„Warum behandelt der Vater meines Kindes mich so respektlos?“

„Ich bin 30 Jahre alt und habe einen einjährigen Sohn. Er ist mein Licht, mein aufgehender Stern, mein Sonnenschein. Ich liebe dieses Kind sehr. Aber vielleicht fange ich lieber erstmal ganz am Anfang an….

Vor zweieinhalb Jahren trennten mein Mann und ich uns, weil er unbedingt Kinder wollte und ich mir einfach keine vorstellen konnte. Kurz darauf fing ich eine Affäre mit einem Arbeitskollegen an, wir nennen ihn hier mal Thomas. Ich wurde ungeplant schwanger. Die Umstände für ein Kind waren also alles andere als günstig. Schließlich hatte ich mich gerade erst nach einer neunjährigen Beziehung getrennt, mit dem Kindsvater führte ich keine Beziehung und eigentlich hatte ich nie einen Kinderwunsch gehabt.

Aber als ich dann mein Baby zum ersten Mal auf dem Monitor des Ultraschallgerätes sah, war für mich absolut klar:

Ich möchte dieses Kind bekommen. Es war einfach mein kleiner Fleck. Thomas und ich entschieden uns also dafür, das Baby zu bekommen. Verbunden durch etwas Schönes, versuchten wir näher zueinander zu finden. Dafür planten wir während meiner Schwangerschaft einen Urlaub zu zweit.

Doch während der dreiwöchigen Kreuzfahrt erlebte ich plötzlich Seiten an Thomas, die mir vorher nie aufgefallen waren. Er behandelte mich herablassend und verhielt sich immer öfter ungeduldig und launisch. Zum Beispiel war er sauer auf mich, weil ich wegen meiner Rückenschmerzen (ich hatte leider schon im sechsten Monat damit zu kämpfen) den Aufzug nahm und nicht mehr so gut Treppen gehen konnte. Ein anderes Mal ließ er mich beim Frühstück einfach sitzen, weil ihn meine angebliche ‚Trödelei‘ nervte.

Unsere drei Wochen entwickelten sich also zu einer schlimmen Zeit.

Ich fühlte mich gefangen auf einem Schiff mit einem Mann, der mich immer wieder wie Dreck behandelte. Deswegen sehnte ich das Ende der Reise herbei. Als wir dann endlich wieder zu Hause waren, teilte ich ihm klar mit, dass ich mir eine Beziehung zu ihm nicht mehr vorstellen könnte. Stattdessen wünschte ich mir Abstand, um klare Grenzen zu ziehen: Eltern ja, Beziehung nein.

Er machte mir den Gegenvorschlag, dass wir doch trotzdem eine Beziehung leben könnten. Zumindest bis einer von uns einen anderen Partner finden würde. Dieser Vorschlag kam für mich völlig aus dem Nichts, schließlich hatte er mir bei der Kreuzfahrt immer wieder gezeigt, dass er mich kaum ertragen konnte. Für mich klang es deswegen so, als suche er lediglich einen Lückenfüller und ich lehnte ab. Thomas wollte das aber nicht akzeptieren, er versuchte immer wieder mich zu küssen und zu umarmen und drückte mich gegen meinen Willen an sich.

Die letzten Monate meiner Schwangerschaft verbrachte ich also damit, ihm immer wieder zu sagen, dass er mich bitte in Ruhe lassen soll.

Ich versuchte ihm deutlich zu zeigen und auch immer wieder zu sagen, dass ich keine Körperlichkeit mehr wollte. Dass er mich trotzdem immer wieder anfasste, fühlte sich für mich fast wie eine Vergewaltigung an. Ich war von diesem Verhalten enorm gestresst und hatte Angst, dass sich das auf die Schwangerschaft übertragen könnte.

Ich beschränkte den Kontakt dann nur noch auf die Termine beim Gynäkologen und irgendwann ließ er dann zum Glück von mir ab. Wir hatten vereinbart, dass er bei der Geburt dabei sein sollte und die ersten vier Wochen bei mir wohnen würde, um mich zu unterstützen. Am Ende der Schwangerschaft wusste ich gar nicht mehr, ob ich das noch wollte, da er mir eher wie ein Stressfaktor und nicht wie eine Unterstützung vorkam. Allerdings siegte letztendlich meine Angst davor, alles alleine durchstehen zu müssen.

Zum Glück verlief die Geburt komplikationslos, wir wurden Eltern von einem kleinen Jungen.

Ich war fertig, aber voller Hormone und Glücksgefühle. Alles in mir schrie nach Harmonie, Frieden und Familie. Doch lange war mir dieser glückliche Zustand nicht vergönnt, bereits am ersten Abend nach der Geburt verkündete Thomas mir, dass er eine neue Freundin habe. Für mich ist es schwer zu beschreiben, wie ich mich in diesem Moment fühlte. Ich hatte das Gefühl, dass mir etwas genommen wird und fühlte mich geohrfeigt.

Die ersten Tage als Mama wurden nach dieser Offenbarung eine Tortur für mich. In mir tobte ein Sturm aus Gefühlen und ich musste mich gedanklich damit auseinandersetzen, dass nun noch eine zweite Frau Teil unserer Familie werden würde. Dazu kam, dass Thomas für meine Verunsicherung gar kein Verständnis hatte. Womöglich überforderte ihn einfach seine neue Vaterrolle, aber leider war er in den kommenden Wochen wieder unausstehlich zu mir. Immer wieder setzte er mich psychisch unter Druck und demütigte mich.

Da ich bei der Geburt viel Blut verloren hatte, hatte ich Bettruhe.

Immer wenn ich dann Thomas darum bat, mir ein Brot zu schmieren, meinte er nur: ‚Ich bin doch nicht dein Diener!‘ Wenn das Baby nachts weinte, war es meistens selbstverständlich, dass ich mich darum kümmerte und er warf mir lediglich genervte Blicke zu. Wenn ich dann ansprach, wie müde ich war, meinte er aber nur: ‚Selbst schuld, du hättest mich ja wecken können.

Ich fühlte mich also durchgehend traurig und unwohl in seiner Nähe. Zehn Tage nach der Geburt setzte er mir dann auch noch seine neue Freundin auf die Couch. Eigentlich wollte ich ‚Nein‘ sagen, aber sobald ich irgendwie ablehnend auf seine neue Freundin reagierte, wurde er unfassbar wütend. Ich hatte einfach keine Kraft mit ihm zu streiten und ließ das alles über mich ergehen. Sie kam dann noch mehrmals und die beiden gingen mit meinem Sohn spazieren.

Als er endlich auszog, war ich einfach nur froh, dass die unangenehme Situation damit ein Ende fand.

Thomas jedoch wollte weder auf sein Baby noch auf Zeit mit seiner neuen Freundin verzichten. Er forderte sich unseren Sohn immer wieder ein und ich gab mein Baby für ein paar Stunden an die beiden ab. Mein Mamaherz blutete, aber unser kleines Wunder hat das alles sehr gut gemeistert, hat nie geweint und schien sich bei Papa wohl zu fühlen, ansonsten hätte ich das natürlich nicht zugelassen.

Es war mir wichtig, dass ich meinem Sohn wenigstens zwei Eltern bieten konnte, wenn schon keine ‚normale‘ Familie. Mir gegenüber war Thomas leider weiterhin sehr respektlos und launisch, aber einer Auseinandersetzung fühlte ich mich einfach nicht gewachsen. So vergingen die ersten sechs Monate, ich kam in meiner Mutterrolle an, mein Hormonhaushalt regulierte sich und auch Thomas schien sich etwas zu beruhigen.

Trotzdem muss ich mir immer noch in regelmäßigen Abständen Respektlosigkeiten gefallen lassen:

Immer wieder hält er mir meine angeblichen Fehler vor und ständig wird meine Leistung als Alleinerziehende kleingeredet. Dazu kommen die täglichen verbalen Angriffe: Gerade heute schnauzte er mich an, ob ich ‚zu blöd‘ sei, eine Adresse zu googeln, weil ich ihn nach einer Wegbeschreibung fragte. Das sind Momente, in denen ich mich am liebsten von ihm lossagen würde.

Eigentlich bin ich eine selbstbewusste Frau, die sich nichts gefallen lässt, aber ich stecke in einer verzwickten Situation. Normalerweise würde ich mich nie so behandeln lassen, aber ich habe so ein unendlich schlechtes Gewissen meinem Sohn gegenüber. Ich möchte ihm Eltern ersparen, die im Streit miteinander sind und sich nicht verstehen. Aber die aktuelle Situation ist auch keine Lösung: Ich bin immer wieder gestresst, frustriert, sauer und traurig und leider merkt das auch mein Sohn.

Deswegen habe ich schon manchmal das Gefühl, dass ich das Verhältnis zu seinem Vater irgendwie anders regeln muss.

Mein Sohn soll von mir nicht lernen, dass Mama sich alles gefallen lässt. Aber noch überwiegt mein großer Wunsch, meinem Kind Harmonie zu bieten. Zum Glück ist Thomas immerhin ein toller Papa und ich habe einen glücklichen Jungen.

Wenn ich bereit bin, werde ich wissen, was zu tun ist.“

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Lena Krause

Ich lebe mit meinem kleinen Hund Lasse in Hamburg und bin dort immer gerne im Grünen unterwegs.

Auch wenn ich selbst noch keine Mama bin, gehören Babys und Kinder zu meinem Leben dazu. Meine Freundinnen machen mir nämlich fleißig vor, wie das mit dem Mamasein funktioniert und ich komme als „Tante Lena“ zum Einsatz.

Seit ich denken kann, liebe ich es, zu schreiben – und bei Echte Mamas darf ich mich dabei auch noch mit dem schönsten Thema der Welt auseinandersetzen. Das passt einfach!

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Kommentare

  1. Den Wunsch nach Harmonie kann ich sehr gut nachvollziehen. Aber ist die aktuelle Situation denn harmonisch? Offensichtlich ja nicht!
    Daher, liebe Mama: dringend (!) Grenzen setzen. So wird doch ein völlig falsches Harmonie-Verständnis vor gelebt.

    Alles Gute!

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