Totgeburt: Heute bin ich froh über die natürliche Geburt meiner Tochter

Die Schwangerschaft ist eine magische Zeit. Der Bauch wächst, irgendwann spürt man die ersten Tritte und jeden Tag begreift man ein bisschen mehr, dass geborgen in Mamas Mitte tatsächlich ein neues Familienmitglied wächst. Man liebt seinen kleinen Schatz immer mehr. Und kann es kaum erwarten, ihn endlich in die Arme schließen zu können, um ins gemeinsame Leben zu starten. Wie unglaublich schlimm es sein muss, diesen Moment unter ganz anderen Umständen erleben zu müssen, kann man wohl nur nachvollziehen, wenn man es erlebt hat. Unsere Echte Mama Lisbeth hat uns von ihrer Totgeburt erzählt:

„Im Oktober 2017 habe ich erfahren, dass ich schwanger bin. Allzu begeistert war ich im ersten Moment nicht, zumindest nicht von den Zeitpunkt: Ich hatte gerade einen neuen Job angetreten.

Allerdings verhütete ich schon seit Jahren nicht mehr, weil mein Mann und ich uns bereit fühlten, Eltern zu werden. Jetzt hatte ich vom Arzt Schilddrüsenhormone bekommen – und siehe da, plötzlich ging es ganz schnell mit der Schwangerschaft.

Als ich mich an den Gedanken gewöhnt hatte, freute ich mich riesig auf unser Baby. Meine Schwangerschaft war unkompliziert und meistens sehr schön! Ich war ganz entspannt und hatte überhaupt keine Angst davor, dass etwas schief gehen könnte.

Schwangere genießt ihre Schwangerschaft

Ich genoss meine Schwangerschaft und freute mich riesig auf unsere Tochter. Foto: Bigstock

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Dieses Grundvertrauen wurde mir allerdings bei einer Routine-Voruntersuchung im Mai 2018 genommen.

Sechs Tage zuvor, direkt nach meinem letzten Arbeitstag vor dem Mutterschutz, war ich das erste Mal außer der Reihe beim Gynäkologen gewesen, weil ich unsere Tochter den ganzen Tag sehr wenig gespürt hatte. Dort wurde ein CTG geschrieben, das total unauffällig war. Das Angebot, noch einen Ultraschall machen zu lassen, habe ich abgelehnt, ich war beruhigt und der nächste Termin war nicht mehr weit. Es war auch schon spät, ich war kaputt und wollte heim.

Doch die nächsten sechs Tage war ich dann irgendwie doch oft unruhig. Ich habe regelmäßig meinen Blutdruck kontrolliert, der im oberen Normbereich lag und habe mich geschont. Ich spürte meine Tochter relativ selten, wusste aber, dass das in der späten Schwangerschaft ganz normal sein kann.

Am Donnerstag, den 3. Mai haben mein Mann uns einen schönen Tag miteinander gemacht und freuten uns die ganze Zeit über, abends unsere Tochter auf dem Ultraschall zu sehen. Als es endlich soweit war, wurde ich zuerst an das CTG angeschlossen.

Es schien schwierig, die Herztöne zu finden.

Ich musste mich ein paar Mal umlegen, aber der Herzschlag war nicht zu hören.

In mir stieg Panik auf… Während die Arzthelferin und mein Mann mich beruhigen wollten, wusste ich irgendwie schon sicher, dass das Unvorstellbare geschehen war. Der Arzt, der dann eine Ultraschalluntersuchung machte, suchte fieberhaft nach dem Herzschlag unserer Tochter. Er fasste sich nervös immer wieder an die Stirn.

Ich sagte zu meinem Mann, der am Fußende der Liege stand, dass er sich setzen solle und zum Arzt, dass er jetzt das Schlimmste aussprechen könne.

Unsere Tochter war in der 34. Woche in meinem Bauch gestorben.

Die Geburt wurde eingeleitet und zwei Tage später kam sie zur Welt. Am 5.5.2018 um 9.21 Uhr. Die eingeleiteten Wehen waren sehr anstrengend und wirklich furchtbar schmerzhaft.

Ich konnte nicht wählen, ob ich sie auf natürlichem Wege oder per Kaiserschnitt zur Welt bringen wollte. In meinem Krankenhaus wird ein Kaiserschnitt im Falle einer Totgeburt nur durchgeführt, wenn eine Gefahr für die Mutter besteht, etwa durch Blutungen oder eine verletzte Fruchtblase. Obwohl mein erster Impuls tatsächlich ein Kaiserschnitt gewesen wäre, bin ich im Nachhinein sehr froh darüber. Denn die natürliche Geburt ist sehr wichtig für den Verarbeitungsprozess einer Totgeburt. Inzwischen würde ich es sehr bereuen, einen Kaiserschnitt gewählt zu haben und rate allen Frauen, die das gleiche durchmachen müssen und nicht in Gefahr schweben, von dieser OP ab.

Ich überstand die Totgeburt: Nun war unsere Tochter also auf der Welt.

Und ich hatte Angst, sie anzuschauen. Wir hatten einfach so viel Angst vor dem Tod und dem Anblick, den wir uns nicht ausmalen konnten.

 

traurige Mutter nach Totgeburt

Lisbeth und ihre Tochter. Foto: privat

 

Mit Hilfe der Hebamme, die die Geburt begleitet hatte, schafften wir es schließlich aber doch, unsere Tochter anzusehen und zu berühren:

Und sie war perfekt und wunderbar und nachdem alle Hemmungen überwunden waren, wollte ich sie gar nicht mehr hergeben.

Zum Glück durfte sie noch bis Montag bei uns im Krankenhauszimmer bleiben, nur nachts musste sie in den Kühlschrank. Dann wurde sie von der Bestatterin abgeholt.

Ja, so bin ich Mama unserer ersten, wundervollen und so schmerzlich vermissten Tochter geworden, unserem Sternenkind, das uns jeden Tag fehlt.

Ich mache mir immer noch sehr viele Vorwürfe. Was wäre passiert, wenn ich den Ultraschall damals in der Praxis meines Frauenarztes nicht abgelehnt hätte? Hätte ich dann jetzt eine Einjährige an der Hand? Oder hätte das alles eh nicht verhindern werden können?

Wir wissen bis heute nicht, warum unsere Kleine sterben musste. Vielleicht hatte ich eine unerkannte Präeklampsie.

Zur Zeit bin ich wieder schwanger in der 20. Woche. Aber unser Leben wird niemals wieder so unbelastet sein wie vor der Totgeburt meiner Tochter.“

Liebe Lisbeth, wir danken dir ganz herzlich für deine offene, berührende Erzählung.

Laura Dieckmann

Als waschechte Hamburgerin lebe ich mit meinem Freund und unserer vierjährigen Tochter in der schönsten Stadt der Welt – Umzug ausgeschlossen! Bevor das Schicksal mich zu Echte Mamas gebracht hat, habe ich in verschiedenen Zeitschriften-Verlagen gearbeitet. Ich mag leckeres Essen, laute Rockmusik und ab und zu sogar ein bisschen Sport.

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