Debatte im Bundestag: Soll Trisomie-21-Test zur Kassenleistung werden?

Gerade hat die FDP für eine Welle der Empörung gesorgt. Der Stein des Anstoßes ist ein Tweet der Partei, der ihre Meinung zu einer aktuellen Diskussion klarstellen sollte. Hier der Post, retweetet von Journalist Robin Alexander:

 

Doch warum erhitzt dieser FDP-Tweet so sehr die Gemüter? Und worum geht es eigentlich?

Seit 2012 gibt es in Deutschland einen Gentest auf Trisomien, der schon von der zehnten Schwangerschaftswoche an möglich ist. Im Blut der Schwangeren suchen Laborexperten dabei nach Erbmaterial des ungeborenen Kindes. Die Untersuchung gilt im Gegensatz zur Fruchtwasseruntersuchung als risikolos.

Unter Politikern und Ethik-Experten ist der Test jedoch von Anfang an heiß umstritten, da tatsächlich die Großzahl der werdenden Eltern nach einem positiven Ergebnis des Tests ihr Kind abtreibe, wie der Spiegel berichtete. Kritiker sprechen von „vorgeburtlicher Selektion“.

Jetzt sind diese Tests das große Thema im Bundestag.

Denn es wird darüber diskutiert, ob sie – bisher privat zu bezahlen  – zur Leistung der Krankenkassen werden sollen.

Auf der einen Seite stehen die eindeutigen Befürworter dieses Plans, wie eben die FDP. Die Partei schrieb auf Twitter: „Wir fordern, das die Tests zur Kassenleistung werden. Jede Schwangere muss selbst & diskriminierungsfrei darüber entscheiden können, ob & welche Untersuchungen sie durchführen lässt & wie sie mit dem Ergebnis umgeht.“ Schon von Haus aus eine strittige Meinung.

Was allerdings zum großen Shitstorm führte, war das Bild, das in dem Tweet gezeigt wird: Eine Mutter, die ein Kind mit Down-Syndrom in den Armen hält. Im Bild steht dann nochmal der Spruch: „Trisomie-21-Test muss Kassenleistung werden!“

Diese Kombination stößt vielen sauer auf. CDU-Ministerin Julia Klöckner beispielsweise reagiert geschockt: „Ich kann gar nicht glauben, dass dieser FDP-Post echt sein soll! Mit diesem Kind im Bild zu verdeutlichen, bei einem Trisomie-21-Test wäre es vielleicht nicht auf der Welt, wenn der Test Kassenleistung wäre…“

Der FDP-Post wird als menschenverachtend bezeichnet und Kommentare wie „Widerlich. Dem Jungen wird das Lebensrecht abgesprochen und mit einer Euthanasieforderung um Stimmen gebuhlt. Das hat es seit der NS-Zeit nicht mehr gegeben.“ häufen sich.

Inzwischen hat die FDP ihren Tweet gelöscht und sich entschuldigt.

 

Es ist aber, wie es im Internet eben so ist.

Der Skandal ist damit nicht noch lange nicht aus der Welt. Gehen wir aber mal davon aus, dass es schlichtweg eine extrem ungünstige, aber ohne diskriminierende Hintergedanken gewählte Kombination aus Wort und Bild war.

Und dafür ein gefundenes Fressen für die Gegenseite. Denn die findet zwar ebenfalls, dass Untersuchungen vor der Geburt, die schwere Krankheiten sichtbar machen sollen, nicht vom Geldbeutel der Eltern abhängen dürfen. Aber, wie beispielsweise Linken-Fraktionsvorsitzender Dietmar Bartsch gegenüber Bild.de sagte: „Das ist ein sehr sensibles Thema, bei dem es dringend mehr Aufklärung braucht! “ Hier wird auch die Meinung der Fraktionsvorsitzenden der Grünen, Katrin Göring-Eckert, zitiert: „Menschen mit Behinderungen gehören dazu. Menschen sind nicht behindert, sie werden meist häufig behindert. Es kommt darauf an, dass wir uns als Gesellschaft klar sind, dass niemand perfekt ist, und das macht uns als Menschen aus“, sagte diese. Diese Seite findet es bedenklich, dass mit einem Anstieg der Abtreibungen zu rechnen ist, wenn allen Frauen der Gen-Test ermöglich wird. 

Viele Experten fordern deswegen, dass der Test – wenn überhaupt – erst nach der zwölften Schwangerschaftswoche bezahlt werde. In den ersten zwölf Schwangerschaftswochen ist eine Abtreibung in Deutschland keine Straftat, wenn die Frauen zuvor eine Konfliktberatung besucht haben.

Ich finde: Die ist eine große Diskussion, die wirklich viele Facetten berücksichtigen muss… Denn natürlich soll jede Frau frei wählen dürfen, ob sie um Krankheiten ihres künftigen Kindes wissen möchte. Aber wenn die Konsequenz wirklich ein deutlicher Anstieg der Abtreibungen jener besonderen Kinder ist, die unsere Gesellschaft so ungemein bereichern?

Was meint ihr zu diesem Thema?

Laura Dieckmann

Als waschechte Hamburgerin lebe ich mit meinem Freund und unserer vierjährigen Tochter in der schönsten Stadt der Welt – Umzug ausgeschlossen! Bevor das Schicksal mich zu Echte Mamas gebracht hat, habe ich in verschiedenen Zeitschriften-Verlagen gearbeitet. Ich mag leckeres Essen, laute Rockmusik und ab und zu sogar ein bisschen Sport.

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