Wutanfälle Kind 4 Jahre? Dieser Trick hilft sofort!

Aus dem Gröbsten raus? Zu früh gefreut. Eine Mutter erzählt, welche Wutanfälle ihr Kind mit 4 hatte und was am Ende wirklich half.

1. Wutanfälle Kind – 4, 3 oder 2 Jahre: Was es mit dem Trotz auf sich hat

Ich dachte eigentlich, dass meine Tochter und ich es geschafft hätten. Dass die schlimme Zeit der Heulattacken am Abend, der Wutausbrüche im Supermarkt und der Trotzanfälle beim Oma-Besuch vorbei wären. Dass sie so gut sprechen und handeln könnte, dass wir von nun an einen entspannteren Weg gehen könnten.

Tatsächlich wird die Trotzphase ja eigentlich Autonomie-Phase genannt. Denn die Kinder sind ja nicht aus Bösartigkeit trotzig oder schreien ihre Eltern aus persönlichen Gründen an. Sie können nicht alles alleine machen, also autonom handeln, so wie sie es sich wünschen.

Meistens sind die Kleinen schlichtweg überfordert. Mit sich oder mit ihrer Umwelt. Und dazu gehören auch wir Eltern. Das alles wusste ich schon. Ich hatte es in der vergangenen Zeit so oft gelesen und versucht, meinen Wutzwerg besser zu verstehen.

2. Erfahrungsbericht: Was mein Kind plötzlich auf die Palme brachte

Und nun war dieser Zwerg schon vier! Sie hatte einen Baby-Bruder, einen Kindergartenplatz und eigentlich ein schönes Leben. Leider machte sie uns und ihren Mitmenschen unser Leben nicht gerade einfach. Alles, wirklich alles wollte sie „zuerst“ machen. Und wenn es nicht klappte, verwandelte sie sich in ein brüllendes Mini-Monster, dem niemand mehr zu nahe kommen durfte.

Zuerst die Treppe runter gehen, zuerst essen, zuerst aufwachen … Teilweise waren ihre Wünsche nicht erfüllbar. Außerdem konnten wir unseren Alltag nicht nur nach ihrem Willen gestalten. Das führte oft dazu, dass sie alles weitere blockierte.

Sie hatte nicht zuerst auf den Ampelknopf gedrückt, weil jemand Anderes an der Straße es schon getan hatte? Pech. Das Kind weigerte sich, weiter zu laufen. Wir mussten warten, bis die Ampel wieder rot war, damit sie wieder drücken konnte. Dass wir den Bus verpassten – nicht ihr Problem.

Sie wurde einmal fast von einer Tür erdrückt, die sie unbedingt allein öffnen wollte. Die Tür war so schwer, dass ich helfend eingriff. Unter Wutgeschrei scheuchte sie mich weg. Ich konnte das keifende Kind gerade noch aus der halbgeöffneten Tür ziehen, die sich gerade wieder schloss.

Beinahe lustig (aber nur beinahe) war die Situation mit einem anderen Kind, das uns besuchte. Die Kleine war genauso alt wie meine. Gemeinsam wollten die beiden in den Keller des Hauses gehen. Als das Geschrei los ging, wusste ich schon, was passiert war. Das andere Kind hatte seinen Fuß zuerst auf die Treppenstufe gesetzt. Jetzt stand es wieder oben und schaute uns mehr als ratlos an. Mein Mädchen stand heulend neben ihr. Das Angebot, jetzt ja zuerst gehen zu können, schlug sie aus, schließlich sei ihre Freundin ja schon einmal auf der Treppe gewesen. Ich glaube, unser Besuchskind verstand überhaupt nicht, was das Problem war.

Irgendwann war ich von der Situation richtig gefrustet. Foto: Bigstock

Und so ging es immer weiter, bis es mir irgendwann zu bunt wurde. Ich hatte wirklich versucht, sie nie zu überfordern, war verständnisvoll und geduldig. Aber als es selbst auf einem gemeinsamen kleinen Urlaub in den Bergen nicht besser wurde, war ich wütend. Und bekam eine Idee.

3. Wutanfälle Kind 4 – welcher Trick mir wirklich half

Ich drehte den Spieß um. Wir tauschten die Rollen. Ich verkaufte es ihr in einer ruhigen Phase als Spiel. „Jetzt will ich immer alles zuerst machen,“ sagte ich ihr und zog das dann auch durch. Erst lachte sie. Und wirkte erstaunlich amüsiert. Ich bockte, weil sie sich zuerst die Hände gewaschen hatte. Und ich wütete, als sie die Tür aufmachte und nicht ich. Und einmal schrie ich sogar böse auf, als sie sich zuerst auf einen Stuhl setzte.

Meine Kleine redete auf mich ein, versuchte ganz ernsthaft, Verständnis für mich zu haben, bot mir Alternativen an und schimpfte ganz vorsichtig. Es war sehr süß. Aber ich blieb dran. Denn so hätte sie sich auch nicht beruhigen lassen. Irgendwann wirkte sie etwas verzweifelt. Ich beobachtete sie noch kurz und beendete die Sache dann.

Ihr fielen mehrere Steine vom Herzen, das sah ich. Ich nahm sie fest in den Arm und sagte, dass sie nun wieder das Kind ist und ich die Mama. Erleichtert guckte sie mich an und sagte, dass das ganz schön anstrengend war. Ich gab ihr Recht, auch für mich war das Spiel anstrengend gewesen. Aber, das schickte ich noch hinterher, vielleicht konnte sie ja nun verstehen, wie es mir geht, wenn sie wegen solcher Sachen wütend wird. Und ob das denn immer wirklich nötig sei.

Von da an war es viel besser. Man sah ihr an, dass es manchmal noch kurz in ihr arbeitete, wenn jemand etwas tat, was sie eigentlich zuerst machen wollte. Aber sie konnte sich beherrschen, alles blieb ruhig. Und in solchen Situationen nahm ich sie dann noch mal extra fest in den Arm und drückte sie. Ich denke, so hat sie ihre Wutanfälle tatsächlich überwunden und ist seitdem viel entspannter.

4. Das sagen Studien dazu

Julia ist mit dieser Problematik gar nicht allein. Eine kanadische Studie besagt, dass Kinder mit 3,5 Jahren am aggressivsten sind – also gar nicht so weit weg von 4! Auch auf kita.de heißt es, dass manche Kinder erst mit 3 oder 4 in die Trotzphase kommen und den einen oder anderen intensiven Wutanfall entwickeln.

So herausfordernd diese Etappe auch sein mag, sie ist wichtig, denn jetzt beginnen Kinder sich als eigenständige Person zu begreifen. Eine Person, die einen Willen bekommt, Bedürfnisse hat – und diese trotzdem nicht durchsetzen darf. Schließlich gibt es Regeln, vorgegeben von den Eltern, dem Kindergarten oder Freunden.

Das kann schonmal einen Wutanfall auslösen – oder trotziges Verhalten. Neben Verständnis und den Gefühlen Raum zu geben, ist der Trick Gold wert, das Verhalten zu spiegeln. Pluspunkt: Hier wird ordentlich Empathie trainiert.

Julia Jung

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