Ein paar Wochen später beim Kinderchirurgen wurde uns zu einer Salbenbehandlung mit Cortison geraten.
Diese schlug auch erstmal an, aber nach Absetzen der Creme wurde es wieder enger. Da mein Sohn aber weiterhin keine Beeinträchtigungen oder Beschwerden durch seine Phimose zu haben schien, warteten wir bis zur nächsten U-Untersuchung ab. Hier sprach mich der Kinderarzt wieder an und bat um erneutes Aufsuchen des Kinderchirurgen.
Dieser meinte, eine zweite Runde Creme kann man nochmal probieren, aber wir sollen uns drauf einstellen, dass es wohl dauerhaft keinen Erfolg hat.
Der nächste Schritt, um das Problem zu beheben, wäre dann die Beschneidung.
Wir cremten also nochmal sechs Wochen und ermutigten ihn beim Baden, die Vorhaut vorsichtig zurückzuziehen, um sie so natürlich zu dehnen. Aber wie beim ersten Versuch, blieb der dauerhafte Erfolg aus. Also stellten wir uns Anfang 2019 erneut beim Chirurgen vor, der nun schnell zur OP riet und hier von einem kleinen problemlosen Eingriff sprach, der die Verengung schnell und ohne große Folgen beseitigen würde.
Nun ist aber so, dass es seit 2017 eigentlich eine neue Leitlinie gibt. Diese besagt, solange ein Junge keine Probleme wie Entzündungen, Schmerzen, Probleme bei Wasserlassen etc. hat, kann bis zur Pubertät abgewartet werden. Bei 98% der Jungen löst sich die Vorhautverengung dann auf ganz natürlich Weise. Eine OP ist in den seltensten Fällen wirklich nötig.
Leider wird immer noch viel zu früh und ohne Not eine Beschneidung als erstes Mittel der Wahl genannt.
Eigentlich ist die Phimose als Untersuchungspunkt wegen der neuen Leitlinie schon seit 2018 aus den U-Heften verschwunden. Trotzdem halten sich viele Kinderärzte aus alten Denkweisen heraus nicht daran. Stattdessen verweisen sie beschwerdefreie Jungen mit einer Verengung viel zu schnell zum Urologen oder Kinderchirurgen, obwohl eigentlich kein Handlungsbedarf besteht. Damit beginnt eine Spirale der Fehlbehandlung, die leider meistens in einer Beschneidung endet.
So wurde mein Sohn 2019 auf Anraten des Kinderarztes und Chirurgen beschnitten und erst in diesem Jahr wurde mir durch einen Fachbericht bewusst, dass dieser Eingriff, so wie tausende weitere jährlich, völlig unnötig war!
Ich wusste es nicht besser – wie wahrscheinlich die meisten Eltern – und wir hatten volles Vertrauen in die Ärzte und fühlten uns damals gut beraten.
Rückblickend weiß ich, dass keine ordentliche und zeitgerechte Aufklärung zum Thema Phimose und zu der Operation stattgefunden hat.
Aus heutiger Sicht würde ich Eltern, bei deren Söhnen eine Vorhautverengung festgestellt wird, raten, sich immer mehrere Meinungen einzuholen, selbst zu recherchieren und keiner Operation, die nicht lebensnotwendig ist, übereilt zuzustimmen bzw. nichts operieren zu lassen, was keine großen Probleme oder Leidensdruck verursacht-
Ich finde, bei diesem Thema wäre es wichtig, den Jungen und seine Gefühle einzubeziehen. Denn ich habe mittlerweile von vielen Betroffenen gehört, die später psychische Probleme durch den Eingriff hatten. Sowas muss bedacht werden und darum sollte diese OP nur als letzter Ausweg angeboten werden.
Meinem Sohn geht es zum Glück aktuell gut, körperlich wie psychisch.
Allerdings zeigen sich viele negative Folgen der Beschneidung oft erst Jahre später, wie psychische Belastungsstörung, Verengung der Harnröhre, Sensibilitätsstörungen und Einschränkungen in der Sexualität. Auch hier wurden wir leider vom Arzt unzureichend aufgeklärt!
Es liegt mir wirklich sehr am Herzen, dieses Thema in die Öffentlichkeit zu bringen. Wir als Eltern vertrauen auf die Ärzte, dass sie das Beste für uns und unsere Kinder wollen. Darum haben wir ein Anrecht auf Behandlung nach aktuellem Wissenstand der Medizin sowie einer ordentlichen Aufklärung – auch über Langzeitfolgen eines solchen Eingriffs.
Ich hoffe, ich konnte ein paar Jungs-Mamas hier aufklären und so vielleicht andere Jungs vor dem gleichen Schicksal bewahren.”
Liebe Mama (Name ist der Redaktion bekannt), vielen Dank für deine Geschichte. Wir wünschen Dir und Deiner Familie alles Liebe für die Zukunft.
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Ich werde dieses Jahr 50 und mir wurde in der Kindheit etwas vorgelogen, weshalb ich ins Krankenhaus müsse. Mir wurde dann unter Vollnarkose ALLES abgeschnitten, was erogen ist – innere Vorhaut komplett, Frenulum komplett. Viel später habe ich die Akten angefordert – es war aufgrund eines Psychiaters, der dies als „Therapie“ gegen Masturbieren empfahl. Ich hasse meine Eltern zutiefst, mein Sexualleben ist Schrott, da ich mittlerweile gar nichts mehr fühle, und mein Penis ist mit einer häßlichen Narbe und eingetrockneter, verhornter Eichel verunstaltet.
Glückwunsch. Ich bin mittlerweile 40 und hasse meine Eltern wegen der Beschneidung. Sie haben mir die Chance auf ein erfülltes Sexualleben genommen. Ich habe jeden Tag Depressionen deswegen, bin in Behandlung und versuche meine Vorhaut durch dehnen wiederherzustellen. Wegen meinem Selbsthass habe ich keine sozialen Kontakte mehr. Den Kontakt zu meinen Eltern haben ich auch längst nicht mehr. Ebenfalls versuchte ich mich umzubringenden. Ich habe mich immer wegen meines beschnittenen Penis geschämt. In der Schule und beim Sport wurde ich immer ausgelacht. Meine Libido ist quasi nicht mehr existent.
Tina, deine Aussage ist so nicht richtig! Mein Sohn war absolut beschwerdefrei und nach der neuen Leitlinie , hätte hier noch weiter abgewartet werden können! Es ist mittlerweile erwiesen, dass die Altersgrenze von 6 Jahren blödsinn ist und das ein zu frühes eingreifen und manipulieren kontraproduktiv sein kann. Genauso ist mittlerweile bekannt, dass eine Beshcneidung das Sexuelle Empfinden negativ beeinträchtigen kann!
Die Vorhaut ist die sexuell empfindlichste Stelle beim Mann. Sie sollte also dranbleiben und nicht UNGEFRAGT abgeschnitten werden.
Wer sein Kind beschneiden lässt, setzt es dem Risiko aus, später extreme sexuelle Probleme zu haben und seine Partnerin gleich mit. Von folgenden psychischen Problemen ganz zu schweigen.
In der Pubertät wächst der Penis, dementsprechend auch die Vorhaut und das Problem löst sich meistens von selbst. Für schwere Fälle gibt es immer noch die Triple Inzision, die vorhauterhaltend operiert.
In Skandinavien liegt die Beschneidungsrate bei ca. 1%, in Deutschland bei 10%.
Grüße von einem Betroffenen mit völlig unempfindlicher Eichel.