Warum es nichts bringt, dass sich dein Kind entschuldigt

Unser Zweijähriger hat ein anderes Kind am Haar gezogen. Oder seinem Freund das Spielzeug weggenommen.

Die Situation kennen wir alle – und unsere Reaktion ist normalerweise so oder so ähnlich:

„Nein, das darfst du nicht. Mach bitte sofort ‚ei ei‘.“

Diesen Satz wiederholen wir entweder so lange, bis unser Kleiner endlich ‚ei‘ gemacht hat bzw. helfen wir nach, indem wir ihm zum Beispiel die Hand führen.

Laut der Erziehungsexpertin und dreifachen Mutter Meghan Leahy ist das jedoch falsch – zumindest solange die Kinder noch sehr klein sind.
„Kinder, die unreif sind (typischerweise bis zum Alter von sechs Jahren) profitieren nicht davon, wenn sie gezwungen werden, sich zu entschuldigen. Sie können das Gefühl nicht verstehen, was du ihnen vermitteln willst,“ so die Expertin in The Washington Post.
„Wenn es ihnen leid tun würde, würde man es sehen. Kleinkinder (um die zwei) wollen einfach, was sie wollen, und können nicht nachvollziehen wie andere fühlen – das ist normal.
„Sie zu zwingen, dass es ihnen leid tut oder dass sie sich schuldig fühlen, verwirrt sie nur,“ so der Eltern-Coach.
Ja, aber wir können doch das Verhalten unseres Schatzes nicht ignorieren! Das andere Kind braucht schließlich Trost und unser Kind soll nicht zu einem unsensiblen Klotz heranwachsen.
Diese Sorge will Meghan Leah nehmen, indem sie folgende Reaktion vorschlägt:
Du – ja, du! – entschuldigst dich. Sage „Oh, entschuldige, Emma hat dich gerade gehauen.“ Und dann versuche, die Situation hinter dir zu lassen.
Ist dein Kind ein, zwei Jahre älter, dann lenke seine Aufmerksamkeit auf die Gefühle anderer: „Oh, schau mal, dein Bruder weint. Meinst du, sein Arm tut weh? Komm, lass uns einen Eisbeutel holen.“
„Ich nenne das Wiedergutmachung leisten. Es hat eine große Wirkung, weil wir so langsam den Schmerz anderer mitbekommen, wir die Gefühle benennen und versuchen, Dinge wieder gut zu machen, indem wir etwas Positives tun“, so die Expertin.

„Du kannst zwar deinen 2-Jährigen zwingen, sorry zu sagen, aber denk dran: Es wird ihm nicht helfen, empathischer zu werden.“

Tamara Müller

Als süddeutsche Frohnatur liebe ich die Wärme, die Berge und Hamburg! Letzteres brachte mich vor fünf Jahren dazu, die Sonne im Herzen zu speichern und den Weg in Richtung kühleren Norden einzuschlagen. Ich liebe die kleinen Dinge im Leben und das Reisen. Und auch wenn ich selbst noch keine Kinder habe, verbringe ich liebend gerne Zeit mit ihnen.

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