über Pornografie?

Gespräche über Sexualität sind den Eltern meistens genauso peinlich wir ihren Kindern. Etwas Humor schadet deshalb nie. Sehr witzig verdeutlicht eine Werbekampagne des neuseeländischen Innenministeriums den Unterschied zwischen Porno und realem Liebesleben.

Zuviel Drama und Sorge helfen hingegen gar nicht, sondern verschrecken euer Kind eher. Am besten habt ihr bereits vorher schon einmal über Sexualität gesprochen – so könnt ihr besser verdeutlichen, dass Pornos nicht zeigen, wie Sex und Liebe im echten Leben ablaufen. Und dringt lieber nicht mit bohrenden Fragen in euer Kind („Hast du etwa schon mal…?“, „Aha, und was war da jetzt genau?“), verzichtet auf Details und endloses Zutexten. Sprecht anfangs lieber allgemein darüber, dass manchmal solche Filme und Bilder verbreitet werden und wie verwirrend das sein kann. Vielleicht berichtet euer Kind von selbst von solchen Erfahrungen – oder ist für einen späteren Kontakt mit Pornografie gewappnet.Um die Gefahr falscher Erwartungen und ungesunder Beziehungen zu dämpfen, sollte euer Kind wissen:

  • Pornografie hat mit der Realität soviel zu tun wie die werkzeugschwingenden Hunde in Paw Patrol.
  • Auch die Männer- und Frauenbilder sind so echt wie Comiczeichnungen. Die gestrafften, geölten, muskulösen und üppig bestückten Körper sollten dein Selbstbewusstsein nicht beeinflussen.
  • Neugierde auf solche Inhalte ist nichts Böses, sondern etwas ganz Natürliches. Niemand schimpft, wenn du solche Inhalte betrachtet hast.
  • Schaue bitte trotzdem lieber nicht weiter, sondern komm zu uns, damit wir darüber reden können.
  • Sex ist etwas, das beide Partner wollen müssen. Anders als in manchen Filmen bleibt ein Nein ein Nein.
  • Jeder bestimmt selbst über seinen Körper. Das heißt auch, dass du dich niemals bedrängen lässt, Nacktbilder (schon gar nicht welche von dir selbst) zu teilen.

Wie ist es bei euch: Wann und in welchem Alter habt ihr mit euren Kindern über das Thema Pornografie gesprochen? Habt ihr noch weitere Tipps? Wir freuen uns über eure Erfahrungen!

 

Jana Stieler

Ich lebe mit Mann und Sohn im Süden Hamburgs – am Rande der Harburger „Berge“ (Süddeutsche mal kurz weghören: Der höchste Punkt misst immerhin sagenhafte 155 Meter ü. M.). Wenn ich nicht gerade einen Text verfasse, liebe ich Outdoor-Abenteuer mit meiner Familie, lange Buch-Badewannen-Sessions mit mir allein und abendliches Serien-Binge-Watching.

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