Stoffwindeln von A bis Z: Alles, was du wissen musst

Die Müllflut eindämmen oder die Windeldermatitis vertreiben sind wohl die häufigsten Gründe, warum sich Eltern dafür entscheiden, ihr Baby mit Stoffwindeln zu wickeln. Doch nach dem ersten Entschluss, sich mit dem Thema zu beschäftigen, folgt oft die Ernüchterung: Es scheint sehr schwierig zu sein, ein „System“ für sich zu finden – vor allem, weil man erstmal absolut keine Ahnung hat, von was die Menschen überhaupt reden oder schreiben, wenn man sich in diversen Foren umsieht.

Darum haben wir die wichtigsten Begriffe für euch zusammengetragen. Wir haben zwar nicht für jeden Buchstaben von A bis Z einen Begriff gefunden, aber fast. Und los geht’s:

AiO von BumGenius, mit freundlicher Unterstützung von Stoffywelt.de

All in One, oft als AIO abgekürzt:
Die simpelste Art der Stoffwindeln. Wie der Name schon sagt, ist hier alles drin und sie funktioniert wie eine Wegwerfwindel – nur statt sie in den Müll zu werfen, wirft man sie eben in die Waschmaschine. AIO sind die einfachste Variante für Omas, Babysitter und KiTa, machen aber auch am meisten Wäsche.

All in Three, Ai3:
Eine Überhose, in die eine „Wanne“ geknöpft oder gelegt wird, in die eine Einlage gelegt wird. Nachteil wie bei Pop-Ins: Hier sollte man sich für eine Marke entscheiden, da die Einlagen nur in die jeweilige Wanne in die jeweilige Überhose passen und nicht markenübergreifend kombiniert werden kann.

Booster:
Eine zusätzliche Einlage, die auf die Einlage oder in die Windel gelegt wird, um die Saugwirkung zu erhöhen. Es gibt sie in unterschiedlichen Stärken, von ganz dünn bis hin zu ziemlich dick für die Nacht. Manche verwenden auch Waschlappen als Booster.

Druckies:
Siehe Snaps

Einlage:
Ja, es gibt verdammt viele Einlagen in unterschiedlichen Farben, Formen und Stärken. Alle haben eines gemeinsam: Sie kommen direkt ans Kind (Ausnahme: Pockets), manchmal mit einem Booster als Zwischenschicht. Darüber kommt immer eine Überhose, da Einlagen zwar saugfähig, aber eben nicht nach außen dicht sind. Der Vorteil davon: Man muss nur die Einlage wechseln/waschen und kann die Überhose mehrmals verwenden.

Fetten:
Der Vorgang, um Wollis wieder wasserdicht zu machen. Wird nach 3-4 Wäschen ausgeführt.

Gummis:
Beim Kauf von gebrauchten Stoffwindeln sollten die Gummis an den Beinen besondere Aufmerksamkeit erhalten. Sie sind oftmals der schwache Punkt von Stoffwindeln, ausgeleierte Gummis führen zum Auslaufen der Windeln.

Höschenwindel, Abkürzung: Höwi:
Die klassische Windel für die Nacht. Sie sind vollkommen aus Stoff und komplett saugend, aber nicht nach außen hin dicht, weshalb immer eine Überhose drüber muss.

Innenansicht:

Innenansicht von Überhosen mit Prefold-Einlagen und Booster – rechts für Mädchen, links für Jungs gefaltet. Mit freundlicher Unterstützung von Stoffywelt.de

Für Stoffi-Neulinge sehr aufschlussreich, besonders beim Gebraucht-Kauf: Nach der Innenansicht fragt man manchmal leichter als sich als ebensolcher auszugeben, indem man fragt, was für eine Art Windel da gezeigt wird. Die Innenansicht gibt Aufschluss darüber, ob es sich um eine ÜH, eine Pocket oder eine SiO oder AiO handelt – und auch erfahrene Stoffis lassen sie sich gerne zeigen, um vor einem Kauf große Flecken ausschließen zu können.

Kams:
Siehe Snaps (das steht hier nur, um das ABC möglichst voll zu bekommen)

Mullwindeln:
Sind die besseren Prefolds! Das meinen zumindest die passionierten Mullwindel-Wickler(innen). Aus den simplen Mullwindeln wird wie zu Omas Zeiten eine Windel gefaltet, die ums Baby gewickelt, meist mit Windelklammer festgemacht und dann mit Überhose als Feuchtigkeitsschutz versehen wird.

Nasstasche/Wetbag
Ein unerlässliches Accessoire! In die Nasstasche/den Wetbag kommen die benutzen Einlagen und Windeln. Nachdem man darin zwei bis drei Tage lang gesammelt und geruchsdicht verschlossen hat, wirft man sie mitsamt dem Inhalt in die Waschmaschine. Darum braucht man davon mindestens vier – zwei große Nasstaschen für zu Hause und zwei kleine für unterwegs. Zuhause geht alternativ natürlich auch der klassische Windeleimer.

Onesize: OS, auch Größe 2 oder BTP (Birth to Potty):
„Die“ Größe. Stoffwindeln gibt es eigentlich in drei Größen: Newborn, Onesize und Maxi. Onesize passt meist von sechs bis 16 Kilo, manchmal auch von Geburt an, ist also die häufigste Größe.

Pocketwindel von Bumgenius, Mit freundlicher Unterstützung von Stoffywelt.de

Pocketwindel:
Die flexible Windel für flexible Babys/Eltern. Wie bei der AIO braucht es keine seperate Überhose, stattdessen Einlagen oder Booster nach Wahl. Wie der Name schon sagt hat eine Pocketwindel eine Art Tasche bzw Lasche, die man zusätzlich mit Einlagen füllen kann – je nachdem, wie viel oder wenig das Baby pinkelt oder wie viele Kilometer es bis zum nächsten Wickeltisch sind.

Pop-In: auch Ai2 (All in Two) oder SiO (Snap in One) genannt:
Ein ganzes „System“: Eine Überhose wird per Snaps oder anderen Knöpfen mit einer oder mehreren dazugehörigen Einlagen verbunden. Ist die Einlage vollgepinkelt, wird sie herausgeknöpft und ersetzt, die Überhose darf bleiben. Nachteil wie bei Ai3: Hier sollte man sich auf jeden Fall für eine Marke entscheiden, da Pop-In-ÜHs meistens nicht mit Pop-In-Einlagen anderer Marken kombinierbar sind – manchmal nicht einmal modellübergreifend innerhalb einer Marke.

Prefolds:
Auch kalifornische Windeln genannt. Sie sehen aus wie ein Quadrat, das in drei Streifen unterteilt ist, wobei der mittlere der dickste ist. In der Mitte sind Prefolds also besonders saugfähig. Mit ihnen kann man das Baby „umwickeln“ wie mit Mullwindeln oder man verwendet sie als Einlage in Überhosen. Achtung: Es gibt Qualitäts-, Saugstärke-, Größen- und Bequemlichkeitsunterschiede! Auch hier hilft nur das Durchprobieren.

PUL: Polyurethan:
Wasserdichtes, aber luftdurchlässiges Material, aus dem die meisten Überhosen und Nasstaschen gemacht sind.

Snaps:
Druckknöpfe, oft als Verschluss für Stoffwindeln benutzt. Vorteil gegenüber von Klett: Länger haltbar und angenehmer zu waschen. Auch vorne auf den meisten Windeln angebracht, um diese in der Größe anpassbar zu machen.

System:
Universal-Bezeichnung. Ein System kann sein: Entweder mit Überhose und Einlage zu wickeln oder mit Pockets oder AiO. Ein System kann aber auch sein: Eine Marke oder auch nur ein Modell einer Marke.

Überhose (ÜH, Wolli):
Lässt keine Nässe durch, gibt es in verschiedenen Varianten und Materialien, die häufigsten sind PUL und Wolle. Es gibt Überhosen für Pop-Ins, Überhosen ohne alles (meist für Höwis benutzt), Überhosen mit Laschen, die alle Arten von Einlagen an Ort und Stelle halten (sollen).

Umwickelt mit Prefolds, mit freundlicher Unterstützung von Stoffywelt.de

Umwickeln:
Beschreibt die Technik, Prefolds oder Mullwindeln zu falten und um das Kind zu legen, ohne sie in eine Überhose einzulegen.

V1 (oder V2 oder V3 …):
Version 1 (oder Version 2 oder Version 3…) eines bestimmten Modells. Viele Windelhersteller verändern ihre Stoffwindeln nach und nach, produzieren also andere Versionen der selben Windel.

Windelklammer:
Befestigt die umwickelte Windel

Windelvlies/Vlieseinlagen:
Meist aus Zellstoff, kommt auf die Einlage, sobald Babys nicht mehr vollgestillt werden. Windeleinlagen fangen den Stuhl ab und werden mit diesem die Toilette runtergespült.

Wollhosen/ Wollis:
Eine Art Überhose, die als besonders atmungsaktiv gilt. Durch Fetten wird sie wasserdicht gemacht. Nachteil: Im Laufe eines Windellebens muss man einige davon kaufen, da sie nicht mitwachsen.

Viele andere, Einsteigern unbekannte Begriffe bezeichnen schlichtweg bekannte Marken oder Modelle, wie Totbots, Blueberry, Bumgenius, Blümchen, Capri, Milovia, Simplex etc.

Rebecca

Schon seit rund einer Dekade jongliere ich, mal mehr, mal weniger erfolgreich, das Dasein als Schreiberling und Mama. Diese zwei Pole machen mich aus und haben eines gemeinsam: emotionale Geschichten!

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