„War ja klar, dass der Tim heißt!“ Bestimmen Namen unser Aussehen?

Kevin, Maximilian, Sophie, Chantal – bestimmt habt ihr zu vielen Namen auch gleich Bilder im Kopf. Und so ein Name begleitet uns ein Leben lang. Kein Wunder, dass die meisten von uns überlegen, wie wir unsere Kinder nennen. Der Name soll zu ihnen (und zu uns) passen. Er soll schön klingen, kein Sammelbegriff, aber vielleicht auch nicht so „originell“ sein, dass unser Kind ihn andauernd buchstabieren muss. Aber hättest du gedacht, dass sich der Name deines Kindes später womöglich sogar aus dessen Gesicht ablesen lässt? Zumindest legen Studien aus Israel das nahe.

Nur gut geraten?

Wenn wir einen Namen hören, haben wir sofort bestimmte Erwartungen. Das ist teilweise richtig unfair, wenn zum Beispiel Kevin und Chantal direkt für dümmer als Sophie und Maximilian gehalten werden. Allerdings soll sich der Name auch umgekehrt auf den Menschen auswirken, sogar sein Aussehen beeinflussen.

Forscher der Hebräischen Universität in Jerusalem legten den Studienteilnehmer:innen Fotos sowie eine Auswahl an Namen vor. Danach sollte geraten werden, wie der Mensch auf dem jeweiligen Foto heißt. Wurden zu einem Foto fünf Namen präsentiert, lag die Trefferquote bei 35 Prozent. Bei reinen Zufallstreffern wäre von höchstens 20 bis 25 Prozent auszugehen.

Da stellt sich unwillkürlich die Frage: Könnte das nicht auch mit etwas anderen zusammenhängen, als mit den tatsächlichen Gesichtszügen? Schließlich sind viele Namen in bestimmten Altersstufen und sozialen Schichten häufiger vertreten. Vielleicht haben dann ja eher Alter, Haarschnitt oder Kleidung die Teilnehmenden auf die richtige Spur gebracht haben? Aber:

Die Ähnlichkeit lässt sich sogar berechnen

Die Forschenden ließen einen Computer die Gesichtszüge von Menschen mit gleichen Vornamen analysieren. Spooky: Hier lag die Trefferquote noch höher, am höchsten übrigens bei dem Vornamen Veronique (Trefferquote 65 Prozent).

Ruth Mayo, Mitautorin der Studie geht also von einer self-fulfilling prophecy aus, also dass wir uns wie von allen anderen sozialen Umständen auch von dem Namen prägen lassen und uns den Erwartungen anpassen: „Von Geburt an unterliegen wir einer sozialen Strukturierung. Nicht nur durch unser Geschlecht, die ethnische Zugehörigkeit oder das sozioökonomisches Umfeld, sondern ganz simpel auch durch den Namen, den andere für uns auswählen.“

Wow! Kann dann ein Name die genetisch bedingte Optik echt vollkommen verändern? Eher nicht. Es sind – auch laut Mayo – die von uns selbst kontrollierbaren Bereiche, z. B. der Haarschnitt, die Mund- und Augenpartie (Gesichtsausdruck), die diesen Effekt hervorrufen. Also spielen dabei womöglich doch noch andere Faktoren rein, als der Name allein. Nämlich all das, was der Name widerspiegelt: Herkunft, Umgebung, etc.

Wie nenne ich mein Kind denn jetzt?

Für das Phänomen, dass Menschen ihr Aussehen – zumindest ein Stück weit – an ihren Namen anpassen, gibt es sogar einen Namen: der Dorian-Gray-Effekt. In dem gleichnamigen Roman von Oscar Wilde altert anstelle von Dorian Gray dessen Bild. In ihm zeichnen sich auch all seine Sünden ab, er selbst bleibt glatt und schön. Hmm… aber eigentlich beeinflusst dann in der Geschichte doch gar nicht der Name das Aussehen, sondern das Verhalten, wie man es ja eigentlich auch im echten Leben erwarten würde? So ganz schlüssig kommt mir die Benennung nicht vor.

Na egal, zu ernst sollte man das Ganze vielleicht sowieso nicht nehmen. Sucht euch für euer Kind einfach weiter Namen aus, die ihr schön finden. Aber denkt vielleicht auch nochmal kurz darüber nach, wie sich euer Sohn oder eure Tochter mit dem Namen 20 Jahre später fühlen wird. Dann sind Schokominza oder Winnetou (wurden echt beide genehmigt) gar nicht mal mehr soooo süß.

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Jana Stieler

Ich lebe mit Mann und Sohn im Süden Hamburgs – am Rande der Harburger „Berge“ (Süddeutsche mal kurz weghören: Der höchste Punkt misst immerhin sagenhafte 155 Meter ü. M.). Wenn ich nicht gerade einen Text verfasse, liebe ich Outdoor-Abenteuer mit meiner Familie, lange Buch-Badewannen-Sessions mit mir allein und abendliches Serien-Binge-Watching.

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