„Terrible two“: Mal bist du noch mein Baby, mal schon sooo groß!

Mein kleiner großer Schatz,

jetzt bist du schon zwei Jahre alt, und du überrascht mich jeden Tag aufs Neue.

Denn du bist unberechenbar, du bist umwerfend, du bist noch klein und doch schon so groß, du bist quasi 2in1:

Denn du bist Baby und Kleinkind zugleich.

Oder eher abwechselnd.

Noch gestern hast du die Welt erobert, indem du gaaaanz langsam und vorsichtig einige Meter von mir weggekrabbelt bist. Und heute stehe ich mit feuchten Handflächen hinter dir, wenn du die Leiter zur Rutsche heraufstiefelst und dabei rufst:

„Gehe weg, Mami! Ich mach das alleine!!!“

Stößt du dir dann dabei das Kinn, kriechst du in meinen Arm und bist kurz wieder ganz klein.

Du willst schon so viel und schaffst noch nicht alles. Das ist so normal, doch das weißt du nicht. Und so trifft dich die Enttäuschung mitten ins Herz, wird zur Wut – und bahnt sich als lauter Schrei seinen Weg aus deinem Körper.

Du hast so eine Kraft in dir, so einen starken Willen, dass mir Angst und Bange werden könnte.

Wenn ich nicht wüsste, dass du irgendwann, erschöpft von all der Wucht deiner Gefühle, auf meinen Schoß klettern und dort Trost suchen wirst. Meine Kleine.

Du bist die Chaos-Queen: Klorollen werden komplett abgerollt, Lippenstifte in deinem ganzen Gesicht getestet, Kekse an den unmöglichsten Stellen verkrümelt und der Inhalt meiner Handtasche quer durchs Zimmer verteilt. Auf der anderen Seite hilfst du mir ohne zu murren, abends all dein Spielzeug wieder in seine Kisten zu räumen. Meine Große.

Und du bist laut. Mein Gott, was hier den ganzen Tag für ein Tumult ist!

Toller Tumult, wie dein ewiges Geplauder und dein ansteckendes, unbeschwertes Lachen. Lieder, die schräg, mit völlig falschem Text – aber unerschütterlichem Selbstbewusstsein – vorgetragen werden. Aber auch Lärm, der mich auf die Palme bringt: Legokisten, die jedes Mal komplett ausgekippt werden, wenn du einen bestimmten Stein suchst oder das Schlagzeug, dass du dir aus Töpfen und Kisten baust…

Du bist oft müde – und zu den falschen Zeiten hellwach.

Denn in der Krippe machst du noch Mittagsschlaf, den du auch brauchst. Oder? Denn danach stehst du abends zwei Stunden hellwach in deinem Gitterbettchen und willst nicht schlafen.

Das zweite Jahr ist der Übergang zwischen Baby und Kind.

Du trägst noch Bodys, hast aber eine genaue Vorstellung davon, was du darüber anziehen willst.

Ich darf dich noch um einen Kuss bitten, du überlegst aber ganz genau, ob du darauf gerade Lust hast.

Du hast noch Babyspeck, aber diese entzückenden Falten auf deinen Beinen werden weniger tief.

Jeder hat mich vor den „Terrible Two“ gewarnt, dieser schrecklichen Zeit, wenn du zwei wirst.

Ich finde, diese Zeit ist wunderbar. Du machst den nächsten Schritt zum Großwerden, eigentlich machst du täglich „nächste Schritte“. Die Unabhängigkeit von Mama zieht dich in ihren Bann. Und ab und zu bekomme ich so schon mal eine leise Ahnung davon, wie es werden wird, wenn du mich irgendwann nicht mehr brauchst.

Aber wenn mich das dann anfängt, melancholisch werden zu lassen, kommst du zu mir gerannt, drückst deine Nase an meinen Hals und möchtest, dass ich den Schmerz an deinem Knie wegpuste.

Zum Glück bist du doch noch ein bisschen klein, meine Große.

Ich hab dich lieb, und das für immer.

Deine Mama

Laura Dieckmann

Als waschechte Hamburgerin lebe ich mit meinem Freund und unserer fünfjährigen Tochter in der schönsten Stadt der Welt – Umzug ausgeschlossen! Bevor das Schicksal mich zu Echte Mamas gebracht hat, habe ich in verschiedenen Zeitschriften-Verlagen gearbeitet. Ich mag leckeres Essen, laute Rockmusik und ab und zu sogar ein bisschen Sport.

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